Drogen: Handel und Verfolgung in "Neuland"

Der Drogenhandel verlagert sich allmählich von der Straße ins Internet. So nutzen Dealer und Konsumenten zusehends verschlüsselte Netzwerke, um anonym zu bleiben. Die Bezahlung findet in einer speziellen Online-Währung, den „Bitcoins“ statt, die erst später in reales Geld umgetauscht werden. Das Geschäft ist für beide Parteien, sowohl Dealer als auch Konsumenten ungemein lukrativ. Die Kunden können relativ günstig ihre Wunsch-Droge erwerben und die Verkäufer erfreuen sich an ihrer Anonymität. Aus dieser Entwicklung ergibt sich neben einer deutlich gesunkenen Hemmschwelle, sich Drogen zu besorgen vor allem die Schwierigkeit für die Behörden gegen die anonymen Machenschaften vorzugehen.1

Erschwert wird die Verbrechensbekämpfung durch die Menge an beinahe 700 erfassten Online-Shops, die in den europäischen Drogenhandel verwickelt sind. Hinzu kommt, dass die Zahl an angebotenen Drogen ständig steigt, wöchentlich neue synthetische Drogen auf den Markt kommen. Der Gesetzgeber kann diesen bis dahin „legalen“ Drogen gar nicht nachkommen.2 Auch der britische Journalist Mike Power berichtet von einer entstandenen „Grauzone für den Verkauf unbekannter psychoaktiver Substanzen.“3 Diese Entwicklung hat vor allem schwerwiegende Konsequenzen für die Konsumenten, da Notärzte kaum noch nachvollziehen können, aus welchen Bestandteilen die Drogen bestehen und welche genauen Wirkungsweisen und Langzeitfolgen auftreten können.2

Auf der anderen Seite rüsten die Drogenfahnder nach und nutzen das Internet zur Verfolgung der Drogenhändler inner- sowie außerhalb des Internets. So konnte eine Sonderkommission der Kriminalpolizei Hagen im Juli dieses Jahres mehrere Verdächtige identifizieren und verhaften, die über das Internet verschiedene Drogen anboten und per Post verschickten. Bezahlt wurde über die verschlüsselte und anonyme Internetwährung Bitcoins.4

Die USA gehen bei der Internetnutzung zur Drogenfahndung noch weiter: Die Drug Enforcement Administration (DEA) nutzt Informationen aus Abhöraktionen der NSA sowie Datenbanken von FBI, CIA und der Homeland Security. Diese Informationen werden von der Special Operations Divison (SOD) koordiniert.5 Gezielte Anweisungen zur Kontrolle von z.B. bestimmten Fahrzeugen werden dann an die DEA weitergeleitet. Diese wird dann genannte Objekte, unter anderem Vorwand, untersuchen.6 Diese Methode unterliegt starker Kritik, da so ursprüngliche Indizien und Zeugenaussagen vertuscht werden, was zu einer Verfälschung der Beweislage vor Gericht führt.5 Deswegen sind auch keine Zahlen zur erfolgreichen Anwendung vorhanden.

Diese  Entwicklung hat bereits zu einem wahren Informationskrieg geführt, der im Rahmen der aktuellen Diskussionen um Datenschutz zwiespältig betrachtet werden muss. So werden Behörden und Geheimdienste weiterhin, vermutlich sogar verstärkt, gegen Nutzer von verschlüsselten Netzwerken und Browsern vorgehen.3

  1. Von der Straße ins Netz – Aargauer Zeitung – aufgerufen am 07.08.13 []
  2. Drogenhandel floriert – Antenne – aufgerufen am 07.08.13 nicht verfügbar 1.7.15 [] []
  3. Wie das Internet den Drogenhandel verändert – Futurezone – aufgerufen am 07.08.13 [] []
  4. Schlag gegen Drogenhandel – Report vor Ort – aufgerufen 07.08.13 []
  5. Kampf gegen Drogen – Netzpolitik – aufgerufen 07.08.13 [] []
  6. Drogenfahndung via NSA – Spiegel Online – aufgerufen 07.08.13 []

Über Johannes / earthlink

Ich absolviere derzeit ein zweimonatiges Praktikum bei earthlink. Ansonsten studiere ich den B.A. Staatswissenschaften in Passau.
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