Neue Regierung in Pakistan: Welche Folgen hat dies für die Drogenpolitik?

Afghanistan war und ist nach wie vor der mit Abstand größte Opiumproduzent und wird dies auch in absehbarer Zeit bleiben. Für die Anrainerstaaten hat das katastrophale Folgen.

Eines dieser Länder ist Pakistan. Im Bereich der Herstellung spielt das Land keine große Rolle – leider lässt sich das nicht über den Schmuggel der produzierten Opioide sagen. Die gebirgige und schwer begehbare Grenzregion wird weitestgehend von den Taliban kontrolliert. Somit lässt sich auch erklären, dass geschätzte 45% aller in Afghanistan hergestellten Drogen über Pakistan in die Destinationsländer, oftmals nach Europa oder Nordamerika, weitergeleitet werden. Besonders die Regionen Belutschistan und Khyber Pakhtunkhwa gelten als betroffen. Insgesamt sind nur vier der elf afghanischen Provinzen, welche an Pakistan grenzen, nicht im Mohnanbau involviert. 1

Doch nicht alles wird in alle Winkel der Welt weiterverschickt – ein Teil bleibt auch in Pakistan, um den stetig wachsenden Konsum zu befriedigen. 50.000 Drogensüchtige hatte das Land – etwa 175 Millionen leben dort – vor 30 Jahren. Mittlerweile sind es 8,1 Millionen. Jedes Jahr kommen mindestens 50.000 dazu, höchstwahrscheinlich viel mehr. Die Menge an konsumiertem Opium ist mittlerweile größer als die im Milliarden-Land Indien.2 Rehabilitationszentren existieren zwar, sind aber langfristig nutzlos.3

Letztlich steht das sinnbildlich für die Situation. Bemühungen sind zwar gegeben, scheitern aber oft an fehlenden Mitteln oder Korruption.4 Auch Präsident Asif Ali Zardari – Ehemann von Benazir Bhutto, welche, als sie das gleiche Amt bekleidete, bei einem Attentat ums Leben kam – ist sich des Problems bewusst, hatte er doch einst gesagt: „Ich bin glücklich darüber, dass Pakistan kein Staat ist, der Drogen produziert. Aber es ist ein Transitland, und das ist schlimm genug.“ Weiterhin hatte er ausgeführt: „Anstatt nur Mitläufer beim Kampf gegen Heroinhandel zu sein, müssen wir ihn anführen. Wir müssen diejenigen sein, die zurückschlagen, und wir müssen diesen Kampf gewinnen. Versagen ist keine Option.“ Gleichzeitig war auf die bereits eingeleiteten Maßnahmen verwiesen worden: Neue Gesetze, ein Fünf-Jahres-Plan, eine eigens eingerichtete Task Force – all jene Maßnahmen hatten dazu geführt, dass Pakistan nun eines der Länder mit der höchsten Anzahl an beschlagnahmtem Opium und Heroin ist.5

Doch letztlich scheint all dies das Problem im Kern nicht bekämpfen zu können. Möglicherweise liegt dies auch an Zardari selbst: Bereits 1997 waren ihm Beteiligungen am Drogenhandel sowie Bestechlichkeit vorgeworfen worden6, 2008 wurde er freigesprochen.7 Dennoch halten sich hartnäckig schwerwiegende Korruptionsvorwürfe um Zardari, der u.a. deswegen viele Jahre im Gefängnis verbrachte. Die bei ihm angeblich übliche Praxis, stets ein Zehntel von jedem Projekt im Land an sich selbst abzuzweigen, brachte ihm den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Mr. 10%“ ein.8 Das Urteil des Reuters-Reporters Matthew Green überrascht daher nicht. Angesprochen auf die massiven Drogenprobleme in der Millionenmetropole Karachi moniert er eine „schwache Zentralregierung“ bzw. „eine Regierungspartei, die die Stadt wie eine Mafia-Hochburg“ führe.9

