Amphetamine aus dem Gottesstaat: Handel von iranischen Drogen floriert

Bild: © n.v. - Wikimedia Commons

Lange war der Iran nur für exzessiven Konsum von Opiumprodukten wie Heroin bekannt. Aufgrund der gemeinsamen Grenze mit Drogen-Krösus Afghanistan und den geringen Preisen – Opium ist z.T. sogar billiger als Bier – hatte sich über die Jahre eine gewaltige Anzahl von bis zu zwei Millionen Süchtigen gebildet. Was oft jedoch vergessen wird: Schon lange ist Iran nicht mehr nur Importeur – mittlerweile spielt das Land bei der Produktion von synthetischen Drogen eine gewichtige Rolle.

Schon ab 2005 war ein erheblicher Anstieg an beschlagnahmten Amphetaminen zu beobachten, 2009 lag diese Zahl bei 2,4 Tonnen – das ist ein Zuwachs von einer Tonne gegenüber 2008! Damit einhergehend wurde eine verstärkte Nachfrage nach Pseudoephedrin beobachtet.1

Dennoch spielen Amphetamine für Drogenkonsumenten im Iran immer noch nur eine marginale Rolle. Auch wenn die UNODC in Hinsicht auf den Verbrauch von herkömmlichen Amphetaminen und Meth eine Steigerung konstatiert2, so liegt der Anteil an Süchtigen immer noch nur bei winzigen 0,13%.3

Um die produzierten Drogen absetzen zu können, werden diese deshalb in andere Länder exportiert. Besonderheit des produzierten Rauschgifts: Sie weisen einen nahezu hundertprozentigen Reinheitsgrad auf – für US-amerikanische Drogenexperten ein sicheres Indiz dafür, dass diese Amphetamine in pharmazeutischen Laboren durch professionelle Chemiker hergestellt werden.4

Besonders beliebt ist die anliegende, vorderasiatische Region. Von 2009 an hatte die iranische Drogenmafia damit begonnen, Metamphetamine namens shisheh (das persische Wort für „Glas“) in den Markt einzuführen. Erfreuten sich diese anfangs aufgrund des hohen Reinheitsgrades und den damit verbundenen extremen Preisen nur geringer Beliebheit, so sind nun in letzter Zeit eine beunruhigend hohe Zahl an geheimen „Drogenküchen“ aus dem Boden geschossen. Durch das hohe Angebot befindet sich der Preis für Metamphetamine seitdem im Tiefflug, was die Popularität erheblich steigert.5

Angesichts der Marktübersättigung wird deshalb in neue Absatzmärkte expandiert – neueste Statistiken von beschlagnahmten Drogen legen nahe, dass Malaysia eine solche Region ist. Das Profitpotenzial ist enorm: Erhält man für 1 kg Crystal Meth im Iran etwa 4 500 US-Dollar, so kann man mit der gleichen Menge in Malaysia bereits unfassbare 80 000 US-Dollar verdienen. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass Amphetamine dort bereits eine größere Rolle spielen als Heroin. Auch Japan, Thailand, Singapur und andere südostasiatische Länder werden allmählich ins Visier der iranischen Drogenmafia genommen.6 Zudem wird befürchtet, dass auch Westeuropa und die Vereinigten Staaten auf der Liste stehen.

Die Problematik hat das islamische Land selbstverständlich längst erkannt. So wurden bereits Anfang 2011 neue Gesetze verabschiedet, wonach Besitz, Vertrieb oder Produktion von Amphetaminen ähnlich streng geahndet werden wie komplementäre Heroinvergehen. Sollte man mit einer Menge von mehr als 50g synthetischer Drogen festgenommen werden, so droht die Todesstrafe durch den Strang.7

Bereits in der Vergangenheit war der Iran vielfach für seine exzessiven Exekutionen bei Drogenvergehen gerügt worden – angeblich dienen manche dieser Verurteilungen lediglich als Vorwand, um unliebsame Regimegegner unschädlich zu machen.8

Das Grundübel des Problems wird durch die Hinrichtungen freilich nicht gelöst. Gerüchten zufolge sind die Quds-Brigaden – die Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarden – zusammen mit der Terrororganisation Hisbollah eng mit dem Drogenhandel verflochten. Ein amerikanischer Botschafter spottet gar, der Iran könnte bald „als Vorzeigekind für die Verbindung von Kriminalität und Korruption“ dienen.

Gegenmaßnahmen werden kaum getroffen. Zwar hat beispielsweise Nachbarland Aserbaidschan die Grenzkontrollen verstärkt – effektiv ist das jedoch nicht. Dies lässt sich auch über die Mauer sagen, die an der Grenze zu Afghanistan errichtet wurde: Dem schweren Geschütz, das die bestens bewaffneten Drogenbanden auffahren, ist diese nicht annähernd gewachsen. Immer wieder werden Löcher in die Mauer gesprengt, oft sogar mit Autos, welche mit Sprengstoff bestückt sind. In einzelnen Fällen wurden gar Panzer (!) eingesetzt. Ob also in nächster Zeit eine Verbesserung der Lage zu erwarten ist? Ein Experte aus den USA hat sein Urteil über das Land längst gefällt: „Iran ist ein schwarzes Loch.“9

  1. Iran Drug Addiction – Narconon – Englisch []
  2. Word Drug Report 2012 – Trends maps – UNODC – PDF-Datei – Seite 1, 4 – Englisch []
  3. World Drug Report 2012 – Annual Prevalence of ATS – UNODC – XLS-Datei – Englisch []
  4. In Iran, drug trafficking soars as sanctions take bigger bite – Washington Post – Englisch []
  5. Iranians make a hit in Malaysia – Asia Times Online – Englisch – nicht mehr verfügbar []
  6. siehe 5 []
  7. Iran Declares War on Meth – Stop The Drug War – Englisch []
  8. Scheinheilig? Die zwei Seiten der iranischen Drogenpolitik – Drogen Macht Welt Schmerz []
  9. siehe 4 []
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