Michoacán: Das Scheitern des Staates

„Wir sind nicht einfach eine Gruppe mit Waffen, wir sind ein Volk; wir sind Tausende, wir sind ein Rat der vereinten Bürgerwehren von Michoacán, bestehend aus Geschäftsleuten, Bauern, Bürgermeistern, Gemeinderäten, Personen, die Gemüse und Zitronen anbauen, Studenten, Familienväter, etc. Wir sind das vereinte Volk und wir machen alle mit“, liest man in einer Mitteilung die von Mitgliedern der Bürgerwehren verschickt wurde.

Tote durch das Militär – darunter ein 11-jähriges Mädchen, Verletzte, angezündete Geschäfte und Autos, Personen die aus Ihren Orten vertrieben wurden, geschlossene Schulen, Banken und Geschäfte hat die zunehmende Welle der Gewalt  in den Dörfern Michoacans, neben der Verärgerung und der Angst der Bevölkerung, zurückgelassen.

Vergangenes Wochenende war eines mit Tagen voller Gewalt für die Bewohner der Region Tierra Caliente in Michoacán. Es begann damit, dass scheinbare Sympathisanten der kriminellen Organisation „Tempelritter“ (Caballeros Templarios), die Bundesstrasse Cuatro Caminos nach Apatzingán mit sechs brennenden Fahrzeugen blockierten und ein Auto in Apatzingán selbst  anzündeten.

Zuvor hatten Mitglieder der Tempelritter,  die sich mit den Bürgerwehren Auseinandersetzungen liefern, eine Schießerei angezettelt und Geschäfte, sowie Teile des Rathauses und der städtischen Bibliothek angezündet.

Die Brandstiftungen und Angriffe auf die Geschäfte hatten zum Ziel, eine Gruppe der Bürgerwehren zurückzudrängen, die eine Gemeinde im Landkreis Parácuaro eingenommen hatten und in Richtung Antúnez im gleichen Landkreis und nach Nueva Italia  in Mùgica unterwegs waren.

In der Gemeinde Antúnez wurden die mehr als 500 Mitglieder der Bürgerwehren mit Zurufen wie “Gott behüte euch und gebe euch Weisheit“ und „hier ist euer Ort“ empfangen und ermutig, ihren Kampf fortzuführen, während Sie durch die Strassen zogen.

Antúnez ist einigen Bewohnern zufolge der Ort,  in dem die “Tempelritter“ Personen reklutieren um gegen die Bürgerwehren zu protestieren. „Was sollten wir gegen die (Tempelritter) machen, das sind bewaffnete Gruppen, die haben uns gezwungen”, sagte einer der Bewohner der am Protest teilgenommen hatte.

Am Nachmittag kam das Dorf zusammen, um die Gruppe der Bürgerwehr zu hören, die zuerst öffentlich fragte ob es den Bewohnern lieber wäre, wenn sie sich wieder zurückziehen würde, doch die Hände blieben als Zeichen der Anerkennung und des Willkommen unten.

Von Antúnez zog die Bürgerwehr am Sonntagmorgen weiter Richtung Nueva Italia auf, wo es zu einem Feuergefecht mit der städtischen Polizei, die später von der Bürgerwehr entwaffnet wurde, kam.

Nach den diversen gewalttätigen Auseinandersetzungen in mehreren Gemeinden während des vergangenen Wochenendes, hat Mexikos Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong die Entwaffnung der Bürgerwehren in Michoacán angeordnet. Dazu schickte er das Militär und die Bundespolizei nach Michoacan.

Am vergangenen Montag kamen die ersten Militärs und die Bundespolizei mit dem Ziel der Entwaffnung der Bürgerwehren in den Gemeinden Múgica und Parácuaro an. Nach und nach weiteten sie die Aktion auf andere Dörfer aus. Bei der Ankunft in Tierra Caliente entwaffneten sie eine Gruppe,  die auf dem Weg nach Apatzingán war. Die Bewohner des Ortes hatten sich mit den Bürgerwehren solidarisiert und forderten die Rückgabe der Waffen, woraufhin das Militär mit Schüssen antwortete.

Die offizielle Arbeit wurde so durch das vergossene Blut der Zivilisten beim Äußern ihrer Unterstützung für die Bürgerwehren beschmutzt. Die Schüsse des Militärs töteten 4 Personen, 11 wurden verletzt. Unbestätigten Berichten zufolge soll es bis zu 12 tote Zivilisten gegeben haben.

“Wir wollen Frieden, wir wollen keine Gewalt, wozu schicken sie die Soldaten. Wenn das Militär (die ganze Zeit) nichts gemacht hat, warum lassen, warum lassen sie nicht zu, dass uns diese Leute (die Bürgerwehren) unterstützen? Sie beschützen uns, das ist der einzige Schutz den wir haben“ sagt Teresa Pérez, eine der Angehörigen eines Toten durch die Schüsse des Militärs in Antúnez. Bewohner des Ortes versichern, dass die Entwaffnung schon vollzogen war und die Schüsse deshalb nur von den Militärs kamen.

Der Kampf der Bürgerwehren in Michoacán geht weiter. Diese versichern, dass sie ihre Waffen nicht abgeben werden, bis die Regierung, die 7 Anführer der “Tempelritter” festnimmt. „Aufgrund der Situation von heute Morgen haben wir entschieden die Waffen nicht abzugeben. Die Bürgerwehren werden ihre Waffen an keine Behörde abgeben; das Volk hat bestimmt, dass es sich von Niemandem entwaffnen lässt“ ließ Estanislao Beltrán, der neue Anführer der Bürgerwehren, verlauten. Nachdem Dr. José Manuel Mireles vor einigen Wochen einen Hubschrauberunfall hatte, von dem er sich immer noch erholt, hat Beltrán vorläufig dessen Position Übernommen.

Die Gewalt im Bundesstaat Michoacán geht weiter. Bürgerwehren und Zivilbevölkerung fürchten, dass bei einer totalen Entwaffnung der Gruppe die Entführungen, Erpressungen und Ermordungen wieder zur Alltäglichkeit werden.

“Wir werden uns mit Knüppeln, Steinen, Macheten, Sensen verteidigen; aber wir können diese Dörfer, die für ihre Freiheit kämpfen, nicht schutzlos lassen“, sagte ein Vertreter der Bürgerwehren aus Parácuaro, der Kommandant 5 genannt wird.

 

 

Michoacán: comando quema tiendas y alcaldía de Apatzingán

„Dios bendiga a las autodefensas“: pobladores de Antúnez 

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http://aristeguinoticias.com/1401/mexico/autodefensas-chocan-con-el-ejercito-en-michoacan-se-resisten-al-desarme/

http://www.youtube.com/watch?v=eoijh2SWdow

http://www.proceso.com.mx/?p=362355

http://www.jornada.unam.mx/ultimas/2014/01/14/autodefensas-en-michoacan-mantienen-el-control-en-nueva-italia-1316.html – nicht mehr verfügbar

http://aristeguinoticias.com/1401/mexico/el-ejercito-rafagueo-a-nuestro-pueblo-autodefensas-en-michoacan/

www.proceso.com.mx/?p=362355

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