Expansion der mexikanischen Drogenkartelle

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Laut einem Bericht der Generalstaatsanwaltschaft Mexikos (PGR) sind die mexikanischen Drogenkartelle inzwischen in 16 Ländern Nord-, Mittel- und Südamerikas vertreten.1 Sie haben entweder eigene Vertreter vor Ort oder sind durch verbündete kriminelle Gruppen im Land vertreten, von Kanada im Norden bis Chile im Süden. Derzeit existieren in Mexiko acht große Drogenkartelle: Das Sinaloa-Kartell, das Golf-Kartell, Los Zetas, das Tijuana-Kartell, La Familia, Los Caballeros Templarios, das Beltrán Leyva-Kartell und das Juárez-Kartell.2 Dem Sinaloa-Kartell, das in mindestens 13 Ländern der Amerikas vertreten ist, wird eine Art Hegemonialstellung bescheinigt. Stärkste Konkurrenten sind das Golf-Kartell und Los Zetas.

Durch die Anwesenheit der mexikanischen Drogenkartelle sind in den betroffenen Staaten erhöhte Aktivitäten in der Drogenkriminalität zu verzeichnen. Die Funktion der Staaten im internationalen Drogennetzwerk der Kartelle ist dabei je nach geographischer Lage und politisch-gesellschaftlichen Voraussetzungen verschieden. Peru, Bolivien und Kolumbien sind die wichtigsten Anbauländer. Ecuador und Venezuela fungieren als Transitstaaten Richtung Norden, die Häfen Argentiniens und Chiles werden für den Drogenschmuggel nach Afrika und Europa genutzt. Zwischen 2009 und 2011 wurden allein 7,9 Tonnen Kokain in verschiedenen Teilen der Welt beschlagnahmt, die nachweislich aus der chilenischen Hafenstadt Arica, gelegen an der nördlichen Grenze zu Peru, stammen. Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher. Neben Argentinien und Chile ist auch Brasilien für die Kartelle auf Grund seiner Atlantikküste für den Drogenschmuggel nach Afrika interessant. Aber auch im Land selbst werden Drogen abgesetzt. Brasilien gilt mit 900.000 Nutzern als der größte Absatzmarkt für Kokain in Lateinamerika.

Neben der Ausweitung ihrer Aktivitäten in den Amerikas sind die mexikanischen Drogenkartelle auch weltweit auf dem Vormarsch. Zusätzlich zum Ausbau von internationalen Netzwerken, versuchen die Kartelle auch eigenhändig neue Märkte zu erschließen. So wurden beispielsweise Anfang August vier Mitglieder des Sinaloa-Kartells in Spanien festgenommen.3

  1. El Universal, Spanisch, „Sin freno, expansión del narco en LA“ – nicht mehr abrufbar, 14.01.2014 []
  2. Das Beltrán Leyva-Kartell hat sich erst im vergangenen Jahr von La Familia abgespalten; Spiegel-Online, Interaktive Grafik: Mexiko im Griff der Kartelle, zuletzt abgerufen am 18.09.2012. Link nicht mehr abrufbar:01.12.14 []
  3. Die Welt, „Mexikanische Drogenmafia nimmt Europa ins Visier“, zuletzt abgerufen am 18.09.2012. []

Über Andreas / EarthLink

Praktikant bei EarthLink, studiert Geschichte mit Schwerpunkt Lateinamerika an der Universität Münster.
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2 Antworten zu Expansion der mexikanischen Drogenkartelle

  1. México Sufre sagt:

    Mindestens einer der vier Sinaloa-Kartells-Mitglieder die in Spanien festgenommen wurden, ist ein Bekannter des Frischgewählten Präsidenten, Enrique Peña Nieto. Und man hat nie wieder was von diesen Männern gehört, wahrscheinlich sind sie schon längst auf freiem Fuss und suchen nach einem anderen Absatzmarkt…
    PS: Unendliches Dankeschön für Eure Website! Anscheinend machen sich wenige Leute darüber Gedanken, wie sehr (ihr eigener) Drogenkonsum den Alltag in anderen Regionen der Welt beeinflusst, und wie blutig dieser aussieht. 60.000 Tote und unzählbare Entführte und Gefolterte nur in menem Land sind eine traurige Erinnerung.

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