Drogendebatte in Lateinamerika wird breiter

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Wie sollte man am besten mit dem Drogenproblem umgehen? Drogenkonsumenten als Kriminelle betrachten oder wie Patienten behandeln, Drogen weiter verbieten oder neue Lösungsansätze suchen, beispielsweise den Drogenkonsum staatlich zu regulieren oder ihm frühzeitig vorzubeugen?

In Lateinamerika wird diese Debatte derzeit wie nie zuvor geführt. Allen voran stehen dabei der kolumbianischen Präsident Juan Manuel Santos, Otto Perez Molina, Präsident Guatemalas und Costa Ricas Präsidentin Laura Chinchilla. Die Tatsachen sprechen für sich selbst: Der US-geführte sogenannte „War on Drugs“ scheint ein Fehlschlag zu sein. Solange es eine breite Nachfrage für ein Produkt gibt, wird es auch ein Angebot geben. Die einzigen, die davon profitieren sind die Drogenkartelle. 40  Jahre lang hat man erfolglos versucht, die Produktion und den Konsum von Drogen einzudämmen, schlimmer noch: In Mexiko und Zentralamerika hat die Politik der Prohibition zu einem Eskalieren von Gewalt und Korruption geführt, welche die Sicherheit der Menschen und demokratische Institutionen massivst gefährdet.

Die vor vier Jahren ins Leben gerufene Latin American Commission on Drugs and Democracy kommt zu dem einhelligen Schluss, dass der Drogenkrieg nicht zum gewünschten Erfolg geführt habe und gibt zwei (Haupt-)Empfehlungen:

1. So schnell wie möglich die Kriminalisierung und Stigmatisierung von Drogenkonsumenten, die niemanden anderen gefährden, beenden: Diese Menschen mögen vielleicht sich selbst und ihre Familien in Gefahr bringen, sie aber aus der Gesellschaft auszugrenzen, wird ihnen nicht helfen. Drogemissbrauch ist eine Frage des Gesundheitswesens. Die effektivste Antwort darauf ist es, den Betroffenen medizinische Behandlung und Therapiemöglichkeiten zu bieten. Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Mexiko und Uruguay haben bereits Gesetze verabschiedet, die Drogenbesitz für den Eigenkonsum zulassen. Die gesetzliche Unterscheidung zwischen „Besitz“ und „Handel“ von Drogen ist aber noch zu vage. Das Hauptziel einer staatlichen Drogenkontrolle muß es sein, junge Menschen vor dem Drogenkonsum bzw- der -abhängkeit zu schützen.

2. Neue, alternative Methoden der Drogenlegalisierung auszutesten, wie beispielsweise den Gebrauch von Marihuana zu regulieren, so wie es bereits mit Tabak und Alkohol gemacht wird. Studien haben gezeigt, dass Marihuana weniger schädlich ist als Tabak oder Alkohol. Regulierung und Legalisierung sind dabei nicht dasselbe, dies ist ein entscheidender Punkt. Regulierung ist ein notwendiger Schritt, um die Bedingungen für eine Gesellschaft zu schaffen, in der man die Produktion, den Handel und den Konsum von gewissen Substanzen nachhaltig einschränken kann. Regulierung ist dazu gedacht, die Verbindung zwischen Händler und Konsument zu kappen. Es ist genau diese Verbindung, die es den Händlern ermöglicht, Menschen dazu zu veranlassen, härtere Drogen zu nehmen. Da Marihuana die am weitesten verbreitete Droge weltweit ist, würde eine Regulierung einen großen Macht- und Einflussverlust für das organisierte Verbrechen im Markt für illegale Drogen bedeuten.

Dank der Bemühungen Kolumbiens, Guatemalas und Costa Ricas wird die Drogenpolitik erstmalig auf der Agenda des Amerika-Gipfels am 14-15. April diesen Jahres stehen. Es ist unwahrscheinlich, dass die teilnehmenden Staatschefs zu einem Konsens gelangen, was diesen Punkt anbelangt. Entscheidend ist jedoch, dass die Debatte um die Drogenproblematik intensiver wird und jeder Staat sich darüber Gedanken macht und eigene Lösungsvorschläge entwickelt. 

Ein Paradigmenwechsel, zusammen mit der Repression von gewalttätigem Drogenhandel und dem Vorantreiben von Therapie und Prevention, wäre der beste Beitrag den Lateinamerika leisten könnte. Eine Region, die bereits dermaßen unter den Folgen der Prohibition von Drogen gelitten hat, könnte den Weg in eine globale Reform der Drogenpolitik ebnen.

Über christian / earthlink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen Macht Welt Schmerz, Fluchtgrund
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