Umstellung von Heroin- auf Methamphetaminproduktion stellt Justiz im Goldenen Dreieck vor neue Herausforderungen

Bild: © Alexis Gravel [CC BY-ND 2.0] - flickr

Im Goldenen Dreieck trennt der Mekong-Fluss Thailand, Myanmar und Laos. Das Ziel vieler Reisender ist gleichzeitig auch ein zentraler Punkt der südostasiatischen Drogenindustrie.1 Mit dem Ende des Vietnam-Krieges wurde dort in großen Mengen Schlafmohn angebaut und zu Heroin weiterverarbeitet. Zeitweise wurde so ein großer Teil der Welt mit der Droge versorgt. Die Produktion von Opiaten ist im Goldenen Dreieck zurückgegangen, sie hat sich insbesondere nach Afghanistan verlagert. Die Drogenindustrie selbst ist jedoch geblieben und hat sich transformiert. Anstelle von Heroin werden nun vornehmlich Methamphetamine hergestellt und gehandelt.2 Maßnahmen gegen die Produktion der synthetischen Drogen gestalten sich noch schwieriger als zuvor. Und gerade in der letzten Zeit hat sich Herstellung und Handel mit den neuen Drogen noch einmal intensiviert.3

Das Goldene Dreieck bietet den organisierten, kriminellen Gruppierungen, die in der Region in die Drogenwirtschaft involviert sind, ausgezeichnete Bedingungen zur Produktion und zum Handel mit Methamphetaminen. Die Drogenindustrie erstreckt sich über alle drei Staaten, die im Goldenen Dreieck aufeinander treffen. Die Methamphetamine werde hauptsächlich in grenznahen Gebieten Myanmars produziert. Die entsprechenden Regionen werden teilweise von Milizen kontrolliert, sodass der Staat die illegalen Machenschaften kaum verhindern kann.1 In anderen Teilen herrscht zwar die Kontrolle des Militärs, dieses unterbindet die Drogenproduktion jedoch wissentlich nicht.4 Von Myanmar aus werden die Drogen nach Thailand geschmuggelt, um von dort aus in die ganze Welt transportiert zu werden.5. Da sich Produktion und Handel nicht nur auf eines der Länder beschränken, kann die Justiz kaum effektiv agieren.1 Zudem hat sich die Transportinfrastruktur mittlerweile deutlich verbessert, wodurch der Handel weiter erleichtert wird.6 Gleichzeitig gibt es, mit der steigenden Anzahl an Kasinos in der Region, eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Geldwäsche der Drogenverdienste – und das, im Falle des Kings Romans Casino in Laos, in nächster Nähe.1

Auch die Transformation der Drogenproduktion von Heroin zu Methamphetaminen lässt sich durch die damit einhergehenden, verbesserten Bedingungen teilweise erklären. Die Herstellung kann äußerst gut vor der Justiz verborgen werden. Während Schlafmohnfelder relativ einfach über Satellitenbilder lokalisiert und in Folge dessen vernichtet werden konnten, ist ein solches Unterfangen bei der Methamphetamin-Produktion beinahe unmöglich. Die Labore befinden sich meistens in äußerst abgelegenen Regionen, die nur schwer zugänglich sind. Produktionsstätten für Methamphetamine brauchen bedeutend weniger Platz als Felder zum Schlafmohnanbau und können sehr gut getarnt werden – eine Identifikation auf der Basis von Satellitenbildern ist beinahe unmöglich. Darüber hinaus sind die Labore äußerst mobil und können sich schnell re-lokalisieren. Durch diese Faktoren gestaltet sich ein Unterbinden der Produktion von Methamphetaminen nochmals bedeutend schwieriger als die Verhinderung der Heroinproduktion.7

Die thailändische Regierung zog eine Entkriminalisierung von Methamphetaminen als Lösungsansatz in Erwägung. Eine vollkommene Legalisierung blieb ausgeschlossen, mit der Entkriminalisierung wollte die thailändische Justiz ihren Fokus auf die Drahtzieher der Drogenindustrie legen, während der Konsum von Methamphetaminen unter staatlicher Kontrolle gewährt werden sollte. Mit den Steuereinnahmen wäre zudem auch die Finanzierung von Rehabilitationszentren gesichert.4
Weitaus populärer sind jedoch zwei andere Ansätze. Es wird wiederholt die Wichtigkeit eines koordinativen Ansatzes betont.8 Da sich die Drogenindustrie des Goldenen Dreiecks auf drei Länder verteilt, kann kein Staat alleine effektiv gegen die kriminellen Gruppierungen vorgehen. Mit dem Safe Mekong Co-Ordination Centre besteht bereits ein koordinativer Ansatz, der den Zahlen zufolge erfolgreich agiert. 6 Eine Intensivierung bestehender Bemühungen und die Schaffung neuer Initiativen kann somit eine wirksame Maßnahme gegen die Drogenkriminalität sein.  Zudem gibt es einige Projekte, die Methamphetaminproduzenten alternative Erwerbsmöglichkeiten aufzeigen, beispielsweise den Anbau von Kaffee oder Tee. Diese Projekte sind in vielen Regionen erfolgreich.7 Gleichzeitig gibt es aber auch viele Einwohner, die nicht von solchen Projekten profitieren können. Betroffen davon sind unter anderen ethnische Minderheiten in Thailand. Sie gelten nicht als thailändische Staatsbürger und haben bisher keinen Zugang zu Alternativprojekten bekommen können. Um sich und ihre Familien dennoch finanzieren zu können, müssen sie zwangsläufig innerhalb der Drogenindustrie als Produzent oder Schmuggler arbeiten.1 Um die Produktion und den Handel mit Drogen effektiv zu verhindern, bedarf es mehrerer solcher Projekte, die alle Einwohner der Mekong-Staaten mit einbeziehen. Nur wenn es die Länder schaffen, dass es eine alternative zum illegalen Drogengeschäft für ihre Bewohner gibt, werden sich diese solchen Tätigkeiten verschreiben.76518

  1. Deutschlandfunk: Tee, Designerdrogen und ein Hauch von Heroin; Artikel vom 25.06.2014 [] [] [] [] [] []
  2. UNDOC: World Drug Report 2017; abgerufen am 16.08.2018 []
  3. Reuters: Thailand makes one of its ‚largest ever‘ crystal methamphetamine busts; Artikel vom 03.04.2018 []
  4. Public Radio International: Thailand is moving closer to decriminalizing meth; Artikel vom 08.09.2016 [] []
  5. BR: Von Opium zu Crystal Meth; nicht mehr verfügbar [] []
  6. Independent: Welcome to the Golden Triangle, the centre of the world’s drug trafficking; Artikel vom 11.03.2015 [] [] []
  7. ZEIT: Opium is out; Artikel vom 11.06.2015 [] [] []
  8.  UN News: ‘Alarming levels’ of methamphetamine trafficking in Asia’s Mekong, UN warns; Artikel vom 21.05.2018 [] []

Über Lucy / earthlink

Ich studiere und lebe in Berlin. Im Rahmen meines Bachelors Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin mache ich derzeit bei earthlink ein Praktikum und arbeite bei den Projekten "Fluchtgrund" und "DrogenMachtWeltSchmerz" mit.
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