Gesang und Tanz zu Ehren der Drogenbosse – Doku berichtet über die wachsende „Narco-Kultur“

Jedes Jahr steigt die Zahl an Toten in der mexikanischen Grenzstadt Juarez, die direkt neben der texanischen Stadt El Paso liegt. Und das aufgrund der zunehmenden Gewalt der Drogenkartelle. Anstatt sich jedoch dagegen aufzulehnen, formiert sich eine Jugend, die die Kartelle als neue Helden der Popkultur feiert, und zwar auf beiden Seiten der Grenze. Die Kartelle beauftragen Musiker, stetig neue Lobeshymnen und Erkennungsmelodien für sie zu komponieren und setzen diese bewusst als Werbematerial ein. Die Bekämpfung der Kartelle scheint aussichtslos. Nicht nur angesichts der gewaltigen Korruption und der Untätigkeit der Polizei, sondern auch wegen der hohen Mordrate – etwa 3000 Menschen sterben jedes Jahr aufgrund des Drogenkriegs in der Stadt. Währenddessen tanzen junge Menschen in Mexiko und in den USA zu volkstümlichen Klängen der „Narco Corridos“, der Drogenballaden, die die extreme Gewalt der Drogenszene verherrlichen.1 Dass die Musik mehr als blutrünstige Unterhaltung ist, sondern auch Öffentlichkeitsarbeit für die Drogenkartelle, zeigt der eindrucksvolle Dokumentarfilm „Narco Cultura“ des israelischen Fotografen Shaul Schwarz.

In seinem Film verfolgt er das Leben zweier Menschen, deren Arbeit nicht unterschiedlicher sein könnte. Auf der einen Seite begleitet er das 34-jährige CSI-Mitglied Richie Soto, der als Ermittler bei der mexikanischen Spurensicherung arbeitet. Bei Tatorten tritt er nur maskiert auf, bei einem normalen Stadtbesuch muss er um sein Leben fürchten. Seinen Gegenspieler stellt der 27-jährige Edgar Quintero dar. Als Sänger der berüchtigten Band „Buknas de Culiacan“ verfasst er Lobeshymnen für die Drogenbosse. Seine Aufträge nimmt Quintero von ganz oben an – nämlich von den Drogenbossen selbst, die ihm den Stoff für seine Texte liefern.2 Shaul Schwarz gelang es auf eindrucksvolle Weise die Wirklichkeit zweier Welten, die der Gewalt und der Musik, miteinander zu verknüpfen. Der Film zeigt den leuchtenden Schein der angehenden Narco-Popkultur, aber auch den brutalen Alltag der Ermittler und der Opfer des Drogenkriegs.3 Und dazwischen das Phänomen einer wachsenden Narco-Kultur, einer Jugend, die die Gewalt und Grausamkeit der Kartelle feiert und verehrt.

Doch woher rührt die zunehmende Popularität für diese neue Musikszene, die die Macht und den Einfluss der Kartelle anpreist? Laut Schwarz liegt der Ursprung des Problems in den begrenzten Möglichkeiten, die der Staat jungen Mexikanern biete. Während Mütter für fünf Dollar am Tag arbeiten, um ihre Familie über Wasser zu halten, kann ein 12-Jähriger im Dienste der Kartelle ohne großen Aufwand 100 Dollar in der Woche einnehmen. Und sein Verdienst kann sich in kurzer Zeit um das fünffache steigern. Es ist also nicht verwunderlich, weshalb viele Mexikaner Drogenbosse als „Robin Hoods“, die dem Staat überlegen sind, feiern. Der Einfluss, die Macht und der Reichtum rufen Bewunderung hervor und lassen moralische Werte in den Hintergrund rücken.4

In Israel geboren, begann Shaul Schwarz seine Karriere als Kriegsfotograf in der israelischen Armee und arbeitete später als dokumentierender Fotograf in Krisengebieten weltweit. Vor zwei Jahren entschloss er sich, seine Arbeit in Mexiko weiterzuführen, mit besonderem Augenmerk auf den Drogenkrieg. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkte er, dass seine Aufnahmen dem Ausmaß des Krieges nicht gerecht wurden und er begann mit dem Dreh der Dokumentation „Narco Cultura“. Und das mit Erfolg, denn sein Talent für die Fotografie nutzte er auch in der Filmkunst und schaffte es, die gesellschaftlichen Auswirkungen des Drogenkriegs gekonnt in Szene zu setzen.

Narco Cultura“ war auf vielen Festivals zu sehen, unter anderem in Sundance und auf der Berlinale, und wird nächsten Freitag in den amerikanischen Kinos anlaufen.3

Weitere Informationen zu den Narco Corridos und dessen Einfluss auf die Bevölkerung finden Sie hier.

  1. Berlinale: „Narco Cultura“ – aufgerufen am 19.11.13 []
  2. Perlentaucher: Waffen, Nutten, Koks: Shaul Schwarz Narco Cultura – aufgerufen am 19.11.13 []
  3. yahoo Nachrichten: „Narco Cultura – Songs über Drogen, Mord und das große Geld – aufgerufen am 19.11.13 [] []
  4. BrooklynRail: The Narco Cultura War Next Door: Shaul Schwarz with Williams Cole – auferufen am 19.11.13 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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