Wichtiger Schritt im Kampf gegen Kokainhandel in Westafrika

Bild: © n.v. -

Gestern, am 16. Oktober, wurde offiziell das Programm Appui à la lutte contre le trafic de cocaïne en Afrique de l’ouest (ALCAO) – übersetzt: Unterstützung des Kampfes gegen den Kokainhandel in Westafrika – gestartet. Als Startbudget wurde eine Summe von 1,6 Millionen € veranschlagt, welche durch den Fonds de solidarité prioritaire (Fonds der vorrangigen Solidarität) des französischen Außenministeriums geleistet wird.

Markiert wird der Start durch ein zweitägiges Seminar in der guineischen Hauptstadt Conakry, an dem u.a. Vertreter der UNODC, regionale NGOs und interministerielle Beauftragte für den Kampf gegen Drogensucht teilnehmen. Geleitet wird das Seminar von Maramany Cissé, einem Delegierten des guineischen Sicherheitsministeriums.1

In den vergangenen Jahren hatte sich Westafrika zunehmend zur Transitregion für Kokain entwickelt. Insbesondere Guinea-Bissau hatte dabei mehr und mehr die Rolle eines internationalen Drogenumschlagplatzes eingenommen.

Bedingt ist dies einerseits durch eine signifikante Nachfrageverschiebung nach Europa: So hat sich beispielsweise während der letzten 15 Jahre die Anzahl der durch Kokainhandel verursachten Festnahmen in Nordamerika, dem eigentlichen Hauptmarkt, halbiert, während sie sich in selbigem Zeitraum in Europa verdoppelt hat.2 Auch der schwache Dollar-Kurs und die verschärften juristischen Maßnahmen der Vereinigten Staaten tragen zu dieser Entwicklung bei. Dadurch gerät Westafrika aufgrund seiner idealen geographischen Lage zwischen den südamerikanischen Produktionsländern und den europäischen Konsumentenstaaten immer mehr in den Fokus der Drogenschmuggler. Dies gilt speziell für das bereits erwähnte Guinea-Bissau, das aufgrund seiner Küstenlage sowie der sprachlichen und kulturellen Verbindung mit Portugal, Kap Verde und Brasilien geradezu prädestiniert hierfür ist.3

Begünstigt wird dieser Vorgang durch die instabilen politischen Verhältnisse und die immer noch weit verbreitete Armut – auch hier nimmt das von zahlreichen Staatstreichen, Militäraufständen und politischen Morden gebeutelte Guinea-Bissau eine übergeordnete Rolle ein. Durch die begrenzten finanziellen Mittel ist es nicht möglich, den marodierenden Drogenschmugglern konsequent Einhalt zu gebieten. Der Staatshaushalt Guinea-Bissaus beispielsweise entsprach 2007 in etwa dem Wert von 2,5t Kokain, während das Budget für die Gesetzesvollstreckung unter dem Wert der von 2005 bis 2006 beschlagnahmten Kokainmengen lag.4 Trotz eines personell aufgeblähten Polizeiapparats ist es deshalb kaum möglich, die auf Land- und Seewege agierenden Drogenhändler zu bekämpfen – oftmals fehlt es an rudimentären Ausrüstungsgegenständen wie geeigneten Fahrzeugen, Handschellen oder gar Büromaterial.3 Ebenso mangelt es an gut ausgebildetem Personal und adäquaten Gefängniseinrichtungen.

Zusätzlich verschärft wird die Lage durch die weit verbreitete Korruption, mit der nahezu alle entscheidenden Akteure des Polizei- und Justizapparates gefügig gemacht werden können. Dadurch wird das gesamte Staatssystem unterminiert und das Vertrauen der Bevölkerung in die Obrigkeit entscheidend gestört.

Im Jahre 2007 durchquerte so 27% des in Europa konsumierten Kokains Westafrika.5 Die aktuellen Zahlen liegen auf ähnlichem Niveau, Beobachter sehen allerdings zukünftig eine steigende Tendenz.

Daher ist das nun gestartete Programm als wichtiger Schritt zur Kontrolle der Schmuggelrouten zu werten. Laut Angaben eines französischen Diplomaten sieht das ALCAO-Programm die Unterstützung bei der Erschaffung von Strukturen zur Bekämpfung von Geldwäsche, zur Sicherstellung von kriminellen Vermögenswerten sowie zur Verwaltung von beschlagnahmten Gütern vor. Neben Guinea und Guinea-Bissau sind mit der Elfenbeinküste, Benin, Mauretanien, Senegal und Togo fünf weitere Länder an dem Projekt beteiligt.6

  1. Conakry abrite un séminaire régional de la lutte contre le trafic de cocaïne – Abidjan.net []
  2. Cocaine trafficking in West Africa – UNODC – S. 18 []
  3. ebenda – S. 12 [] []
  4. ebenda – S. 3 []
  5. siehe oben []
  6. Africaguinee.com: Lutte contre le trafic de cocaïne en Afrique de l’Ouest – aufgerufen am 9.6.15 []
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