Das gefährliche Spiel mit der Gesundheit – Ukraines Drogenproblem

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Gemeinsam mit Polen ist die Ukraine Gastgeber der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft. Grund genug, um einmal einen Blick auf die Drogensituation im Lande zu werfen: In keinem anderen europäischen Land leben so viele HIV-Infizierte wie in der Ukraine. Anders als in anderen Gebieten der Welt, in denen Aids ein zentrales Thema ist, steht hier jedoch nicht der sexuelle Übertragungsweg im Mittelpunkt, sondern der Drogenmissbrauch.

Rund ein Prozent der Bevölkerung ist mit dem Immunschwäche-Virus infiziert, seit 1999 steigt die Zahl der Neuerkrankungen stetig an.1 Über ein Drittel der Neuinfektionen (38,4%) im Jahr 2007 ist auf Drogenabhängigkeit und den Gebrauch von verunreinigten Spritzen zurückzuführen.

Obwohl selbst kein Hauptproduktionsland für Drogen, liegt die Ukraine entlang verschiedener wichtiger Handelsrouten. Somit gilt sie als wichtiges Durchgangsland für Heroin, das aus Afghanistan den Weg nach Westeuropa sucht und hierbei durchs Land gelangt. Zunehmend wurden auch neue Schmuggelrouten für Kokain aus Lateinamerika registriert. Das florierende Geschäft mit dem Drogenhandel wird häufig auch auf die im Land verbreitete Korruption zurückgeführt. Wie in Transitländern häufig der Fall, stellt auch hier Drogenabhängigkeit ein zunehmendes Problem dar. Rund 85% des lokalen Drogenmarktes konzentrieren sich auf Hanf und Schlafmohn. Vor allem die jüngere Bevölkerung greift aufgrund der niedrigen Preise häufig auf synthetische Suchtstoffe und Cannabis zurück.

Obwohl 2010 im zweiten Jahr in Folge die Zahl der registrierten Drogenabhängigen von 178.043 (im Jahr 2008) auf 156.300 gesunken war, scheint das Problem nicht gebannt. Experten schätzen die Dunkelziffer der Suchterkrankungen weitaus höher, die Schätzungen schwanken zwischen 300.000 und 500.000.

Die pulsierende Millionenstadt Odessa am Schwarzen Meer ist trauriger Beweis für das mangelnde Greifen der ukrainischen Bemühungen, das Problem in den Griff zu bekommen. Hier trägt jeder Zehnte das Immunschwäche-Virus in sich und jeder Zehnte ist drogenabhängig – daher gilt die Stadt auch als „Aids-Hauptstadt Europas“. Die höchsten Infektionsraten finden sich nach wie vor bei sogenannten Risikogruppen, darunter insbesondere Drogenabhängige. Doch längt ist das Problem nicht mehr nur auf diese Bevölkerungsgruppe beschränkt.

Bedenklich ist auch der Umgang der ukrainischen Bevölkerung mit dem Thema „Spid“, wie Aids auf Russisch heißt. Nach wie vor gilt HIV als Tabuthema in der Ukraine. Durch die gesellschaftliche Stigmatisierung verdrängen die Betroffenen selbst häufig die Erkrankung. So liegt die Hemmschwelle für einen Test für viele zu hoch. Die laufenden Programme und Aufklärungskampagnen zur Bekämpfung des HIV-Problems schaffen es nicht, dem Problem angemessen zu begegnen.

 

Quellen:

  1. Laut Schätzungen des ukrainischen Gesundheitsministeriums lag Ende 2007 die Zahl der HIV-Infizierten bei 122.674. Die geschätzte Dunkelziffer des Ministeriums liegt jedoch bei 440.000 Betroffenen. []

Über lisaK / earthlink

Praktikantin bei EarthLink / Studiert Politikwissenschaft und VWL an der LMU München
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