Peru: Maßnahmen gegen Drogenwirtschaft wenig effektiv

Bild: © Cocoabiscuit [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

In einem koordinierten Einsatz zwischen Kolumbien und Peru ging die peruanische Regierung kürzlich gegen einen Drogenring im Norden des Landes vor. Im Zuge der Operation durch das kolumbianische und peruanische Militär kam es zur Verhaftung von über 50 Mitwirkenden eines Drogenringes. Die durch mehrere 100 Einsatzkräfte durchgeführte Unterfangen ist das Erste in Perus abgelegener, nördlicher Grenzregion und wird von Innenminister Mauro Medina als Perus bisher weitreichendste Maßnahme gegen Drogenkriminalität eingestuft.1

Peru ist weltweit einer der größten Produzenten der Kokapflanze. Für die indigene Bevölkerung ist sie ein Nahrungsergänzungs- und Genussmittel: Sie versorgt sie mit Vitaminen und Mineralien, ist Teil des sozialen und kulturellen Lebens und hilft gegen Kälte- und Hungergefühl. Die staatliche Ankaufstelle Empresa Nacional de la Coca (ENACO) produziert aus der Kokapflanze das Nationalgetränk Mate de Coca2 – ein Tee, der auch gegen Anzeichen der Höhenkrankheit und Magenbeschwerden helfen soll. Da für den Verbrauch der indigenen Bevölkerung jedoch nur ein kleiner Anteil der angebauten Pflanzen benötigt wird und die staatliche ENACO nur eingeschränkt zahlungsfähig ist, wird ein großer Teil der Ernte an Kokainproduzenten verkauft.3 Somit nehmen mittlerweile auch die Produktion und der Export von Kokain einen wachsenden Stellenwert in dem südamerikanischen Land ein.

Die Gefängnisstrafen sind mit bis zu 25 Jahren für den Besitz und mindestens acht Jahren für den Transport von Drogen hoch angesetzt.4 Trotzdem konnte die peruanische Regierung bisher wenige Erfolge im Kampf gegen der Drogenhandel erzielen. Die nationalen Strategien zur Bekämpfung von Drogenkriminalität scheitern oft an dem problematischen Zugang zu Anbaugebieten. Viele wichtige Anbaugebiete sind äußerst schwierig zu erreichen und unterliegen deswegen wenig staatlicher Überprüfung. Neben der Produktion und dem Transport von Kokain durch Einheimische kommt es vermehrt zu einer Übernahme des Marktes durch kolumbianische und mexikanische Drogenkartelle, die vor der hohen militärischen Präsenz in Kolumbien und Mexiko fliehen.5 Insbesondere die Grenzregion zwischen Peru und Kolumbien weist nach wie vor Sicherheitsprobleme auf, die die Etablierung eines Drogenringes erleichtern.6

Zudem bleibt der Anbau von Koka weiterhin äußerst lukrativ. Kann der Anbau an einem Ort unterbunden werden, bewirkt die hohe Nachfrage die Entstehung neuer Kokafelder an anderer Stelle. Zwar gibt es vermehrt nationale und internationale Projekte, die den Bauern den Anbau von alternativen Pflanzen, beispielsweise Kaffee oder Palmöl, durch finanzielle Förderung ermöglichen sollen. Als Reaktion entstehen zunächst jedoch oft neue Anbaufelder, da die Bauern von den finanziellen Förderungen profitieren wollen.7 Teilweise kommt es auch zu einer Zwei-Pflanzen-Kultur, bei denen Kokapflanzen im Schatten von Palmen wachsen und weiter zu Kokain verarbeitet werden könnten.8 Der alleinige Anbau von alternativen Pflanzen bringt den Bauern trotz finanzieller Förderung oft weniger Geld als der Kokaanbau und so zeigen sich die Initiativen oft wenig wirkungsvoll.

Den Drogenkartellen ist es durch die finanziellen Einnahmen möglich, korrupte Vertreter von Justiz und Politik zu bestechen. Dadurch können die Schlüsselfiguren eines Drogenringes oft straffrei bleiben. Perus Kampf gegen Anbau und Export von Kokain trifft deswegen primär das schwächste Glied der Kette: die Kokabauern.
Aufgrund des finanziellen Vorteils entscheiden sich diese häufig zum Verkauf an Kokainproduzenten.  Kommt es zu Ermittlungen und Festnahmen, trifft das häufig die leicht austauschbaren Kokabauern, während die Entscheidungsträger eines Kartells durch Schmiergelder einer Strafe entgehen9. Entscheiden sich die Bauern zum legalen Verkauf der Kokapflanzen, beispielsweise an die staatliche ENACO, müssen sie mit finanziellen Einbußen rechnen, durch die das Fortbestehen der Bauern und ihrer Familien gefährdet ist.3 Gleiches Phänomen lässt sich beim Umstellen auf alternative Anbaupflanzen beobachten, da der Verkauf dieser ebenfalls weniger lukrativ ist. Greift die peruanische Regierung zu radikalen Mitteln, etwa der Zerstörung von Kokaplantagen durch Pestizide, wird den Bauern schlagartig ihre Lebensgrundlage entrissen.

Eine nachhaltige Lösungsfindung gestaltet sich aufgrund der beschriebenen Ausgangslage bisweilen als schwierig. Eine radikale Legalisierung von Drogen zur Vernichtung illegaler Strukturen befindet sich zwar in Diskussion, scheint jedoch nicht aussichtsreich. Ein verstärkter Fokus auf präventive Arbeit ist eher vorstellbar.3 Durch verbesserte Bildungs- und Förderungsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsteile soll der Abhängigkeit der Zivilbevölkerung vom Kokaanbau entgegengewirkt werden. Eine solche präventive Arbeit könnte unter anderem durch die Unterstützung der Vereinten Nationen sowie verschiedenen Entwicklungszusammenarbeitsprojekten realisiert werden und ist damit aussichtsreicher als eine radikale Legalisierung.

  1. Reuters: Peru arrests more than 50 in anti-drug bust at Colombian border; Artikel vom 17.07.2018 []
  2. ENACO; aufgerufen am 06.08.2018 []
  3. Infostelle-Peru: Peru ist Weltmeister im Koka-Anbau; Artikel vom 28.10.2013 [] [] []
  4. Auswärtiges Amt: Reise- und Sicherheitshinweise; Stand: 06.08.2018 []
  5. GIGA: Wie erfolgreich ist der „Krieg gegen Drogen“ in der Andenregion?; Artikel von 2009 []
  6. Reuters: Peru arrests more than 50 in anti-drug bust at Colombian border; Artikel vom 17.07.2018 []
  7. Tagesspiegel: Bauern pflanzen mehr Koka an; Artikel vom 05.03.2018 []
  8. ZEIT Online: Der König im Kokaland; Artikel vom 22.09.2016 []
  9. Spiegel Online: Laufburschen der Drogenbarone; Artikel vom 11.05.2015 []

Über Lucy / earthlink

Ich studiere und lebe in Berlin. Im Rahmen meines Bachelors Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin mache ich derzeit bei earthlink ein Praktikum und arbeite bei den Projekten "Fluchtgrund" und "DrogenMachtWeltSchmerz" mit.
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