Drogenhandel mitverantwortlich für Niedergang der Fischerei im Golf von Paria

Symbolbild: Viele Illegale Güter werden mit kleinen Fischerbooten durch den Golf von Paria geschmuggelt | Bild: © Martin Abegglen [CC BY-SA 2.0] - flickr

In den letzen Jahren hat sich der Küstenstaat Sucre, aber vor allem der Golf von Paria zwischen der venezolanischen Ostküste und Trinidad und Tobago allmählich immer mehr zu einem äußerst lukrativen aber auch gefährlichen Umschlagplatz für Schmuggelwaren aller Art entwickelt. Auf der 16 Kilometer langen Meerenge wird vor allem mit Drogen, Waffen und Menschen, aber auch mit essentiellen Dingen wie Essen, Windeln oder Benzin gehandelt. Jedoch ist dieser Schwarzmarkt – ganz zum Leidwesen der Fischerei – auch die Ursache für den Aufschwung der dort entstandenen Piraterie.12

Venezuela ist aufgrund der Küstenlage einer der wichtigsten Transitstaaten für den internationalen Drogentransport und wird vor allem von kolumbianischen Kartellen genutzt, um Kokain und Marihuana weltweit zu exportieren. Dies bedingt, dass Venezuela mit 24.000 Morden im Jahr 2017 laut der Beobachtungstelle für Gewalt (OVV) aktuell eines der gefährlichsten Länder der Welt ist. Neben der hohen Kriminalität ist auch das extreme Maß an Korruption durch alle Schichten der Gesellschaft für die prekäre Lage des Landes verantwortlich.3

Der Küstenstaat Sucre war noch vor einigen Jahren mit seiner boomenden Fischereiwirtschaft eines der größten und rentabelsten Fanggebiete der Welt. Der Umschwung begann 1998, als Hugo Chávez die venezolanische Industrie verstaatlichte und viele Fischer bzw. Fischereibetriebe enteignete. In den letzen Jahren ist durch die extreme Inflation, welche für eine Lebensmittelknappheit im ganzen Land  verantwortlich ist, sowie die seit dem Amtsantritt von Präsident Maduro steigenden Ölpreise, ein immer mehr florierender Schwarzmarkt im Golf von Paria entstanden. Als 2010 der größte Fischereibetrieb der Region schließlich verstaatlicht wurde und die Branche dadurch komplett zusammenbrach, haben viele Fischer als einzige Einnahmequelle den Schmuggel von Drogen, Waffen oder die Piraterie gesehen. Die ungesicherten Grenzen zu Trinidad&Tobago verstärken die Situation noch mehr. Dort werden Drogen und Waffen dann an Gangs oder andere kriminelle Organisationen weiterverkauft. Als Gegenleistung erhalten die Fischer Geld oder grundlegende Güter wie Benzin, Lebensmittel oder Windeln. Durch das hohe Maß an Korruption und die Armut in Venezuela stammen viele der geschmuggelten Waffen von Soldaten der „Guardia Nacional Bolivariana“ (GNB), die mit US-Dollar bestochen werden, da der Bolivar durch die Inflation praktisch wertlos ist. Ein weiterer Grund für den Zusammenbruch der Fischerei ist die durch Arbeitslosigkeit und den Schwarzmarkt entstandene Piraterie. Die meisten Piraten sind ehemalige Fischer. Diese überfallen kleine Schiffe mit Schmuggelware oder noch aktive Fischerboote, stehlen den Fang, die ganzen Schiffe oder entführen die Besatzung und fordern anschließend von Angehörigen enorme Summen Lösegeld. Oft werden dabei die Fischer erschossen oder aber auf offener See ins Meer geworfen. Somit kommen auch nach und nach die letzten Reste des Fischereibetriebs allmählich komplett zum Erliegen.45678

  1. insightcrime: Report Highlights How Venezuela Crisis Fuels Piracy, Contraband In The Carribean; Artikel vom 05.02.2018 []
  2. vn:Kriminalität in Venezuela breitet sich aufs Meer aus; Artikel vom 05.01.2017 – kostenpflichtig []
  3. focus:24000 Morde in Venezuela im vergangenen Jahr; Artikel vom 09.02.2016 []
  4. insightcrime:Report Highlights How Venezuela Crisis Fuels Piracy, Contraband in the Carribean; Artikel vom 05.02.2018 []
  5. vn:Kriminalität in Venezuela breitet sich aufs Meer aus; Artikel vom 05.01.2017 []
  6. 20min: Die Verzweiflung macht Fischer zu Piraten; Artikel vom 11.12.2016 []
  7. guardian: Experts warn of gun for food trade with Venezuela; Artikel vom 29.05.2016 []
  8. bloomberg: Venezuelan Pirates rule the Most Lawless Market on Earth; Artikel vom 30.01.2018 []

Über Fabian / earthlink

Ich heiße Fabian, bin 26 Jahre alt und stehe kurz vor dem Abschhluss meines Geographie Studiums an der LMU München. Ich mache das Praktikum bei Earthlink e.V um mir ein Bild von entwicklungspolitischer Arbeit in einer NGO zu machen, da ich mir später vorstellen könnte in diesem Bereich einmal tätig zu sein.
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