Guineas Bedeutung im Drogenhandel wächst

Bild: © jbdodane - Wikimedia Commons

Der Kokainhandel nach Europa ist ein äußerst lukratives Geschäft. Der Handel mit der Droge machte hier allein im Jahr 2012 über 33 Milliarden Euro Umsatz, das sind gerade einmal 4 Milliarden weniger als im größten Absatzmarkt USA. Doch von den Hauptkokaproduzenten in Lateinamerika bis zu dem europäischen Konsumenten unternimmt das Kokain eine weite Reise – und wird durch zahlreiche Länder auf verschiedenen Kontinenten geschleust.

Westafrika gilt dabei schon seit einigen Jahren als eine Drehscheibe für den Handel von Kokain sowie auch Heroin. 21 Tonnen Kokain wurden laut UNODC 2009 über die westafrikanischen Länder nach Europa transportiert. Ihre Lage bietet sich zum Drogentransport an: auf halben Weg zwischen den Drogenanbaustaaten in Lateinamerika und dem großen Absatzmarkt Europa. Die Länder bieten weitere Vorteile, die für einen reibungslosen Drogentransport wesentlich sind: Es handelt sich um instabile Staaten mit einer schwachen Justiz, die Grenzen werden kaum kontrolliert und vor Ort stehen billige Arbeitskräfte zur Verfügung. Vor allem das kleine Land Guinea-Bissau, aber auch Nigeria und Mali sind die bedeutendsten Drogentransitstaaten im Westen Afrikas.1

Weniger wichtig für den Drogentransport war bislang Guinea-Bissaus großer Nachbar Guinea. Doch der International Narcotics Control Strategy Report 2013 des US-Department of State zeigt auf, dass sich nun auch Guinea zu einem wichtigeren Glied in der Drogenkette formiert.2 Es liegt wie Guinea-Bissau am Ende des „Highway 10“, dem kürzesten Seeweg im Atlantik.3 Dem Bericht zufolge deutet die gestiegene Anzahl an Drogenbeschlagnahmungen an den Grenzen des Landes sowie die Funde in anderen Ländern, deren Spuren sich auf Guinea zurückführen lassen, auf seine wachsende Bedeutung im Drogenhandel hin. Experten vermuten, dass die jüngste Krise im Nachbarstaat Guinea-Bissau zu der Entwicklung Guineas zu einem Drogenstaat beisteuert, da so der Transport nach Guinea erleichtert wird.

Guinea ist den Behörden seit längerem als ein Drogentransitstaat für Kokain und Heroin bekannt. Händler schmuggeln die Drogen von Guinea-Bissau hinein und transportieren sie aus Guinea weiter nach Europa, Ostasien oder in die USA. Laut dem US-Bericht sei es schwer, gegen den Drogenhandel im Land vorzugehen, denn die Justiz kooperiere kaum mit den Drogenbehörden. Zudem sei die Korruption in Guinea ein zentraler Faktor für den aufblühenden Drogenhandel: Sie ziehe sich durch alle Ebenen der Politik und erleichtere so die Transporte.4 Auch die ehemalige Regierung unter Lansana Conté war bekannt für ihre Verstrickung in den Drogenhandel. Ein Bericht der Drogenbehörde Guineas im Juli 2013 zeigt auf, dass die Drogenhändler auch mit Unterstützung von Militär und Polizei operieren.3

2008 wurde in Guinea bereits eine Anti-Drogen-Behörde eingerichtet, die in den ersten zwei Jahren sogar Erfolge verzeichnen konnte. Doch in Folge stieg der Widerstand mächtiger Drogenhändler und ranghoher Beamter, die in den Handel involviert waren und die Erfolgsquote der Behörde sank drastisch. Viele wegen Drogenhandel Inhaftierte wurden von Beamten inzwischen wieder frei gelassen.4 Wie in anderen westafrikanischen Staaten stehen der Anti-Drogen-Behörde kaum Mittel zur Verfügung, um den Kartellen ebenbürtig zu entgegnen. Sie besitzen wenige Waffen, kaum Personal, die Beamten haben teilweise nicht einmal genug Geld zum Tanken.3

„Das internationale organisierte Verbrechen folgt einer schlichten wirtschaftlichen Logik: Man sucht immer nach dem höchsten Profit mit geringstem Risiko. Die Schmuggler finden die besten Routen dort, wo ihre Druckmittel – von Todesdrohungen bis zu Mord – und die Korruption ihnen freie Fahrt gewähren“, beschreibt der Leiter der Abteilung Westafrika des UNODC Pierre Lapaque.

Für die Transitstaaten und ihre Bevölkerung erweist sich der Drogenhandel oft negativ: Behörden wie der UNODC und der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) sehen ihn als einen grundlegenden Destabilisierungsfaktor in den bereits schwachen und korrupten Staaten. Doch der Kokainhandel bedeutet auch ein milliardenschweres Geschäft und stellt zudem einen wichtigen Wirtschaftsfaktor der Länder dar. Allein 2012 brachten 30 Tonnen Kokain Gewinne von 900 Millionen Euro ein. Dem UNODC in Dakar zufolge wurden 400 Millionen Euro direkt in Westafrika gewaschen – und somit investiert. Das ist immerhin mehr als das Doppelte des Haushalts Guinea-Bissaus.1 Vielleicht rührt auch daher der geringe Widerstand gegen die Entwicklung Guineas.

 

 

Foto: jbdodane

  1. Monde Diplomatique: Drogenschleuse Westafrika; aufgerufen am 06.02.2014 [] []
  2. International Narcotics Control Strategy Report 2013 des US- Department of State; aufgerufen am 06.02.2014 []
  3. news24; Guinea turns into a drug hot spot; aufgerufen am 06.02.2014 [] [] []
  4. International Narcotics Control Stragedy Report 2013 des US- Department of State; aufgerufen am 06.02.2014 [] []

Über anila / earthlink

Im Sommer 2013 habe ich mein Abitur gemacht. Vor meinem Studium leiste ich meinen Bundesfreiwilligendienst bei EarthLink. :)
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