Malaysische Drogengangs: das organisierte Verbrechen des Landes

Bild: © n.v. - Wikimedia

Wird von einer Drogenmafia gesprochen, richtet man den Blick ohne Umschweife auf den Staat Mexiko. Hier kämpfen schon seit Jahren die dort ansässigen Kartelle um die Vorherrschaft im Drogenkrieg. Sie bekämpfen einander und die Regierung, ein blutiger Krieg, der bereits unzählige von Opfern forderte. Drogengangs tauchen jedoch nicht nur in Lateinamerika auf, sondern auch in anderen Gebieten der Welt, wie beispielsweise Malaysia. Organisiertes Verbrechen spielt sich hier in über 49 Gangs ab, denen insgesamt an die 40 000 Mitglieder angehören. Zur Veranschaulichung: In Mexiko existieren derzeit sieben Kartelle mit schätzungsweise 300 000 Mitgliedern. Verglichen dazu hat der kleine Staat Malaysia eine relativ machtvolle Drogenszene.1

Mit der Einführung des Anti-Drogen-Gesetzes im Jahr 1984 hat sich die Regierung einer äußerst strengen Drogenpolitik verschrieben, die sie mit harten Strafen, wie Prügel- und Todesstrafen, durchzusetzen versucht. Als schuldig wird angesehen, wer Drogen besitzt oder auch nur Zugang zu ihnen hat, bis das Gegenteil bewiesen werden kann.2

Gegenwärtig versucht die malaysische Polizei die zunehmende Gewalt, die von den Drogengangs ausgeht, einzudämmen. Zahlreiche Raubüberfälle und zunehmende Straßenkriminalität haben in den letzten Jahren bereits großes öffentliches Aufsehen erregt, doch erschütterten diesjährige Vorfälle das als stabil geltende Land wie nie zuvor. Der Staat machte die Gangs für die Unruhen verantwortlich und nahm mithilfe von unzähligen Razzien über 21 000 Verdächtige fest. Über ein Dutzend Menschen wurden während der Fahndungen erschossen.

Kriminologen und ehemalige Mitglieder warnen die Regierung jedoch, dass die bestehenden Gangs tief in der Gesellschaft, in den polizeilichen Strukturen und in der Politik verwurzelt seien. „Die Gangs existieren bereits viel zu lange und ihre Vernetzungen innerhalb des Landes sind schon viel zu weitreichend. Es ist möglich, sie für eine Weile ruhig zu stellen, aber sie vollkommen auszulöschen, ist hoffnungslos“, bekräftigt Raju, ein ehemaliges Bandenmitglied.

Laut Angaben der Polizei nahm das organisierte Verbrechen Malaysias seine Anfänge im 18. Jahrhundert als eine Abspaltung der mächtigen chinesischen Mafia. Im Laufe der Zeit wurde die risikoreiche Arbeit immer mehr an ortsansässige Inder abgegeben, bis sie in den 1980er Jahren beinahe in allen Gangs die Oberhand gewannen. Staatsminister Zahid Amidi schätzt, dass etwa 72 Prozent der angenommenen Gangmitglieder indischer Abstammung seien.

Doch weshalb ist der Anteil an Indern in den Gangs so hoch? Ursprünglich als Plantagenarbeiter für die britischen Kolonialherren eingestellt, existieren sie gegenwärtig als eine unbeachtete Randgruppe in der Gesellschaft. Politik und Wirtschaft des Landes werden durch die malaysische und chinesische Bevölkerung dominiert und hindern die indische Minderheit an einem sozialen Aufstieg.

„Die Regierung hat die indische Bevölkerung zu einem großen Teil einfach ignoriert“, unterstreicht ein malaysischer Aktivist, der sich um die Förderung von indischen Schulabbrechern bemüht. Das Image des harten Kerls und das leicht zu verdienende Geld macht es jungen, ausgeschlossenen Indern schwer, zu widerstehen, meint der 34-Jährige Reghu Devan Lopez, ein ehemaliges Gangmitglied. Als Jugendlicher und Mitglied des organisierten Verbrechens konnte er sich teure Autos, Frauen und Urlaubsreisen nach Amerika leisten. Legal hätte er das nie erreichen können. Die Aussicht auf ein besseres Leben und die fehlende staatliche Unterstützung verleitet die Jugendlichen sehr leicht zur Kriminalität.3

Tatsächlich zählt die wohl mächtigste Gang des Landes, „Geng 36“, überwiegend indische Anhänger. In den 70er-Jahren aktiv geworden, ist „Geng 36“ hauptverantwortlich für den Drogenschmuggel innerhalb des Landes, besonders in der südlichen Region Malaysias.4

Derzeit wird die Zahl der Drogenabhängigen im Land auf etwa 30 000 geschätzt, 50 Prozent der begangenen Straftaten sollen auf die Drogenkriminalität zurückzuführen sein.3

Erst Ende Juli dieses Jahres wurde R. Sanjeevan, Vorsitzender der malaysischen Anti-Kriminalitäts-NGO „MyWatch“ auf offener Straße angeschossen. Berichten zufolge soll der vermeintliche Mordversuch aus Rache an Sanjeevan und dessen Kampf gegen das organisierte Verbrechen begangen worden sein. Der malaysische Menschenrechtler kritisiert bereits seit Jahren das inaktive Vorgehen der Regierung gegen die anhaltende Kriminalität der Banden. Ihm zufolge soll die Polizei in Verbindung mit dem an ihn begangenen Attentat stehen, denn er vermutet, wie auch andere Kriminologen, eine enge Zusammenarbeit polizeilicher Kräfte und Drogengangs.56

  1. Wikipedia: Drogenkrieg Mexiko – aufgerufen am 5.11.13 []
  2. Wikipedia: Capital punishment in Malaysia – aufgerufen am 05.10.15 []
  3. South China Morning Post: Malaysia gang violence fed by drugs, guns and race – aufgerufen am 5.11.13 [] []
  4. The Star: Over 40,000 members in 49 gangs involved in firearms, murder, drugs and extortion, says Home Ministry – aufgerufen am 5.11.13 []
  5. The Star: Police need to confirm disturbing leads with Sanjeevan, says MyWatch advisor – aufgerufen am 5.11.13 []
  6. The Maily Mail Online: Sanjeevan now hot on the heels of East Malaysian drug gangs – aufgerufen am 5.11.13 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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