Mali: Drogengeschäfte hemmen den Friedensprozess

UN-Soldaten in der Region Anefis, in der der malische Drogenschmuggel floriert Bild: © United Nation Photo [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Im westafrikanischen Mali befindet sich die zurzeit gefährlichste Mission der Vereinten Nationen. Die UN-Truppe der „Mission für die Stabilisierung Malis“ (MINUSMA) ist die Reaktion auf die gewaltvollen Ausschreitungen militanter Gruppen vor sechs Jahren. Friedensgespräche gehen nur schleppend voran. Das liegt vor allem an den Folgen, die Politiker und paramilitärische Gruppen mit ihren illegalen Drogengeschäften verursachen. Dabei wird die Sicherheitslage in Mali trotz der Anwesenheit der UN-Blauhelmsoldaten immer mehr bedroht. Seit der vor drei Jahren beschlossenen Waffenruhe wächst die Unsicherheit über deren Umsetzung immer weiter an. Anfangs kontrollierten Dschihadisten wie die Terrorgruppe Al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI) nur den Norden des Landes. Inzwischen steht auch das malische Zentrum unter islamistischer Gewalt. 1 2

Begünstigend für den Schwarzmarkt mit Drogen sind die schwache Staatlichkeit und die instabile politische Lage Malis. Gründe für die wachsende Bedrohung ist neben dem vorherrschenden Machtvakuum der Schmuggel von Drogen, Waffen und Menschen. Die Zentralsahara gehört zu den wichtigsten Transitregionen für Rauschmittel aus Südamerika für den europäischen Markt. Sowohl Milizen als auch staatliche Akteure sind in die organisierte Kriminalität verwickelt und profitieren vom Geschäft mit den Drogen. Das Geld fließt in die militärische Ausrüstung der Kriminellen, die gegen die internationale Militärpräsenz kämpfen. Der Schmuggel hat sich zu einer gewinnbringenden Einnahmequelle entwickelt. Da die europäische Nachfrage nach Kokain und Marijuana immer mehr steigt, ist der Drogenhandel im malischen Transitstaat inzwischen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Die Drogenpreise gehen immer mehr zurück und die Drogenqualität verbessert sich. Durch die zunehmende Globalisierung gehört der Drogenmarkt in Europa zu den wichtigsten Einnahmequellen.3

Die Drogenbarone sind fast die einzigen Arbeitsgeber, sodass der Großteil der malischen Bevölkerung vom illegalen Geschäft abhängig ist. Doch die Tätigkeiten der Kriminellen und Terroristen hemmen die Waffenruhe. Zum Wohle des Friedens muss gegen die den illegalen Handel vorgegangen werden. Doch MINUSMA ist rechtlich nicht autorisiert, die illegalen Drogengeschäfte zu verfolgen. Die Bekämpfung gehört zu den innenpolitischen Aufgaben der malischen Regierung. Aufgrund der Tatsache, dass auch hochrangige Politiker von dem Schmuggel profitieren, werden keine ernstzunehmenden Maßnahmen verhängt. Solange der Staat so uneffektiv gegen den Drogenhandel bleibt, sind auch die westlichen Staaten im malischen Friedensprozess machtlos.4 5

Dennoch bleibt MINUSMA, zu der auch Soldaten der Bundeswehr und der französischen Armee gehören, in Westafrika stationiert. Es stellt sich somit die Frage, ob es sich wirklich um eine „humanitäre Intervention“ handelt oder ob der Fokus auf der Wahrung des Einflussbereiches und der Interessendurchsetzung bezüglich Malis Ressourcen wie Gold und Uran liegt. Die Mission in Mali erinnert immer mehr an die Afghanistan-Invasion. Wie damals am Hindukusch steht ein zuversichtliches Aufbaukonzept einer aussichtslosen Realität aus Korruption, ethnischen Konflikten und einer instabilen Regierung gegenüber. Auch hier wurde aus dem Krieg ökonomischer Nutzen gezogen. Ohne einen systematischen Wandel von innen heraus wird sich Malis Situation stetig verschlechtern.6 7

  1. Die Welt: UNO: Instabilität in Mali greift immer weiter um sich; Artikel vom 03.03.18 []
  2. Bundeswehr Journal: Mali – lukratives Drogengeschäft verhindert den Frieden; Artikel vom 20.01.18 []
  3. Die Welt: Weltweiter Kampf gegen Drogen vor dem Scheitern; Artikel vom 02.10.13 []
  4. ARD: Die Drogenbarone von Mali; aufgerufen am 06.03.18 []
  5. Die Zeit: Der konfliktreiche Sahara-Staat Mali; Artikel vom 09.08.17 []
  6. The Economist: Why UN forces finding it hard to bring peace to Mali; Artikel vom 03.02.18 []
  7. Rubikon: Abenteuerurlaub in Mali; Artikel vom 21.12.18 []

Über Sonja / earthlink

Ich heiße Sonja, bin 21 Jahre und studiere im 5. Semester European Studies an der Universität Passau. Ich mache mein Praktikum bei earthlink um einen Einblick in die Arbeit und Projekte einer NGO zu bekommen.
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Ein Kommentar zu Mali: Drogengeschäfte hemmen den Friedensprozess

  1. Judith Hilebrand sagt:

    Phuu… aber das macht wieder mal deutlich, wenn es genügend gute Alternativen für die Bevölkerung gibt. Müsste niemand vom Drogengeschäft Leben.

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