Seine Verantwortung wird Zardari nun ohnehin abgeben müssen. Bei der kürzlich abgehaltenen Parlamentswahl musste sich seine Volkspartei der konservativ-religiösen Muslimliga unter Führung von Nawaz Sharif, welcher Premierminister werden soll, geschlagen geben. Sharif hatte das Amt bereits zwei Mal inne. Nicht nur deshalb sind viele junge Menschen enttäuscht, hat doch wieder eine der alteingesessenen Parteien gewonnen – für viele eine Verkörperung der feudalen Elite des Landes und unfähig, die verkrusteten Machtstrukturen aufzubrechen. Besonders Sharif wird, wie auch Zardari, von vielen jüngeren Wählern mit Korruption und Vetternwirtschaft assoziiert.10

Tatsächlich hatte sich Sharif in der Vergangenheit mehrmals öffentlich gegen Bestechung ausgesprochen und eingesetzt – jedoch wurde auch er mehrmals wegen Korruption angeklagt und verurteilt. 1993 war er deswegen gar als Premier abgesetzt worden.11 Auch heutzutage werden noch Vorwürfe laut. So nennt ihn Imran Khan – politischer Widersacher, ehemaliger Cricket-Nationalheld und für die Jugend der Mann, der frischen Wind in die Politik bringen soll – zusammen mit Zardari die „Könige der Korruption“.12

Ebenso wird Sharif, obwohl er sich einst gegen den illegalen Rauschgifthandel wandte, bezichtigt, enge Kontakte zu Drogenbanden besessen und deren Mitgliedern gar politische Ämter beschafft zu haben.13

Ändert sich mit der Wahl Sharifs also etwas? Gelingt es ihm, welcher mit den Taliban verhandeln will, vielleicht die Kontrolle über Grenzregionen zurückzugewinnen? Gelingt es ihm, den Drogenschmuggel zu unterbinden und die Korruption effektiv zu bekämpfen – und sich selbst nicht korrumpieren zu lassen? Es ist zumindest nicht unmöglich. Wie es wirklich um seine Integrität und seinen Reformwillen bestimmt ist, ist kaum aus dem dichten Geflecht gegenseitiger Vorwürfe und undurchsichtiger Anklagen, welche in Pakistans Politik anscheinend Usus sind, herauszulesen. Ist es wahrscheinlich, dass er eine Aufgabe meistert, an der er bereits zweimal gescheitert ist? Das wohl nicht. Nur die Zukunft kann zeigen, ob er dieses Mal Erfolg hat.

  1. Drug Use in Pakistan 2013 – Technical Summary Report – UNODC – aufgerufen am 21.05.2013 []
  2. Day against Drug Abuse: More than 8.1 m addicts in Pakistan now – Tribune – aufgerufen am 21.05.2013 []
  3. Dreck und Heroin – Wo das Paradies die Hölle ist – aufgerufen am 21.05.2013 []
  4. Drogenschmuggel an der pakistanisch-afghanischen Grenze nimmt zu – Drogen Macht Welt Schmerz – aufgerufen am 21.05.2013 []
  5. Pakistan not drug-producing, but only a transit country: Zardari – Tribune – aufgerufen am 21.05.2013 []
  6. World: South Asia Bhutto’s husband faces drugs trial – BBC – aufgerufen am 21.05.2013 []
  7. Zardari acquitted in drugs case – Al Jazeera – aufgerufen am 21.05.2013 []
  8. Profile: Asif Ali Zardari – BBC – aufgerufen am 21.05.2013 []
  9. „Drogen-Durchzugsautobahn Belutschistan“ – Wiener Zeitung – aufgerufen am 21.05.2013 []
  10. Scharif bietet schon Gespräche an – Tagesschau – aufgerufen am 21.05.2013 Link nicht verfügbar 26.06.15 []
  11. Wahlsieger Nawaz Sharif: Pakistan wählt einen alten Bekannten – Spiegel Online – aufgerufen am 21.05.2013 []
  12. Nawaz, Zardari are ‘kings’ of corruption, says Imran – dawn.com – aufgerufen am 21.05.2013 []
  13. When drug mafia entered the Parliament: Nawaz Sharif’s narcotics connections—by Shiraz Paracha – Let Us Build Pakistan – aufgerufen am 21.05.2013 []
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