Vietnams neuer „Trend“: Cannabis aus Kanada

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Einst importierten kanadische Drogenbanden ihr Cannabis aus asiatischen Ländern, wie Thailand oder Indien. Doch mittlerweile scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Kanada hat sich inzwischen eingereiht in die Riege drogenexportierender Staaten. Ihre Hauptabnehmer sitzen im asiatischen Raum, eine Absurdität der Geschichte, wenn man so will: Jene, die einst den kanadischen Markt belieferten, sind nun dessen kaufkräftigste Kunden.

Doch weshalb gewinnt Marihuana, angebaut und kultiviert in Nordamerika, zunehmend an Beliebtheit und Anerkennung im Ausland? Besonders im Vietnam stieg in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach der hoch qualitativen Pflanze – denn unter reichen Jugendlichen ist es ein Trend das  „teure Zeug“ aus Amerika zu rauchen. Reich müssen die Konsumenten sein, denn das importierte Gut wird aufgrund der hohen Kosten und Risiken des Transports oft für den zehnfachen Preis verkauft.1 „Die Qualität und der Ruf des kanadischen Cannabis sind den Aufwand und die Kosten des Imports wert”, bestätigt Simon Fraser, Experte für Cannabishandel. „Die Diaspora-Verbindungen erleichtern höchstwahrscheinlich den Handel und senken die Kosten.“2

Die vietnamesischen Staatsbürger, durch den Vietnamkrieg aus ihrer Heimat vertrieben und in Ländern der westlichen Hemisphäre niedergelassen, entdeckten in den 80er- Jahren eine Marktnische für sich: Durch enge Beziehungen zu ihrem Herkunftsland konnten sie in der Drogenszene Fuß fassen. Sie fungierten hier als Bindeglied zwischen westlicher Nachfrage und vietnamesischem Angebot.1

Nichts desto trotz bleibt das ausländische Cannabis so gut wie unerschwinglich. Ein Gramm kanadisches Marihuana wird in Vietnam für umgerechnet 45 US-Dollar verkauft – ein Gramm des regionalen Cannabis kostet dagegen nur rund zehn Dollar. „Trotz der viel zu hohen Preise ist die Qualität verglichen zu den lokalen Angeboten unvorstellbar“, äußert sich ein amerikanischer Auswanderer und ehemaliger Arbeiter einer medizinischen Marihuana-Farm in Kalifornien dazu, „es ist super für besondere Anlässe.“2

Bei genauerem Hinhören kann man auch einen gewissen Stolz in den Stimmen der Bürger vernehmen, wenn sie über den Anstieg des ausländischen Marihuanas sprechen. „Einige Menschen halten sich Kühe. Andere bevorzugen es, sich ein teures Steak im Supermarkt zu kaufen“, kommentiert ein vietnamesischer Konsument.1

Eine effektive Drogenpolitik betreibt der Staat nicht. Anstelle von Präventions- und Entzugsmaßnahmen handelt die Regierung hauptsächlich repressiv. Seit 1945 werden Straftäter, meist Drogenkonsumenten und Dealer, bei einer Nichtachtung der Gesetze zur Todesstrafe verurteilt.3 Im Jahr 2004 wurden 88 Todesurteile verhängt, die Hälfte davon wegen Drogendelikten.4 Effektiv und nachhaltig kann man dieses Vorgehen nicht nennen. Dies beweist auch die Hafenstadt Haiphong: bereits seit Jahren ist sie bekannt für ihre hohe Ex- und Importrate an illegalen Drogen sowie für Geldwäscherei der Diaspora-Drogenschmuggler. Zusätzlich sollen die Schmuggler mittlerweile den Flugverkehr und die Postsendungen in das Land kontrollieren und auch dadurch ihre Schmuggelgeschäfte vollziehen.1 Um den Cannabis-Ansturm aus Nordamerika zu stoppen, verlangt es nach einer effektiveren Vorgehensweise – fragt sich nur, wann die vietnamesische Regierung das auch einsieht.

  1. Huffington Post: Canada Marijuana Finds Asian Market In Asia, East-To-West Trade – aufgerufen am 4.11.13 [] [] [] []
  2. CA Yahoo News: Canadian pot an expensive but trendy drug of choice in Vietnam – aufgerufen am 4.11.13 [] []
  3. Amnesty International: Vietnam Menschenrechte – aufgerufen am 4.11.13 []
  4. Amnesty International: Vietnam Menschenrechte Todesstrafe – aufgerufen am 4.11.13 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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