Trump torpediert die neue, humanere Drogenpolitik Kolumbiens

Aerial spraying

Ein Flugzeug der Air Force versprüht Pestizide (Symbolbild) | Bild: © US Air Force [gemeinfrei] - Wikimedia Commons

Bei einem Treffen im Weißen Haus forderte Donald Trump Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos vergangene Woche auf, seine Drogenpolitik zu ändern. Vor allem das Versprühen von Pestiziden solle widereingeführt werden, da die sprunghaft angewachsene Kokainproduktion in Südamerika schleunigst eingedämmt werden müsse. Dabei wurde erst 2015 das Versprühen von Pestiziden durch Flugzeuge verboten, da vermutet wird, dass die giftigen Chemikalien krebserregend bei Menschen wirken. Zudem zerstört es nicht nur die illegalen Felder, sondern auch umliegende, legale Landwirtschaft, und das über Jahre hinweg. Nachdem eine Umgebung mit Pestiziden besprüht wurde, bleibt der Boden für lange Zeit unfruchtbar.

Die amerikanische Administration sieht das Verbot von Pestiziden aus der Luft aber als kritisch an, da es als Zugeständnis an die FARC gesehen wird. Der Senator Marco Rubio sagte, dass die USA nicht unter einem fehlerhaften Friedensvertrag leiden dürfe. Rubio und die amerikanische Regierung verkennen aber den Fakt, dass das Sprühen aus der Luft nicht zwangsläufig zu einer Besserung führen wird. Ganz im Gegenteil zeigt die Vergangenheit, dass es ineffizient ist und wenig zu einer Abnahme der Koka-Kultivierung beiträgt. Schon vor dem Verbot hat der Kokaanbau wieder stark zugenommen, was eine Kausalität zwischen Verbot und Anbauzunahme wenig wahrscheinlich erscheinen lässt.1

Das größere Problem liegt eher in der Strategie der USA begründet. Sie setzen seit jahrzehntelangem, erfolglosem „War on Drugs“ immer noch mehr auf Zerstörung, denn auf Nachhaltigkeit. Wenig, bis gar kein Geld wird in ein Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum investiert, womit verhindert wird, dass Landwirte auf ebenso lukrative, aber legale Alternativen umsteigen können.

Genau diese Problematik scheint die kolumbianische Regierung erkannt zu haben und hat infolgedessen eine neue Strategie erarbeitet. Diese wurde erst letzten Monat offiziell gestartet. Der neue Plan zur Drogenbekämpfung soll die Bauern freiwillig zur Aufgabe ihrer illegalen Felder bewegen.2 Damit dieser Vorsatz gelingen kann, will die Regierung Anreize schaffen. Jedem Kokabauern sollen Ausweichpflanzen, 7.800 US-Dollar und Grundstücke zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich dazu sollen Investitionen in die Infrastruktur und in öffentliche Dienstleistungen getätigt werden, um den Umstieg in die Legalität zu erleichtern.3

Die Verhandlungen werden schon seit über einem Jahr geführt und sind erfolgreich verlaufen. 80.000 Familien, was einem Anteil von 34 Prozent entspricht, haben bereits eine Teilnahme zugesagt und erhalten seit Mai die Subventionen. Einen Monat nach offiziellem Beginn des Plans kann man die Erfolgsaussichten noch nicht absehen, jedoch ist es in der Theorie erfolgsversprechend. Trotzdem wird die Strategie schon jetzt von Trump torpediert. Die Intervention Trumps verheißt nichts Gutes, zumal der neue Plan Kolumbiens nur durch amerikanische Unterstützung erfolgreich zu verwirklichen sein wird. Kolumbien alleine kann sich eine teure, aber humanere Antidrogenpolitik wohl nicht leisten. 4

  1. InSightCrime: US Calls to Revive Colombia Coca Fumigation Could Damage Peace Process; Artikel vom 14.06.2017 []
  2. Colombia Reports: Colombia kicks off radical new counter-narcotics strategy, narcos respond immediately; Artikel vom 13.05.2017 []
  3. Colombia Reports: Farmers of almost 34% of Colombia’s coca agree to change crops: report; Artikel vom 10.05.2017 []
  4. Independent: Peace in Colombia spells boom time for cocaine users in the US; Artikel vom 12.05.2017 []

Über Joseph / earthlink

Ich habe mein Bachelorstudium der Politikwissenschaft in München abgeschlossen. Um die Wartezeit auf den Masterstudiengang sinnvoll zu nutzen, helfe ich bei Earthlink mit. Ich hoffe, dass mir die Chance geboten wird, mich für eine gerechtere und friedlichere Welt einzusetzen.
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