Guatemala: erster jemals gemachter Fund eines Kokafeldes

Bild: © Michael_w - Wikimedia Commons

Guatemalische Sicherheitskräfte haben am 26. Mai 2018 in der Bergregion in der Nähe der Stadt Cóban, ein etwa ein Hektar großes Kokafeld entdeckt und anschließend zerstört. Dies ist der erste Fund eines Kokafeldes in Guatemala in dessen Geschichte und somit der erste Beweis für eine mögliche Kokaproduktion in dem Land in Zentralamerika. Darüber hinaus konnte ein zur Weiterverarbeitung der Kokablätter bestimmtes Labor sichergestellt werden. Verschiedene Materialien die für die Umwandlung von Kokablättern zur Kokain-Base benötigt werden wurden ebenfalls gefunden. Dass nun zum ersten Mal in der Geschichte ein Kokafeld entdeckt wurde, wirft viele Fragen auf. Wandelt sich das Transitland in einen Produktionsstaat?

Dieser Fund könnte zumindest ein erstes Zeichen dafür sein, dass kolumbianische Drogenkartelle versuchen ihre Produktionsstätten auszulagern. In einem Beitrag für InSight Crime beschreibt Victoria Dittmar diese Vermutung. Bei einer möglichen Expansion in das zentralamerikanische Land könne es sich um eine langfristig angelegte Strategie handeln. Obwohl die Kokainproduktion in Kolumbien nach wie vor boomt, hätten die dortigen Drogennetzwerke mehrere mögliche Gründe, um zukünftig in den Kokaanbau in Guatemala zu investieren.1 Die unter dem Druck der USA vorangetriebene „Auslöschkampagne“ könnte den Drogennetzwerken in Zukunft immer mehr Probleme machen. Das Eradikationsziel für 2018 ist die gewaltsame Zerstörung von 63.000 Hektar von Kokapflanzen durch das Militär und der Polizei.2 Forscher bezeichnen daher die Auslagerungsversuche als „Experiment“ dieser Organisationen. Kolumbianische kriminelle Gruppen testen die Konditionen der Länder, welche näher an den USA liegen, um dort gegebenenfalls den Anbau und die Weiterverarbeitung von Kokain zu beginnen und somit die Risiken des Drogenhandels und die entstehenden Transportkosten einzuschränken. In Guatemala führten sie diesen Testversuch nun auf einem kleineren Feld durch, um nachzuforschen ob sich dieses Land genauso zum Anbau eignet und sie in Zukunft ihre Produktionsstätten dort hin verlegen können. Experten sind sich dieser Erklärung so sicher, da die entdeckte Farm und das Labor in Cóban nicht gut genug ausgestattet waren, um im großen Umfang zu produzieren. “Das interessante an diesem Fund, ist die Gegend in der er gemacht wurde“, berichtete Walter Menchú, ein Analytiker des Zentrums für wirtschaftliche Ermittlungen in Guatemala (Centro de Investigaciones Económicas Nacionales de Guatemala – CIEN), der InSight Crime zudem in einem Gespräch. „Als das Zeta-Kartell 2008 nach Guatemala zog, war Cóban einer ihrer Hauptsitze“, erklärte er seine Aussage. Die Lage war also jetzt perfekt ausgewählt, da schon in früheren Zeiten dieser Bereich von Kriminellen genutzt wurde und die Stadt zudem genau auf einer der wichtigsten Drogenhandelsrouten durch Guatemala liegt. Außerdem sind viele ländliche Regionen in Guatemala, wie das bergige Gebiet um Cóban, abgeschieden und schwer zugänglich. Der Staat hat dort nur wenig Präsenz, was die Kultivierung illegaler Pflanzen erheblich erleichtert. Auch die schwachen Institutionen sowie die weit verbreitete Korruption erwiesen sich als Vorteil.3

In jüngster Zeit wurden in mehreren zentralamerikanischen Staaten, die eigentlich als Transitstaat fungieren, Kokainfelder ausfindig gemacht. In Honduras wurden dieses Jahr beispielsweise zwei größere Felder entdeckt. Guatemala hatte ebenfalls bislang vor allem den Status eines wichtigen Transitstaats für Kokain aus den Anbauländern in Südamerika auf dem Weg in die USA inne. Bei der Produktion der Droge hingegen spielte das Land bisher keine Rolle. Nach Angaben der US-amerikanischen DEA werden jährlich bis zu 300 Tonnen Kokain über oder durch Guatemala geschmuggelt. Die 400 km lange Pazifikküste begünstigt die An- und Abfahrt von kleineren Booten. Die ausgedehnten Berg- und Dschungelregionen eignen sich außerdem hervorragend für Drogenkartelle, kleine Landebahnen zu verstecken und so auch mit kleineren Flugzeugen Kokain transportieren zu können. Besonders die Begleitkriminalität durch den Kokainanbau, Menschenhandel, Festnahmen, Geldwäsche und Waffenschmuggel hat hier ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Zusammen mit der weit verbreiteten Armut, der sozialen Ungleichheit, der hohen Profite durch die illegalen Geschäfte und der schwachen staatlichen Sicherheitsapparate entstand ein Klima der Gewalt und Kriminalität, das weite Teile der Bevölkerung bedroht und viele bereits das Leben kostete. So muss Guatemala hinter Honduras und El Salvador die dritthöchste zentralamerikanische Mordrate verzeichnen.45

Doch ob der Anbau von Kokain wirklich der Beginn einer neuen Entwicklung in Guatemala ist, bleibt offen. Victoria Dittmar schreibt in ihrem Artikel für InSight Crime, dass es bislang eher so aussehe, als würden Drogenkartelle im zentralamerikanischen Land lediglich mit dem Anbau von Koka experimentieren. Es sei deshalb noch zu früh, um festzustellen, ob die Kokainproduktion in Guatemala bereits im vollen Gange wäre oder sich der Anbau in Zukunft dort überhaupt etabliert. Opium und Heroin wird bereits sehr erfolgreich in diesem zentralamerikanischen Land angebaut. Neben Mexico und Kolumbien steht es mit an oberster Stelle der Produktion dieser pflanzlichen Drogen.

  1. InSightCrime: Guatemala’s first Coca Farm signals Expansion of CentAm “Experiments”; Artikel vom 29.05.2018 []
  2. InSightCrime: Colombia sends mixed messages on 2018 coca eradiction goal; Artikel vom 18.12.2017 []
  3. InSightCrime: Guatemala’s first coca farm signals expansion of CentAm „Experiments“; Artikel vom 29.05.2018 []
  4. InSightCrime: Guatemala Profile; Stand: 04.06.2018 []
  5. Zeit Online: Guatemala im Würgegriff der Kartelle; Artikel vom  14.06.2011 []

Über Kathi / earthlink

Hallo, ich heiße Kathi. Nach meinem 7-monatigen Aufenthalt in Südamerika wurde mein Interesse für den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit geweckt. Vor Antritt meines Politikwissenschaftstudiums an der LMU, möchte ich Einblicke in die Arbeit einer NGO gewinnen und freue mich deshalb sehr hier bei earthlink e.V. ein Praktikum zu absolvieren.
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