Kakao statt Koka – alternative Anbauprojekte geben peruanischen Bauern Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft

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Nach nahezu zwei Jahrzehnten überholte Peru den weltweit stärksten Kokaproduzenten Kolumbien. Wie das Büro der Vereinten Nationen für Rauschgift und Verbrechensbekämpfung bekannt gab, wurden im vergangenen Jahr über 60 000 Hektar der Pflanze angebaut.1

Die jahrelangen Bemühungen der Regierung, dem Drogengeschäft ein Ende zu setzen, stoßen auf verschiedene Hürden. Zum einen war und ist das Kauen von Koka-Blättern seit Jahrtausenden ein wichtiger Bestandteil der indigenen Kultur und diente dem alltäglichem Verzehr.2  Erst seitdem das wertvolle Kokain aus den Blättern gewonnen werden konnte, erklärte die Regierung die Pflanze für illegal. Konsum, Besitz und Handel gelten seitdem als Verbrechen und werden mit hohen Geldstrafen geahndet.3 Zum anderen erschweren radikale Gruppierungen die Durchsetzung des Verbots. Seit Mitte der 80er Jahre versucht die radikale Gruppe „Sendero Luminoso“, übersetzt „Leuchtender Pfad“, das demokratisch-parlamentarische Land unter ihre linke Führung zu zwingen. Sie war der Auslöser für den zehn Jahre langen Bürgerkrieg, der 70 000 Peruanern das Leben kostete. Zwar gelang es der Regierung durch die Festnahme des Anführers den „Sendero“ zu zerschlagen, zu einer völligen Auflösung der Gruppierung kam es jedoch nicht.24

Man spricht von einer Neuformierung der Organisation – ganz nach dem Beispiel der FARC in Kolumbien. Der „Sendero“ versucht sich das Drogengeschäft in Peru, also den Anbau von Kokasträuchern, unter den Nagel zu reißen, um sich dadurch eine lukrative Geldquelle zu erhaschen. Sie verfolgen das Ziel die illegale Kokainwirtschaft, und somit auch die Kokabauern, deren Felder meist vom Militär zerstört werden, vor der Regierung zu schützen und verteidigen Anbauflächen und Laboratorien – mithilfe von Waffengewalt und Minenfeldern. Die Mitglieder des „Sendero“ entwickelten sich zu den romantisch verklärten Helden der Bevölkerung – und ziehen ihre Vorteile daraus.56

Zwischen den beiden mächtigen Instanzen steht die große Zahl an Bauern, die sich nun entscheiden muss, ob sie unter der Aufsicht des „Sendero“ gegen die Regierung sowie deren Gesetze vorgeht oder ob sie Gefahr laufen will bei einem alternativen Anbau von den „Senderos“ belangt zu werden und weniger Profit zu machen. Um aus diesem Zwiespalt herauszuhelfen versucht die Regierung nun mithilfe internationaler Organisationen wie der GIZ, den Bauern finanziell unter die Arme zu greifen und ihnen den alternativen Anbau schmackhaft zu machen. Gefördert wird vor allem Kakao, unterstützt von internationalen Unternehmen, die sich für nachhaltige Produktionen aussprechen. Und das mit Erfolg! Peru ist weltweit der 12.-größte Kakaoproduzent, nach der Dominikanischen Republik der zweitgrößte Produzent des nachhaltigen Kakaos. Und auch die Bauern ziehen ihre Vorteile aus dem Wechsel zu Kakao, denn obwohl der Kakaoanbau aufwendiger ist, profitieren die Bauern aus der staatlichen Unterstützung und der internationalen Anerkennung. Den Menschen in den geförderten Regionen werden neue Perspektiven ohne die Furcht vor Gewalt des „Senderos“ aufgezeigt. Der eingetragene deutsche Verein „Naturland“ ist Unterstützer des alternativen Anbaus und vergibt sein Öko-Fair-Siegel an die Produkte peruanischen Bauern. 78

In diesem Zusammenhang steht die aktuelle Neubesetzung des deutschen Ministerkabinetts. Denn neben Familien-, Wirtschafts-, und Finanzminister wurde auch ein neuer Entwicklungshilfeminister ernannt. Gerd Müller (CSU) soll das Amt annehmen und zukünftiger Leiter des BMZ werden. Nichtstaatliche Organisationen wie Brot für die Welt treten nun mit der Hoffnung an ihn, speziell in den südlichen Regionen der Welt eine nachhaltige Förderung der kleinbäuerlichen Betriebe anzusetzen. Wie auf den Kakaoplantagen in Peru soll den Menschen ermöglicht werden, aus eigenem Antrieb einen Weg aus der Armut und in die Gerechtigkeit zu finden. Es bleibt abzuwarten, inwieweit Gerd Müller diesen Forderungen nachkommt.9

  1. CSmonitor: Colombia out, Peru in, a coca king – aufgerufen am 18.12.13 []
  2. Infostelle Peru e.V. : Peru ist Weltmeister im Koka-Anbau – aufgerufen am 18.12.13 [] []
  3. DrogenMachtWeltSchmerz: Peru – aufgerufen am 18.12.13 []
  4. Wikipedia: Sendero Luminoso – aufgerufen am 18.12.13 []
  5. Infostelle Peru e.V. : Peru ist Weltmeister im Koka-Anbau – aufgerufen am 18.12.13 []
  6. FAZ: Peru: Der Pfad leuchtet wieder – aufgerufen am 18.12.13 []
  7. DW: In Peru, organic cocoa instead of cocaine – aufgerufen am 18.12.13 []
  8. Naturland: Aktivitäten – aufgerufen am 20.12.13 []
  9. epo: Stimmen zur neuen Leitung des BMZ – aufgerufen am 18.12.13 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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