Global Drug Survey: Der Konsument im Fokus

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Zum Drogenproblem gehört nicht nur das Angebot – sondern auch die Nachfrage. Wichtig also, herauszufinden, wie es um den Konsum tatsächlich bestellt ist. Doch gerade das erweist sich oft als schwierig. Die Frage ist, wo man ansetzt.

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, verantwortlich für den „World Drug Report“, verfolgt auch in Bezug auf den Konsum einen umfassenden globalen Ansatz. Die durch Umfang und Art der Daten entstehenden methodische Schwierigkeiten werden gleich mitberichtet1: Fast immer muss eine „versteckte“ Bevölkerungszahl gemessen werden. Etwas Verstecktes messen? Das geht mittels Schätzungen. Diese kommen zuallermeist aus Regierungsquellen und unterscheiden sich hinsichtlich Regionen sowie Drogentypen: Vor allem wirtschaftlich entwickelte Länder liefern alle drei bis fünf Jahre Schätzungen. Lediglich zwei tun dies jährlich – ein Drittel aller UN-Mitgliedsstaaten in Bezug auf den Konsum jedoch gar nicht. Die Genauigkeit der Schätzungen unterscheidet sich auch von Land zu Land: Manchmal werden die Zahlen Drogenregistern entnommen, die aber nur einen Teil der Konsumenten eines Landes ausmachen. Länder ohne Daten müssen selbst anhand der Zahlen angrenzender Staaten geschätzt werden.1

Einen anderen Weg, Erkenntnisse über den Drogenkonsum zu gewinnen, wählt der „Global Drug Survey“: Die Online-Umfrage richtet sich direkt an die Konsumenten selbst. Aktuell zum dritten Mal – und erstmals auch in deutscher Sprache. Initiiert von Dr. Adam Winstock, einem britischen Psychiater und Alkohol- sowie Drogenexperten, versucht das unabhängige, selbstfinanzierte Institut2 über diesen ungewöhnlichen Weg neue Einblicke zu gewinnen: Denn Winstock behauptet, die meisten Konsumenten würden die meiste Zeit nur des Vergnügen willens konsumieren – ohne sich und anderen dabei zu schaden. Er kenne nur wenige, die nicht erkennen würden, dass ihr Konsum ihnen Probleme bereitet und diesen auch nicht runterfahren könnten.3 In diesem Glauben möchte der Global Drug Survey herausfinden, wie Drogen daher tatsächlich konsumiert werden – und verspricht den Teilnehmern hierbei Anonymität, Vertraulichkeit und Objektivität.4 Aus den so gewonnnen Daten erhofft man sich unter anderem, Öffentlichkeit, Experten und Regierungen mit neuen Erkenntnissen versorgen zu können und so zu einer erfahrungsbasierten Drogenpolitik und Menschenrechtsstrategie beitragen zu können.2 Ergebnisse sollen deshalb zwischen März und April 2014 bei Pressepartnern wie dem Guardian oder Zeit Online veröffentlich werden.5 Natürlich hat der Global Drug Survey ebenfalls methodische Probleme: Weil es sich um eine anonyme Online-Studie handelt, können die erhobenen Daten allenfalls für die Teilnehmer repräsentativ sein. Ganz sicher aber nicht für ein einzelnes Land.

Wenn man beide Ansätze vergleicht und deren Ergebnisse kombiniert, so könnten sich aus den methodischen Problemen jedoch Stärken ergeben. Denn beide untersuchen zwar das Gleiche, verfolgen aber ganz unterschiedliche Forschungsziele: Während der World Drug Report den Konsum als Ganzes im Auge hat, durchleuchtet der Global Drug Survey jeweils den persönlichen Konsum. So könnte er in die Kerbe des anderen schlagen: Zum Beispiel durch neue Erkenntnisse über den konkreten Konsum dazu beitragen, notwendige Schätzungen im World Drug Report zu verbessern.

Wer es mit der Bekämpfung des Drogenhandels ernst meint, sollte sich dieser Chance nicht verwehren. Denn der Global Drug Survey ermöglicht es, gezielt an eine Fülle an Informationen aus erster Hand zu gelangen. Und darüber Konsum als auch Konsumenten differenzierter zu verstehen: Die letzten Ergebnisse machten beispielsweise deutlich, dass es unter den teilnehmenden Konsumenten immer üblicher wird, Drogen online zu kaufen. Oder dass es doch tatsächlich am meisten Alkohol und Zigaretten sind, von dem die Teilnehmer wegkommen möchten. Auch wurde deutlich, dass nur zwei Prozent der Teilnehmer ihre Freunde, die Fragen zu Drogen hätten, auf hierfür geschaffene und jahrelang intensiv beworbene Internetseiten der Regierung verweisen würden.6 Beispiele, die verdeutlichen, dass viele Maßnahmen gegen den Drogenkonsum durchaus falsch sein könnten.

Das macht den Global Drug Survey zu einem neuen Weg. Einer, der weitere neue in sich bergen oder anstoßen könnte: Zum Beispiel, zu versuchen, den Drogenkonsum zu reduzieren, indem man immer mehr aktuelle Details über ihn erfährt, um ganz zielgerichtet Maßnahmen ergreifen zu können. Denn versäumt man weiter neue Ansätze, bleibt der Konsum wohl was er ist: der vielleicht größte Motor des weltweiten Drogenhandels.

  1. United Nations Office on Drugs and Crime: Methodology [] []
  2. Global Drug Survey: About: „Mapping drug use around the world“ [] []
  3. Global Drug Survey: Adam Winstock – Where it all began… []
  4. Global Drug Survey: Agenda Setting – nicht mehr verfügbar []
  5. Global Drug Survey 2014 []
  6. The Guardian: Drug users taken advantage of sexually, new survey shows []

Über felix / earthlink

Ich bin 24 Jahre alt und studiere Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der LMU München. Zum Abschluss dieses Studiums aber vor allem aus fachlichem Interesse sowie zur beruflichen Orientierung bin ich nun Praktikant bei Earthlink.
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