Honduras: Ex-Präsident und Präsident unter Korruptionsverdacht

uan Orlando Hernández

Der honduranische Präsident Hernández und sein Umfeld geraten durch die Aussagen eines ehemaligen Drogenbosses unter Korruptionsverdacht Bild: © Brookings Institution [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Vor kurzem wurde Fabio Lobo, Sohn des honduranischen Ex-Präsidenten Porfirio Lobo, in den USA zu 24 Jahren Haft verurteilt. Zuvor hatte er sich für schuldig erklärt, bei der Einfuhr von großen Mengen an Kokain in die USA mitgewirkt und dabei mit kriminellen Organisationen wie den Cachiros in Honduras zusammengearbeitet zu haben. Der Staatsanwalt gab an, Lobo habe die Reputation seines Familiennamens und das politische Netzwerk seines Vaters dazu genutzt, Verbindungen zwischen Drogenbossen und Mitarbeitern des honduranischen Staats, darunter hochrangige Kongressabgeordnete, Militärs und Mitarbeiter der Justiz, herzustellen. Dieser Fall wirft wieder einmal ein schlechtes Licht auf Honduras, ein Land das durch und durch korrupt zu sein scheint. Denn Fabio Lobo ist nur die Spitze des Eisbergs.1

Verurteilt wurde Fabio Lobo dank der Aussagen von Devis Leonel Rivera Maradiaga, seines Zeichens früher zusammen mit seinem Bruder Javier an der Spitze der Cachiros, des mächtigsten honduranischen Drogennetzwerks. Im Jahr 2013 fühlten die Brüder sich durch US-Behörden bedroht, die gegen sie ermittelten und nah an ihnen dran waren. Also wandten sie sich an die DEA und handelten einen Deal aus. Im Gegenzug für Informationen über die korrumpierte honduranische Politik wurden sie in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen und ihnen wurde ein nachsichtigerer Prozess angeboten. So kam es, dass die Brüder anfingen zu reden. Ein Staatsanwalt sagt, ihre Informationen würden einen „vom Staat gesponserten Drogenhandel“ aufzeigen.2

Durch Leonel Riveras Aussagen während einer Anhörung im März dieses Jahres geriet neben Fabio Lobo auch sein Vater, Ex-Präsident Porfirio Lobo, ins Visier der Ermittler. 2009 fürchteten die Brüder sich vor einer drohenden Auslieferung an die USA. Sie suchten Kontakt zum damaligen Präsidentschaftskandidat Porfirio Lobo und zahlten ihm vor der Wahl 250.000 Dollar und nach der Wahl noch mindestens zwei Mal ähnliche Beträge an Bestechungsgeld. Porfirio Lobo sagte Rivera anschließend, er solle sich keine Sorgen machen, weil während seiner vierjährigen Amtszeit niemand ausgeliefert werden würde. Er ermunterte die Brüder auch dazu, legale Firmen aufzubauen, die Staatsaufträge erhalten könnten, um so weiteres Bestechungsgeld zu finanzieren. Porfirio Lobo und sein Anwalt weisen alle Anschuldigungen entschieden zurück. Tatsächlich haben die US-Ermittler noch nicht genug Beweise für einen Prozess, dennoch gibt es neben Riveras Aussagen ein Foto, das Lobo und seinen Sohn Fabio zusammen mit den beiden Brüdern nach einem gemeinsamen Treffen zeigt. Kontakt zwischen dem Ex-Präsidenten und den Cachiros gab es auf jeden Fall.34

Die Indizien sprechen dafür, dass Porfirio Lobo genauso tief im Korruptionsskandal mit drin steckt wie sein verurteilter Sohn. Der war anscheinend der Mittelsmann zwischen seinem Vater und den Rivera-Brüdern. Er koordinierte Drogenlieferungen und sicherte den Schmugglern freies Geleit zum Umgehen von Straßensperren der Anti-Drogen-Behörden zu. Mindestens zwei Mal transportierte er selbst, geschützt durch sein Sicherheitspersonal, große Mengen an Kokain in seinem Wagen durch Polizeikontrollen. Bei seinem Prozess kam auch ein Chat zwischen ihm und Leonel Rivera zum Vorschein. Darin gab er an, mit dem aktuellen honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernández geredet zu haben, möglicherweise um Kontakt zwischen diesem und den Cachiros herzustellen. Es ist nicht der einzige Fall, der den Präsidenten mit dem Drogennetzwerk in Verbindung bringt.3

