Drogen im Paradies: Ist Costa Rica der neue Drogenstaat?

Bild: © User:SKopp; José R. - Wikimedia Commons

Costa Rica ist ein traditioneller Knotenpunkt für Drogentransporte, doch in letzter Zeit hat das Land diese Rolle weiter verstärkt. Die Polizei stellt immer häufiger große Mengen Kokain sicher, bis November waren es im Jahr 2013 allein 15 Tonnen. Und mehr als das: Inzwischen werden viele Drogengeschäfte in Costa Rica selbst abgewickelt.1 Bei einer Großrazzia im Dezember wurde ein bekanntes Drogenkartell Costa Ricas aufgedeckt, das unter Verdacht steht, regelmäßig große Mengen Drogen zu transportieren. Das Kartell hat vermutlich Verbindungen nach Kolumbien und Jamaika, von wo Kokain und Cannabis importiert und anschließend nach Europa exportiert werden sollen.2

Die geographische Lage erklärt, warum viele Transportwege durch Costa Rica führen. Das Land grenzt an zwei weitere Drogentransitstaaten: Nicaragua im Norden und Panama im Süden. Die drei Länder liegen direkt auf dem Transportweg von großen Drogenproduzentenstaaten wie Kolumbien über Mexiko in die Vereinigten Staaten. Dort residieren seit Anfang dieses Jahrtausends die großen Drogenringe der Region, nachdem viele Kartelle in Kolumbien zerschlagen worden sind. Mit dieser Veränderung im Drogenhandel veränderte sich auch die Rolle Costa Ricas: Das Land entwickelt sich weiter von einem Transitstaat zu einem Umschlagplatz für Drogengeschäfte.3

Die geographische Position begünstigt diese Entwicklung und auch die sozialen Umstände im Land könnten dazu beitragen. Costa Rica schmückt sich eigentlich mit dem Beinamen „Die Schweiz Zentralamerikas“, es hat einen der höchsten Lebensstandards in ganz Amerika. Nach dem Bürgerkrieg 1948 wurde das Land zu einem Sozialstaat mit einer umfassenden Sozialgesetzgebung ausgebaut, zu dem unter anderem ein grundlegendes Bildungssystem und die Abschaffung des Militärs gehören. Doch das positive Bild trügt, Costa Rica ist politisch weitaus instabiler als vermittelt wird. Die fortschreitende Neoliberalisierung Costa Ricas sowie die starken Kürzungen von Sozial- und Bildungsausgaben nach einer Wirtschaftskrise in den 80er Jahren trugen wesentlich dazu bei, dass viele Costaricaner*innen heute keinen Zugang zu Sozialleistungen haben.4 Die gesellschaftliche Ungleichheit nahm in den letzten Jahrzehnten enorm zu und die Kluft zwischen Arm und Reich steigt weiter. Tausende Familien sind von Armut betroffen, 10 Prozent der Einwohner Costa Ricas leben von weniger als 1,25 $ am Tag.5 Durch die Armut steigt auch die Perspektivlosigkeit der Menschen und somit die Anfälligkeit, sich auf Drogengeschäfte einzulassen.

Zeitgleich verschärft sich in Costa Rica auch die Gewalt. Laut einem Bericht der UNODC stieg die Mordrate von 2000 bis 2012 um knapp 50 %.3 So soll auch ein Mann namens Jairo Mora Medienberichten zufolge öffentlich gemacht haben, dass Schildkröteneier zum Drogentransport verwendet würden – einen Monat später wurde er ermordet. Außerdem profitieren die Kartelle von der Korruption, zuständige Polizist*innen sind oft leicht käuflich. Bei der Großrazzia im Dezember wurden unter anderen auch zwei Polizisten festgenommen. Ebenso wie ein Banker, der dem Kartell bei der Geldwäsche geholfen haben soll.6

Costa Ricas Regierung muss nun auf die Entwicklungen in ihrem Land reagieren. Die momentane Präsidentin Chinchilla hat bereits signalisiert, Alternativen zu einem Drogenkrieg zu überdenken.7 Doch am 2. Februar 2014 wird wieder gewählt. Dann zählt die Strategie der neuen oder neuen alten Regierung in Costa Rica – mit ihr entscheidet sich auch die weitere Entwicklung der Drogenwirtschaft im Land.

 

Foto:  User:SKopp; José R.

  1. PanamPost: The Unwillable War: Costa Rica’s Drug Trafficking Conumdrum; aufgerufen am 16.01.2014 []
  2. The Costarican Times: Is Costa Rica The New Narco-state?; aufgerufen am 16.01.2014 (nicht mehr aufrufbar) []
  3.  PanamPost: The Unwinnable War: Costa Rica’s Drug Trafficking Conumdrum; aufgerufen am 16.01.2014 [] []
  4. Bundeszentrale für politische Bildung: Costa Rica – Ein Sozialstaat im Wandel; aufgerufen am 16.01.2014 []
  5. SOS Kinderdörfer: SOS Kinderdörfer in Costa Rica; aufgerufen am 16.01.2014 []
  6.  The Costarican Times: Is Costa Rica The New Narco-state?; aufgerufen am 16.01.2014 (nicht mehr aufrufbar) []
  7. Global Commission on Drugs: Der Krieg gegen Drogen und HIV/Aids; aufgerufen am 16.01.2014 []

Über anila / earthlink

Im Sommer 2013 habe ich mein Abitur gemacht. Vor meinem Studium leiste ich meinen Bundesfreiwilligendienst bei EarthLink. :)
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