US-Regierung versucht Opioid-Krise zu stoppen

Fentanyl

Fentanyl ist ein opioides Schmerzmittel und in den USA verschreibungspflichtig. Es ist aber auch auf dem Schwarzmarkt erhältlich und extrem gefährlich, da es schnell süchtig macht. Bild: © Boris Ott [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Die USA befindet sich schon länger in einer ‘Opioid-Krise‘, denn seit 1999 hat sich die Anzahl der Opioid-Überdosierungen im Land vervierfacht. Nahezu zwei Drittel der Drogen-Überdosierungen werden derzeit durch die Einnahme von Opioiden ausgelöst. Alleine im letzten Jahr sind in den USA 59.000 Menschen daran gestorben, die Zahl der Toten durch Autounfälle lag deutlich darunter. Hinzukommt, dass seit 2002 die Zahl der Todesfälle, die auf kontrollierte verschreibungspflichtige Medikamente zurückzuführen sind, über den Todesfällen durch Kokain und Heroin lag. Einige Arbeitgeber zum Beispiel im Bundesstaat Ohio sind nicht mehr in der Lage, Arbeitskräfte zu finden, da diese die gesetzlich vorgeschriebenen Drogentests nicht bestehen, da häufig Opioide in ihrem Blut gefunden werden.

Zu den Opioiden gehören beispielsweise auch verschreibungspflichtige Schmerzmittel, aber auch die Droge Heroin zählt dazu. Opioide Betäubungsmittel werden normalerweise für die Schmerztherapie verwendet. 1999 begann die Pharmaindustrie vermehrt für Opioid-Medikamente zu werben, ohne gleichzeitig genug über die Nebenwirkungen aufzuklären. Als Folge verschreiben immer mehr Ärzte solche Medikamente. Über 95 Millionen US-Amerikaner nahmen 2016 verschreibungspflichtige Schmerzmittel ein, davon waren schätzungsweise 2,7 Millionen abhängig.1234

Täglich sterben 90 Menschen in den USA an einer Opioid-Überdosis. Deswegen möchte die Regierung einen neuen Weg einschlagen, um die Krise zu bekämpfen. Der Justiz Minister Jeff Sessions kündigte am 2. August ein spezialisiertes Opioid- Bekämpfungsprogramm an. Durch die Analyse von Daten im Gesundheitswesen sollen Opioid-Betrüger ausgemacht werden. Außerdem sollen zwölf Staatsanwälte für drei Jahre nur Fälle von Betrug im Zusammenhang mit Opioiden bearbeiten. Das Programm läuft vorerst nur in einigen US-amerikanischen Bundestaaten, dort, wo sich die Opioid Krise am deutlichsten zeigt. Darunter fallen zum Beispiel Ohio und Pennsylvania. Laut Jeff Sessions soll das Programm den Behörden erheblich die Identifizierung, Verfolgung und Verurteilung der Personen erleichtern, die sonst zu den Tausenden von Opioid-Toten gehören würden.

Schon vorher unternahm die Regierung Schritte, um die Krise einzudämmen. Im März dieses Jahres lies der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump eine Kommission zur Bekämpfung der Drogensucht und der Opioid-Krise gründen. Diese soll Wege finden, das Suchtproblem zu bekämpfen und die Betroffenen zu behandeln. Die neuen Schritte und Vorschläge folgen einer Reihe von staatlichen Rechtsstreitigkeiten mit Opioid-Herstellern in Ohio, Kalifornien, Illinois, New York, Mississippi und New Hampshire. Ihnen wird vorgeworfen, durch ihre Vermarktung Vertriebs- und Verteilungspraktiken die Krise ausgelöst zu haben, die nun weitreichende Konsequenzen hat. Aber die neuen Bemühungen und die neu eingerichtete Kommission ist eine der ersten großen landesweiten Aktionen der Trump-Regierung, die darauf abzielt, das Problem anzugehen, das für Amerikaner unter 50 die Haupttodesursache geworden ist.

Die Behörden versuchen die Ausgabe der Medikamente stärker zu überwachen und  schlagen vor, dass 2018 in den USA 20 Prozent weniger verschreibungspflichtige Medikamente produziert werden als im Jahr 2017. Zwar ist dies noch kein Gesetz, der Vorschlag zeigt jedoch die zunehmenden Bemühungen des Amtes, die legalen sowie illegalen Lieferketten der Opioid-Krise zu kontrollieren bzw. zu stoppen. Der Missbrauch der Medikamente hat weitreichende Folgen, denn auf Dauer können sich einige Betroffene die Medikamente nicht mehr leisten oder sie erhalten kein Rezept mehr und greifen dann zu den Drogen, die auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind und fördern somit Drogenhändler und Kriminalität.

Viele Betroffene dagegen fordern mehr Möglichkeiten für die Behandlung. Auch die Kommission, die Trump gegründet hatte, empfahl mehr Behandlungskapazitäten und andere Präventionsmaßnahmen zu schaffen. Session zeigte sich jedoch nicht überzeugt von der Behandlung von Drogenabhängigen. Seiner Meinung nach kommt die Behandlung oft zu spät, hilft nur in einigen wenigen Fällen und scheitert häufig. Dies weist darauf hin, dass die Regierung nicht den Großteil der zur Verfügung stehenden Mittel in solche öffentlichen Dienstleistungen investieren wird, die auf Behandlung und Prävention abzielen. Sollen aber gleichzeitig die legalen Wege für Opioide gekürzt werden, könnte es darauf hinauslaufen, dass die Nachfrage nach illegalen Opioiden weiter steigt.256

  1. Reuters: Trump vows to ‚win‘ against opioid epidemic, offers no new steps; Artikel vom 08.08.17 []
  2. InSight Crime: New US Opioid Task Force Lacks Focus on Treatment, Prevention; Artikel vom 04.08.17 [] []
  3. Die Zeit: zu high zum Arbeiten; Artikel vom 08.08.17 []
  4. MedizInfo: Opioide in der Schmerztherapie; Stand vom 11.08.17 []
  5. Die Zeit: Zu high zum Arbeiten; Artikel vom 08.08.17 []
  6. Telepolis: Die USA befinden sich wegen der „Opioid-Epidemie“ in einer Krise; Artikel vom 02.08.17 []
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