Brasilianischer Drogen-Fonds nur zu 7% genutzt

Fünf Milliarden US-Dollar. Diese gigantische Summe wurde von der brasilianischen Regierung 2011 zur Verfügung gestellt. In einem Achtjahresplan sollten militärische Aktionen an den löchrigen Landesgrenzen den Drogenhandel eindämmen. Bis zu 10.000 Soldaten waren so bereits gleichzeitig im Einsatz, mehrere Tonnen Kokain wurden gar bei manchen Operationen sichergestellt.1

Auch ein anderer Aspekt des Kampfes gegen Drogen sollte nicht vernachlässigt werden: Zu diesem Zweck wurde der Fundo Nacional Antidrogas (Nationale Anti-Drogen-Fonds), kurz Funad, gegründet. Ziel ist es u.a., Aktionen und Projekte gegen Drogenkonsum zu lancieren und Drogenabhängige zu resozialisieren. Geleitet wurde das Projekt vom Secretária Nacional de Políticas sobre Drogas (Nationalen Sekretariat für Drogenpolitik), kurz Senad, und dem Justizministerium. Für 2012 wurde ein Budget von umgerechnet etwa 110,3 Millionen Euro veranschlagt. Wie die Nichtregierungsorganisation Contas Abertas (übersetzt: offene Rechnungen) jedoch kürzlich bekanntgab, wurden davon nur magere 7,7 Millionen Euro verwendet – das sind etwa 7%.2

Mauro Costa, Koordinator des Funad, versprach, dass die gesteckten Ziele in diesem Jahr deutlich intensiver verfolgt würden. Als Grund für die mangelhafte Verwendung des Budgets erklärte er, die Mehrheit der Projekte würden in Zusammenarbeit mit Universitäten realisiert werden. Dies sei aufgrund der lang anhaltenden Studentenproteste 2012 kaum möglich gewesen.3

Tatsächlich hatten 2012 weite Teile des öffentlichen Dienstes weitreichende Streiks durchgeführt. Dazu zählten u.a. auch die Dozenten und Professoren an den Universitäten  Sie hatten höhere Löhne gefordert, dadurch hatte sich gar der Semesterstart verschoben.4 Viele Studenten unterstützten ihre Professoren, es kam sogar zu vereinzelten Ausschreitungen5. Ebenso hatten sie gegen die Sozial- und Bildungspolitik der Regierung protestiert.6

Dabei wäre es bitter nötig, weiter gegen den Drogenkonsum vorzugehen. Besonders Crack genießt große Popularität, speziell in den Favelas. Manche Arten dieser Droge kosten so viel wie ein Schokoriegel. So wurden manchmal ganze Stadteile zu „Cracklands“.7 Besonders schlimm ist es in São Paulos: Mindestens 150.000 Menschen rauchen dort täglich Crack, über 50.000 arbeiten für die Drogengangs.8 Es ist zu hoffen, dass, jetzt, wo die Studentenproteste abgeklungen sind, in diesem Jahr tatsächlich mehr Geld des Drogen-Fonds verwendet wird.

  1. How The Drug Trade Has Changed The Face Of Brazil’s Borderlands – Le Monde – nicht mehr verfügbar []
  2. Brasilien: 2012 nur 7% des Anti-Drogen-Fonds verwendet – Brasil News; nicht mehr verfügbar []
  3. Brasilien: 2012 nur 7% des Anti-Drogen-Fonds verwendet – Brasil News; nicht mehr verfügbar []
  4. Brasilien: Professorenstreik verschiebt Semesterstart – Brasil News; nicht mehr verfügbar []
  5. Brasilien: Studentenproteste enden in Ausschreitungen – Brasil News; nicht mehr verfügbar []
  6. Brasilien – Streik im Staatsdienst 2012 – Proteste gegen Dilma Rousseff – Klaus Hart Brasilientexte []
  7. Slums in Rio de Janeiro: Dealer stoppen Crack-Verkauf – Spiegel Online []
  8. Weißer Schnee am Zuckerhut – trend Onlinezeitung []
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