Irans blutiger Kampf gegen Drogenschmuggel

Bild: © n.v. - Wikimedia Commons

Drogen schleichen sich zunehmend in den Alltag der Menschen im Iran. Der Konsum von Heroin und Opium ist in den letzten Jahren vor allem in den großen Städten des Landes dramatisch angestiegen. Experten, Ärzte und Kliniken schätzen, dass bis zu 10 Millionen Iraner regelmäßig Heroin oder Opiate konsumieren bzw. bereits als abhängig gelten – damit nimmt der Iran die traurige Spitzenposition in der Welt ein.

Zurückzuführen ist der drastische Anstieg des Drogenkonsums einerseits auf den Irak-Iran-Krieg in den 1980er Jahren. Denn um die Schmerzen von Kriegsverletzungen zu lindern und die Traumatisierungserfahrungen zu verarbeiten, wurden Opiate eingesetzt, die aus vielen ehemaligen Soldaten Drogenabhängige machten. Heutzutage hat der Drogenkonsum aber auch soziale Wurzeln. Mehr als ein Viertel der jungen Leute finden aufgrund der maroden Wirtschaftslage – vor allem verursacht durch die Sanktionen des Westens auf die Öl- und Finanzwirtschaft – keine Arbeit. Diese Macht- und Perspektivlosigkeit in der Gesellschaft führt dazu, dass sich die Menschen zunehmend in die Welt des Rausches fliehen, denn nur so können sie den tristen Alltag um sich herum vergessen. Und die geographische Nähe des Irans zu Afghanistan, dem größten Opium-Erzeuger weltweit, sorgt dafür, dass das Land mit billigem Stoff überschwemmt wird; in wohl keinem anderen Land der Welt ist es so einfach und so billig an Drogen zu kommen.1

Auch die Regierung in Teheran scheint endlich das Problem erkannt zu haben und machte 2010 eine Kehrtwende in ihrer repressiven Drogenpolitik. Im Zuge der Reformen gelten Drogenabhängige nun nicht mehr als Kriminelle, sondern als Kranke. Statt wie früher Geld- oder Prügelstrafen, droht ihnen heute nur noch eine Therapie in Einrichtungen, die auf die Behandlung von Abhängigen spezialisiert sind. Zudem gibt es seit einiger Zeit in vielen großen Städten Methadonprogramme und Fixerstuben. Auch der neue Präsident Hassan Rouhani will sich in Zukunft vermehrt um die Suchtkranken kümmern und verspricht hierfür in seiner Bürgerrechts-Charta besseren Zugang zu therapeutischen Einrichtungen, mehr medizinische Beratung sowie Unterstützung für die Familien der Süchtigen. Gegen Drogenschmuggel und –handel wird allerdings weiterhin rigoros vorgegangen: Schmugglern droht immer noch die Todesstrafe. Allein im Januar 2014 wurden 18 Iraner für Drogendelikte gehängt. Auch kommt es immer wieder zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Drogendealern in den Grenzgebieten, bei denen in den letzten Jahren mehrere tausend Menschen getötet wurden. Diese Vorgehensweisen sind allerdings mehr als fragwürdig: In vielen Fällen bleibt die Identität der Hingerichteten geheim oder es ist nicht eindeutig bewiesen, dass es sich bei den Verurteilen wirklich um Schmuggler und Dealer handelt. Menschenrechtsorganisationen berichten sogar davon, dass in einigen Fällen auch Abhängige zum Tode verurteilt wurden.2

Dieser Kampf gegen Drogenkriminalität wird durch das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechenskriminalität (UNODC) mit mehreren Millionen Euro jährlich unterstützt. Gerade der Iran, als das wichtigste Transitland für den Transport von Heroin und Opiaten aus der Region in Richtung Balkan und Europa, ist unverzichtbar bei der Sicherstellung von Drogen; denn jede Tonne, die im Iran beschlagnahmt und vernichtet wird, landet nicht in Europa. Wohl deshalb drücken die Staaten im Westen ein Auge zu, wie der Iran mit seinen Schmugglern und Dealern umgeht. 3 Lediglich Dänemark und Irland haben aufgrund dieser Praktiken 2013 ihre Zahlungen an das Iran-Programm des UNODC eingestellt. Auch die anderen Länder und vor allem der Iran selbst müssen endlich einsehen, dass solch drakonische Maßnahmen allein nicht ausreichen um das Drogenproblem in den Griff zu bekommen. Solange sich nicht die Gesellschaft mit all ihren Zwängen öffnet und sich die Lebensumstände vor allem für die jüngeren Menschen ändern, bleibt die Nachfrage nach Drogen weiterhin enorm hoch und der Konsum wird weiter ansteigen – ganz egal wie viele Tonnen Rauschgift sichergestellt und wie viele Menschen noch hingerichtet werden.

  1. Weltsichten: Drogensucht im islamischen Staat (Zuletzt aufgerufen am 21.02.2014) []
  2. Tagesschau: Heroin im Iran. Flucht in den Rausch – Seite nicht mehr aufrufbar []
  3. Tagesschau: Drogenproblem im Iran größer als zugegeben. ein Land im Rausch, ein Volk auf Dröhnung – Seite nicht mehr aufrufbar []

Über nicole / earthlink

Ich bin 20 Jahre alt und studiere derzeit Politik- und Kommunikationswissenschaften hier in München. Das Praktikum bei earthlink mache ich, um Erfahrungen im Bereich der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit zu sammeln.
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