Frauen geraten in Honduras zunehmend in Strudel aus Gewalt und Drogen

coca plantation

Koka-Plantage in den Bergen. (Symbolbild) Bild: © CIAT [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Honduras ist eines der gefährlichsten Länder der Welt. Die Mordrate ist enorm hoch und blutige Bandenkämpfe toben seit Jahren im Land.1 Gründe für die tödlichen Auseinandersetzungen lassen sich viele finden. Die Gewichtigsten stellen aber wohl die zunehmende Beteiligung an der Drogenproduktion und die damit zusammenhängende Korruption dar. Lange Zeit galt Honduras als ein typisches Transitland, in den letzten Jahren aber wurden immer mehr Koka-Plantagen gefunden. Honduras Landschaft zeichnet sich durch viele abgelegene, bergige und regnerische Regionen aus. Diese eignen sich hervorragend für den Kokaanbau, da sie optimale Bedingungen bieten und zudem gut versteckt sind. Das hat die großen honduranischen Gangs wie Barrio 18 und Mara Salvatrucha (MS13) sowie kolumbianische Kartelle auf den Plan gebracht, in Honduras als Kokaproduzenten einzusteigen. Der Weg in die USA ist vergleichsweise kurz und die staatlichen Strukturen begünstigen dieses Vorhaben. In Honduras ist Korruption weit verbreitet. Die Eliten sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor sind weitestgehend korrumpiert und unterstützen die großen Drogenbanden. Sie verfolgen die Gangs strafrechtlich kaum, sondern sichern stattdessen mit Hilfe der kriminellen Gangs ihre Macht ab oder profitieren gar finanziell davon. Indem sie Passivität walten lassen, erhalten sie oftmals Anerkennung in monetärer Form.2

Diese Entwicklung, die innerhalb der letzten Jahre meist linear in Richtung mehr Korruption verlief, bekommt seit letztem Jahr jedoch erste Dämpfer. Nicht nur, dass ein ehemaliger Drogenboss zu einem Geständnis und zur Zusammenarbeit durch die USA bewegt wurde, auch die honduranische Regierung kämpft seit kurzem mit harter Hand gegen die Korruption. Alleine im vergangenen Jahr wurden 4.000 untaugliche, der Korruption beschuldigte Polizeibeamte freigestellt. Zudem wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr Fälle wegen Bestechung als in den gesamten letzten 20 Jahren verfolgt.3 All das zeigt, dass es wirklich Bemühungen zu einem Wandel gibt. Trotz alledem ist die Korruption so tief und fest verankert, dass es längerfristige und tiefergehende Bemühungen braucht. Auch die Frage, ob der Bruder des Präsidenten in den mafiösen Drogenhandel verstrickt ist, ist noch ungeklärt, stellt er doch eine Person von besonderem Interesse für die US-amerikanischen Behörden dar.4

Ein weiteres potentiell großes Problem befindet sich, laut einem Zeitungsartikel der La Prensa, derweil bereits im Anmarsch. Da die Verfolgungsbehörden mittlerweile unter Hochdruck arbeiten, werden Mitglieder der Drogengangs nicht nur festgenommen, sondern zusätzlich auch in die zwei renommiertesten Hochsicherheitsgefängnisse La Tolva und El Pozo gesperrt. Das hat die Gang Barrio 18 empfindlich getroffen und in eine Unordnung gestürzt, da das Führungspersonal reihenweise in den Gefängnissen einsitzt. Vormals konnten sie in den Haftanstalten mit der Außenwelt kommunizieren, da aber in den zwei Hochsicherheitseinrichtungen der Zugang zu Handys strengstens verboten ist und es auch effektiv umgesetzt wird, können die Bosse keine Befehle mehr verteilen. Das hinterließ ein Machtvakuum, welches Bandenmitglieder auf freiem Fuß nun versuchen auszufüllen. Um die Machtkämpfe erfolgreich zu gestalten, missachten sie Ganggesetze und beanspruchen zunehmend Frauen für ihre Zwecke. Wie La Prensa schreibt, sind deshalb vermehrt Frauen zuständig, Erpressungsgeld einzutreiben und das Geschäft am Laufen zu halten.

Problematisch daran ist aber, dass Frauen dadurch tiefer in den Morast aus Kriminalität und Gewalt gezogen werden. Kriminelle Frauen werden so häufiger eingesperrt, was den lateinamerikanischen Trend bestätigt. Die Rate für Gefängnisstrafen für Frauen steigt höher als die der Männer. Außerdem ist in Honduras noch die klassische Familienaufteilung zwischen Mann und Frau landläufig. Wenn aber die Frauen, die für die Erziehung zuständig sind, zunehmend in kriminelle Machenschaften verstrickt und aktiv sind, können sie nicht mehr als die vorgesehenen Beziehungsbeauftragten und Betreuer agieren. So wächst das familiäre Umfeld, besonders die Kinder, von Beginn an in einer kriminellen Umgebung auf. Das ist für die Entwicklung der zukünftigen Generation mit Sicherheit nicht von Vorteil.56

  1. Washington Post: Donald Trump is wrong. Mexico isn’t the second-deadliest country in the world; Artikel vom 23.06.2017 []
  2. InSightCrime: Are Colombians Spreading the Coca Curse to Honduras?; Artikel vom 13.06.2017 []
  3. Washington Post: Honduras is making progress on transparency and corruption; Artikel vom 27.06.2017 []
  4. InSightCrime: Honduras Kingpin Pleads Guilty, Sets Stage for Damning Revelations; Artikel vom 03.07.2017 []
  5. InSightCrime: Role of Female Gang Members Evolving in Honduras: Report; Artikel vom 07.07.2017 []
  6. LaPrensa: Las mujeres de la 18 son utilizadas en la venta de droga y en extorsión; Artikel vom 06.07.2017 []

Über Joseph / earthlink

Ich habe mein Bachelorstudium der Politikwissenschaft in München abgeschlossen. Um die Wartezeit auf den Masterstudiengang sinnvoll zu nutzen, helfe ich bei Earthlink mit. Ich hoffe, dass mir die Chance geboten wird, mich für eine gerechtere und friedlichere Welt einzusetzen.

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