Kolumbien: Historische Vereinbarung zur Kokain-Politik stößt auf enorme Hindernisse

Antidrogen-Einheit

Das Projekt zwischen Kolumbien und des UNODC könnte gezielt die Koka-Plantagen aus dem Weg räumen. Bild: © Policía Nacional de los colombianos [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Kolumbien und das UNODC haben – fast ein Jahr nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen FARC und kolumbianischer Regierung – vergangenen Freitag in Wien ein Zusammenarbeitsprojekt zur Reduzierung der Kokainproduktion beschlossen. Der Fokus soll dabei speziell auf den Andenstaaten liegen. Dieser Plan wird von der kolumbianischen Regierung abhängen. Den finanziellen Beitrag muss die Regierung in einem Zeitrahmen von vier Jahren zur Verfügung stellen, der die gesamte finanzielle Last dieser Initiative zur Drogenbekämpfung darstellt. Es wird geschätzt, dass es sich zukünftig um bis zu 315 Millionen US-Dollar handeln wird, die ausgezahlt werden müssten.1

Gemäß einer Pressemeldung der Regierung in Bogota wird das UNODC laut des vereinbarten Geschäftes Kolumbien künftig bei diesem nachhaltigen Entwicklungsprogramm helfen. Oberstes Ziel der Zusammenarbeit wird es sein, die Anbaufläche für Koka im Land auf ein Minimum zu reduzieren oder gar ganz zu vernichten. Somit soll der Kokainherstellung im Andenstaat entgegengewirkt werden.2

Yury Fedotov, verantwortlicher Direktor des UNODC, hat in Wien die unterschriebene Vereinbarung als „historisch“ bezeichnet und gesagt, dass es eine einzigartige und auch einmalige Gelegenheit sein würde, gegen die Kokakultivierung in Kolumbien vorzugehen, so dass Farmer endlich zu alternativen legalen Anbauprodukten übergehen. Zudem bedankte er sich bei der Regierung: „Ich gratuliere der kolumbianischen Regierung nicht nur für ihre unaufhörlichen Anstrengungen, Frieden zu finden, sondern auch für ihre Einsicht, dass der Friedensprozess greifbare Lösungen erfordert, die kriminelle Aktivitäten unterbinden.“23

In einer weiteren Pressemitteilung in Wien erläuterte das UNODC, dass diese laufende Strategie sich auf einige geregelte ökonomische Programmpunkte fokussieren wird, die auf den im November 2016 geschlossenen Friedensvertrag der kolumbianischen Regierung und der FARC beruhen. Solche Maßnahmen stellen den Kernpunkt der lange geplanten Strategie zur Kontrolle der Kokainproduktion in Kolumbien dar.2

Ein Präsidentenbeauftragter Kolumbiens, Rafael Pardo Rueda, bringt es auf den Punkt: „Heute kommen wir nach Wien, ein paar Tage vor dem ersten Jahrestag des Friedens in Kolumbien, mit einer Nachricht der Hoffnung: Wir versuchen Möglichkeiten zu schaffen. Um das Rauschgiftproblem des Landes zu lösen, müssen wir gegen kriminelle Organisationen vorgehen, nachhaltige und allumfassende Programme für die Bauern bieten und innerhalb der Strafverfolgung neue Ansätze finden.3

Die „alternative Entwicklung“ in Kolumbien zielt letztendlich darauf ab, Bauern zu ermutigen, legale Produkte wie Kakao, Gewürze und Kaffee anzubauen, und sie ist eine grundsätzliche Säule der internationalen Rauschgiftkontrollstrategie. Das UNODC hat solche Programme seit mehr als 30 Jahren durchgeführt und will damit ein historisches neues Kapitel der strategischen Zusammenarbeit mit der Umsetzung dieses Projektes in Kolumbien einläuten.3

Laut InSight Crime scheint die Abmachung bisherige eher „traditionelle“ Annäherungen wie den FARC-Vertrag gezielt zu übertreffen, um die erzwungene Ausrottung der illegalen Kultivierung von Koka endlich anzupacken. Die Entscheidung der Regierung Kolumbiens, Hunderte Millionen Dollar dafür auszugeben, spricht für ihren Willen, alternative Entwicklung voranzutreiben. Auch kommt diese Entscheidung mitten in der wachsenden Kritik an der kolumbianischen Regierung, die Versprechungen bezüglich der weiteren ländlichen Entwicklung des Landes nicht einhält.  Außerdem wächst der internationale Druck der USA auf kolumbianische Regierungsvertreter, die Produktion der Droge im Land deutlich zu verringern und schließlich einzustellen.1

Es ist jedoch unklar, ob das Projekt tatsächlich die versprochenen 315 Millionen Dollar im Laufe der nächsten vier Jahre erhalten wird. Gemäß eines neuen Berichts der „Ideas for Peace Foundation“ (Fundación Ideas Para la Paz – FIP), untergräbt ein Mangel an Mitteln die alternativen Strategien bzw. Anstrengungsversuche von Kolumbien, Bauern zu überzeugen, aufzuhören, die Koka-Pflanze anzubauen und legale Ernten mit dem notwendigen legalen Getreide einzuführen. Selbst wenn die Geldsummen irgendwie doch bereitgestellt werden könnten, können all die alternativen und nachhaltigen Entwicklungsprogramme auf politische Hindernisse stoßen. Kolumbien wird Präsidentschaftswahlen im Mai 2018 halten. Dann könnte eine neue dem FARC-Friedensprozess entgegengesetzte Präsidialverwaltung versuchen, die Finanzierung für die Durchführung der Abmachung, einschließlich des neulich bekannt gegebenen Zusammenarbeitsprojektes mit dem UNODC, zu blockieren.2

Letztes Jahr verzeichnete Kolumbien wieder ein Rekordniveau bei der insgesamt genutzten Fläche zur Kultivierung von Koka, das alle Einschätzungen übertroffen hatte. Das UNODC hatte konkret herausgefunden, dass vor einem Jahr die Koka-Pflanze auf etwa 146.000 Hektar angebaut wurde, während US-Schätzungen von 190.000 Hektar ausgingen. Es wartet also jede Menge Arbeit auf die Regierung in Bogota.2

  1. Insight Crime: Colombia, UNODC Sign ‚Historic‘ Agreement on Coca Policy; 03.11.2017 [] []
  2. Insight Crime: Colombia, UNODC Sign ‚Historic‘ Agreement on Coca Policy; 03.11.2017 [] [] [] [] []
  3. unodc.org: Colombia-UNODC sign historic agreement to lead the way in tackling country’s coca cultivation; 03.11.2017 [] [] []

Über Arystarkh / earthlink

Ich bin der Arystarkh, 20 Jahre alt und engagiere mich freiwillig bei earthlink e.V. Ich will etwas für meine persönliche Entwicklung unternehmen und Menschen über Geschehnisse weltweit informieren. Darum mache ich den Bundesfreiwilligendienst.

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