Pakistan – Profiteur oder Geschädigter des afghanischen Drogenhandels?

Opiumfeld Afghanistan

Durch den Anbau von Opium in Afghanistan wird Pakistan zum wichtigen Transitstaat im weltweiten Drogenhandel | Bild: "BALA BALUK, Afghanistan--Opium fields ready for harvesting" © ResoluteSupportMedia [CC BY 2.0] - flickr

Erst letzte Woche verkündete das Pentagon, dass die USA Pakistan nicht wie geplant mit 300 Millionen US-Dollar im Kampf gegen den Terrorismus unterstützen wollen, da sich das Land selbst zu wenig engagiere.1
Pakistan bildet mit dem Iran und Afghanistan zusammen den Goldenen Halbmond. Seine geographische Lage und die politische Instabilität des Landes, auch in den Grenzgebieten, machen Pakistan zum idealen Transitstaat für illegale Drogengeschäfte. Damit ist Terrorismus auf gewisse Weise profitabel für das Land.

Afghanistan ist der weltweit größte Produzent illegalen Opiums, 90 Prozent davon werden hier produziert. Die Fläche, auf der Schlafmohn angebaut wird, ist allein von 2016 bis 2017 innerhalb nur eines Jahres von 328.000 auf 420.000 Hektar, also um 63 Prozent gestiegen. 2017 wurden insgesamt 10.500 Tonnen an Opium produziert, das ist ein Rekordwert in der gesamten Geschichte des Opiumhandels. Diese massiv gesteigerte und trotzdem immer noch weiter steigende Opiumproduktion in Afghanistan ist eine der größten Herausforderungen für den fragilen Nachbarstaat Pakistan. Sie wird seine Rolle als Transitstaat für den Heroinschmuggel in der Region nur festigen. Denn der Großteil der in Afghanistan produzierten Opiate wandert über die poröse Grenze direkt nach Pakistan und von dort weiter in den Iran. 80 Prozent des von Iran im Jahr 2017 beschlagnahmten Morphins und 85 Prozent des Heroins stammen aus Pakistan.23

Der Anstieg der afghanischen Opioid-Landwirtschaft beeinflusst durch verschiedene große Handelsrouten die ganze Welt. Für Europa besonders relevant ist dabei die Balkanroute. Hier wird Heroin häufig von Afghanistan nach Pakistan verschleppt und gelangt dann durch den Iran, die Türkei, Griechenland, Bulgarien und ganz Südosteuropa bis zum westeuropäischen Markt. Diese Route ist der wichtigste Kanal für den Heroinhandel der Region und hat einen jährlichen Marktwert von etwa 28 Milliarden USD, was bedauerlicherweise sogar das afghanische BIP übersteigt. Auch über die südliche Route gelangt das Heroin zunächst von Afghanistan nach Pakistan, dann über den Seeweg in die Golfregion, Afrika, Südasien und nach Ozeanien. Neben der Belieferung großer europäischer und asiatischer Märkte befriedigen afghanische Opioide die Nachfrage in den Nachbarländern, was wiederum die Region selbst stark destabilisiert. Der Iran zum Beispiel hat ein wachsendes Drogenproblem, von dem die Vertreter seines Gesundheitsministeriums behaupten, es sei eine nationale Epidemie mit schätzungsweise 2,2 Millionen Drogenabhängigen. Pakistan sieht sich mit einer ähnlichen Epidemie konfrontiert, wobei einige vermuten, dass das Land pro Kopf das heroinabhängigste der Welt ist.4

Laut einer nationalen Umfrage zum Thema Drogenkonsum in Pakistan von 2013 gibt es 6,7 Millionen Menschen, die illegale Substanzen konsumieren. 4,25 Millionen von ihnen werden als drogenabhängig eingestuft. Die Ergebnisse zeigen auch, dass Cannabis mit rund vier Millionen Nutzern die am häufigsten konsumierte Drogen in Pakistan ist; 1,6 Millionen Menschen missbrauchen verschreibungspflichtige Opioide für nicht medizinische Zwecke; 860.000 konsumieren regelmäßig Heroin. 700 Menschen sterben pro Tag in Pakistan wegen drogenbedingter Komplikationen. Diese Zahl übersteigt die derer, die hier jedes Jahr bei Terrorakten getötet werden.56

Sowohl für den hohen Verbrauch innerhalb des Landes als auch für den erfolgreichen Schmuggel über die Landesgrenzen hinweg ist die instabile politische Situation Pakistans bedeutsam. Allgemein anerkannt und von westlichen Medien verbreitet wird die Annahme, dass Taliban-Islamisten für Bombenanschläge, Ermordungen und Entführungen verantwortlich sind. Viele Einheimische glauben jedoch, dass die Täter bezahlte pakistanische Geheimdienstvertreter sind, um die Instabilität in der Region zu erhalten und so den Drogenhandel zu fördern. Wie auch immer diese Fragilität zustande kommt – für den Drogenhandel der gesamten Region des Goldenen Halbmonds ist sie essentiell.7

Pakistan versucht, dieser grenzübergreifenden Herausforderung zumindest teilweise gerecht zu werden. Zwischen 2016 und 2017 haben die Behörden dort 2860 Tonnen verschiedener Rauschgifte beschlagnahmt. Um diese Zahl zu erhöhen oder den gesamten Handel der Region einzudämmen, ist aber auch die Teilnahme internationaler Partner nötig. Der Mangel an Engagement seitens der internationalen Gemeinschaft zwingt immer mehr Bauern, sich dem Mohnanbau zu widmen, um über die Runden zu kommen. Die Nachfrage der Welt nach Opium und Heroin finanziert und stärkt militante Gruppen in der Region wie die Taliban, aber auch den Islamischen Staat.23

Dass Pakistan ein bloßes Opfer der Drogenbedrohung aus Afghanistan ist, ist fraglich. Vielmehr profitiert das Land auch selbst vom Handel, zumindest wirtschaftlich. Das geht jedoch auf Kosten der lokalen Bevölkerung, die selbst immer mehr drogenabhängig wird und der zudem Perspektiven jenseits illegaler Geschäfte fehlen.

  1. Zeit Online: USA versagen Pakistan Militärhilfe; Artikel vom 02.09.2018 []
  2. United Nations Office on Drugs and Crime: Country Profile; Aufgerufen am 11.09.2018 [] []
  3. Daily Times: Opium production breaks records again; Artikel vom 10.09.2018 [] []
  4. NATO Association of Canada: Opioids in the Golden Crescent: Production, Trafficking, and Cooperative Counternarcotics Initiatives; Artikel vom 13.03.2017 []
  5. United Nations Office on Drugs and Crime: Country Profile; Aufgerufen am 11.09.2018 []
  6. Daily Times: Pakistan and the Golden Crescent; Artikel vom 24.11.2017 []
  7. The Telegraph: How Pakistan succumbed to a hard-drug epidemic; Artikel vom 23.03.2014 []

Über Mirjam / earthlink

Da die Kluft zwischen Arm und Reich - nicht nur in Deutschland, sondern auch zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern - immer größer wird und vielfältige Konsequenzen mit sich trägt, studiere ich Politikwissenschaft und Soziologie und versuche nun auch praktisch bei earthlink etwas Positives zu bewirken.
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