Drogendealer kauft sich vor Gericht frei

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Eine neuseeländische Zeitung berichtet, dass ein regionaler „Drogenkönig“ aus Waikato gegen die Zahlung von 2,7 Millionen Neuseeland Dollar die Reduzierung seiner Haftstrafe um die Hälfte verlangt. Die umgerechnet 1,7 Millionen Euro sollen das Gericht Milde stimmen, obwohl erwiesen ist, dass er Cannabis und Methamphetamine produziert und verkauft hat.1

Normalerweise werden in Neuseeland allein für die Produktion oder den Verkauf von Cannabis bis zu 8 Jahre Haft verhängt, für Haschisch, Opium oder Ecstasy gibt es 14 Jahre Haft. Der Verkauf oder die Produktion von Methamphetaminen ermöglicht die Verhängung einer lebenslangen Haftstrafe.2 Die Polizei kann dem Drogenbaron den Verkauf von 1.685 Kilogramm allein der letzteren Substanz nachweisen. Dennoch fordert sein Anwalt für die hohe Entschädigungszahlung an den Staat im Gegenzug die Halbierung der Haftzeit, da den Angeklagten der Verlust des Geldes schon genug schmerze. Der Staatsanwalt ist bereit 4 Jahre zu erlassen.1

Doch diese Art des Straferlasses ist gerade bei der Verfolgung von Drogendelikten widersinnig. Erstens können sich somit diejenigen, die am meisten Profit gemacht haben auch am einfachsten freikaufen. Die hohen Strafen z.B. für den Verkauf von Cannabis werden also vor allem auf die angewandt, die damit keine großen Gewinne eingefahren haben. Zweitens gehen diese „Entschädigungen“ an den Staat und nicht an Personen, die möglicherweise durch die Aktivitäten des Angeklagten geschädigt wurden.

Auch ansonsten wird die Drogenpolitik der Regierung und ihre Durchsetzung kritisiert. Australien und Neuseeland weisen die meisten Cannabis Konsumenten auf. 2012 waren das nach Schätzungen der UNO 11 Prozent der Einwohner Ozeaniens.3 Teilweise wird der Grund dafür in der schwierigen Beschaffung von Kokain und Heroin gesehen.4 Cannabis dagegen gedeiht massenhaft auf illegalen Plantagen im warmen und feuchten Klima der Nordinsel Neuseelands.5 So ist nicht der globale Handel das Problem, sondern der innerhalb der Region, denn die lokale Drogenproduktion wurde lange außer Acht gelassen.4

Die Konsequenzen des hohen Drogenkonsums werden langsam spürbar. Experten bringen z.B. die steigende Selbstmordrate mit synthetischen Cannabis- Produkten in Verbindung.6 Eine Studie des Gesundheitsministeriums hat festgestellt, dass der Anteil von Maori bei den Drogenabhängigen besonders hoch ist. Das mag auch mit der viel höheren Wahrscheinlichkeit für Drogenmissbrauch in sozial benachteiligten Gebieten zusammenhängen.7 Berichten zufolge fühlte sich ein nicht unerheblicher Teil der Maori und auch Asiaten diskriminiert, besonders am Arbeitsplatz und auf der Arbeitssuche.8 Dies verstärkt die soziale Spaltung, die sich aufgrund der insgesamt wachsenden Armut sowieso abzeichnet. Nach Zahlen der OECD besitzt das oberste 1% der Bevölkerung 3- mal mehr, als die unteren 50%. Eine Mitarbeiterin der Auckland University warnt davor, eine ganze Generation zu verlieren.9

Diese Tendenzen werden wahrscheinlich zu einem wachsenden Drogenmissbrauch führen, der sich besonders für Drogenbarone, die die Produktion innerhalb der Region kontrollieren, auszahlen wird. Unter solchen Bedingungen, auch vor Gericht den Vermögenden Vorteile einzuräumen, scheint mit Gerechtigkeit nicht viel zu tun zu haben. Eine effiziente Drogenpolitik muss gesellschaftliche Probleme, wie ein starkes Wohlstandgefälle, berücksichtigen.

  1. „Drug king to hand over million-dollar properties“ – The New Zealand Harold – Link nicht mehr verfügbar [] []
  2. „Frequently asked questions about illicit drugs in New Zealand“ – New Zealand Police – aufgerufen am 07.03.2013 []
  3. World Drug Report 2012 – UNDOC []
  4. „NZ’s world-high drug use no surprise – Experts“ – The New Zealand Harold – Link nicht mehr verfügbar [] []
  5. „Cannabis vending machine opens in New Zealand“ – The Telegraph – aufgerufen am 07.03.2013 []
  6. „Alarm at Kronic suicide link“ – The New Zealand Herald – Link nicht mehr verfügbar []
  7. „Mental Health and Addiction: Service use 2009/10“ – Ministry of Health – aufgerufen am 06.03.2013 []
  8. Wichtiger Aspekt der modernen geschichte Neuseelands – deutschlandfunk– veröffentlicht am 08.10.2012 []
  9. „Poverty our biggest growth industry – academic“ – stuff.co.nz – nicht mehr verfügbar []

Über Katharina / earthlink

Ich studiere im 5. Semester Politik und Recht an der LMU München. In meinem Semesterpraktikum bei earthlink recherchiere ich zu den Themen Kinderarbeit und Drogenpolitik.
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