Leonel Rivera sagte aus, er habe sich auch mit dem Bruder des Präsidenten, Antonio „Tony“ Hernández getroffen. Dieser habe den Brüdern angeboten, ihrer legalen Firma INRIMAR gegen Bestechungsgeld Staatsaufträge zu beschaffen. Rivera nahm das Gespräch auf und übergab es der DEA, aber es ist nicht klar, ob Tony Hernández seine Ankündigung auch in die Tat umsetzte. Auf jeden Fall ist er für die US-Staatsanwaltschaft mittlerweile eine „Person von Interesse“. Hernández selbst bestreitet alle Vorwürfe.56

Auch dadurch rückt Juan Orlando Hernández vermehrt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Unter den Informationen, die Leonel River mit der DEA teilte, befand sich auch eine Audioaufnahme, die ihn im Gespräch mit einem anderen Drogenhändler zeigt. Darin erzählt dieser Rivera, er habe eine Zahlung von 250.000 Dollar veranlasst. Der Empfänger: Juan Orlando Hernández. Bislang lassen sich diese Behauptungen nicht unabhängig überprüfen. Hernández Büro weist die Anschuldigungen zurück und bezeichnet den Drogenhändler als ein Opfer der honduranischen Anti-Drogen-Politik, der versuchen würde, seinen Hauptfeind Hernández durch Falschaussagen zu diskreditieren. Vielleicht ist die Behauptung auch nur eine Lüge, man weiß es nicht, aber vor dem Hintergrund der vorangegangenen Korruptionsskandale schadet sie Hernández Image erheblich.25

Denn auch Hernández Partei, die PNH (Partido Nacional de Honduras) war schon in einen großen Skandal verwickelt. 2014 kam ans Licht, dass durch Verträge an Scheinfirmen um die 200 Millionen Dollar an Sozialleistungen aus dem honduranischen Gesundheitssystem veruntreut worden waren. Davon gingen einige Millionen an die PNH und finanzierten so zum Teil den Wahlkampf von Juan Orlando Hernández.7

Es ist erschreckend zu sehen, wie umfassend das honduranische Korruptionsnetzwerk zu sein scheint. Doch jetzt geraten Spitzenpolitiker durch Leonel Riveras Aussagen zunehmend unter Druck. Fabio Lobo wurde schon verurteilt, sein Vater sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Neben seinem Umfeld gerät auch Präsident Hernández selbst in Korruptionsverdacht und in Zukunft vielleicht in den Fokus der Ermittler. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt für ihn, schließlich wählt Honduras im November einen neuen Präsidenten, Hernández will sich wiederwählen lassen. Ob am Ende die Aussagen eines ehemaligen Drogenbosses einen Wandel in der honduranischen Politik vollbringen können, bleibt derweil abzuwarten.

  1. InSight Crime: Ex President’s Son Sentenced to 24 Years in US Prison; Artikel vom 06.09.17 []
  2. New York Times: After 78 Killings, a Honduran Drug Lord Partners With the US; Artikel vom 07.10.17 [] []
  3. New York Times: After 78 Killings, a Honduran Drug Lord Partners With the US; Artikel vom 07.10.17 [] []
  4. InSight Crime: Honduras Narco Testifies Ex-President Took Bribes from Traffickers; Artikel vom 07.03.17 []
  5. InSight Crime: Honduran President Decries Drug Trafficker’s Bribery Allegations; Artikel vom 09.10.17 [] []
  6. InSight Crime: Another Day, Another Damning Testimony of Elites by Honduran Trafficker; Artikel vom 20.03.17 []
  7. New York Times: Wave of Protests Spreads to Scandal-Weary Honduras and Guatemala; Artikel vom 12.06.15 []

Über David / earthlink

Ich bin David und habe dieses Jahr mein Abi gemacht. Als Bundesfreiwilliger möchte ich mich jetzt für die nächsten Monate bei earthlink engagieren und mehr über entwicklungspolitische Themen erfahren.
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