Drogenmafia tötet 8 Polizisten: Kokainhandel hält Guatemala weiterhin im Würgegriff der Gewalt

Traurige Nachrichten aus Guatemala: Acht Polizisten wurden bei einem Hinterhalt erschossen, welcher, wie Staatspräsident Pérez Molina erklärte, „ohne Zweifel […] von einer organisierten Bande, welche sich dem Drogenhandel verschreibt“, durchgeführt worden war. Zusätzlich wurde César Augusto García, Polizeichef der Stadt Salcajá, entführt.1

Erste Ermittlungen wurden bereits aufgenommen, die Täter werden im Bundesstaat Quetzaltenango vermutet. Ebenso wird von möglichen Verbindungen zu mexikanischen Drogenbanden wie den Los Zetas oder dem Sinaloa-Kartell gesprochen. Damit folgen die guatemaltekischen Behörden dem Drängen der Vereinten Nationen nach schneller Aufklärung. Der UNHCR (Hoher Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte) hatte die Attacke scharf verurteilt – Adolfo Alarcón, Sicherheitsanalyst der Regierung, sprach gar von einem „direkten Angriff auf den Staat als Institution“. Ihm zufolge waren die Tötungen primär eine Nachricht an Regierung und Gesellschaft: Die Drogenbanden würden ihre Furchtlosigkeit gegenüber den Autoritäten ausdrücken wollen und zugleich mitteilen, sie würden alle verfügbaren Mittel einsetzen, um Chaos zu verbreiten und die Bevölkerung in einen Zustand des Schreckens und der Wehrlosigkeit zu versetzen.2

Schon seit Langem ist ein signifikanter Anstieg der Gewalt in Guatemala zu beobachten. Hauptgrund ist, neben der hohen Anzahl an jugendlichen Gangs, die Expansion der mexikanischen Drogenkartelle. Banden wie die Los Zetas hatten schon vor Jahren damit begonnen, ihr Einflussgebiet, auch angesichts der wechselhaften Verhältnisse im Heimatland Mexiko, auf Zentralamerika auszudehnen. Mit 42 Morden à 100.000 Einwohner ist die Mordrate in Guatemala mittlerweile mehr als doppelt so hoch wie in Mexiko.3 Das entspricht 16 Opfern täglich, bei knapp der Hälfte der Tötungen soll der Drogenhandel eine Rolle spielen.2

Neben den offensichtlichen Nachteilen führt dies nach und nach auch zu sozialen Spaltungen. Ganze Stadtviertel sind aufgrund der Gewalt nicht mehr zugänglich, ohne die eigene Sicherheit massiv zu gefährden. Lediglich in Wohngebieten der Reichen ist dies noch uneingeschränkt möglich, da diese genügend Geld zu Verfügung haben, um Sicherheitskräfte anzuheuern.4

Verbesserung ist nicht in Sicht. Der Staat ist schwach, das Justizsystem von Korruption durchzogen.4 Konkrete Maßnahmen der Politik sind weitgehend Mangelware, stattdessen werden lediglich Absichtserklärungen verlautbart.3

Tom Koenigs, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, meint daher: „Ich glaube, dass man die drei Elemente Konsum, Handel und Produktion von Drogen gesondert analysieren muss. Der Treiber, der Brandbeschleuniger ist der Konsum.“3

  1. Drug traffickers ambush Guatemala police – Al Jazeera – aufgerufen am 17.06.2013 []
  2. Guatemala reeling from mass police slaying – Tico Times – aufgerufen am 17.06.2013 [] []
  3. Guatemala im Würgegriff der Kartelle – Zeit Online – aufgerufen am 17.06.2013 [] [] []
  4. Drogenkriminalität in Guatemala: Die Profite müssen raus – Heinrich-Böll-Stiftung – aufgerufen am 17.06.2013 [] []
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