Los Zetas: Neun Mitglieder für Blutbad verurteilt

Bild: © Rigostar - Wikimedia Commons

Am 25. Mai 2011 fand im Departamento Petén in Guatemala ein grausames Blutvergießen statt. 27 Landarbeiter des Drogenhändlers Otto Salguero, darunter auch zwei Frauen und drei Jugendliche1, wurden nicht nur hingerichtet, sondern geradezu zerstückelt. Aufgrund der vielen Leichenteile schätzten erste Ermittler am Tatort die Anzahl der Toten zunächst sogar auf 29.2

Die Tat war ein Racheakt an Otto Salguero. Neun Mitglieder des Drogenkartells Los Zetas überfielen Salgueros Finca Los Cocos1, da ihm vorgeworfen wurde, dem Zeta-Kartell Drogen und Geld gestohlen zu haben. Als Salguero nicht anwesend war, ermordeten die neun Mitglieder des Kartells 27 seiner Landarbeiter und setzten mit einem blutigen Schriftzug an eine Hauswand ein Zeichen: „Otto Salguero, Bastard, wir finden dich und dir wird das Gleiche geschehen.“3

Nach fast drei Jahren wurden diese neun Bandenmitglieder jetzt gefasst. Von einem guatemaltekischen Gericht wurden sie zu Freiheitsstrafen zwischen 106 und 114 Jahren verurteilt, laut staatlichem Recht müssen jedoch nur maximal 50 Jahre abgesessen werden. Die drei mexikanischen Verurteilten unter ihnen wurden inzwischen in ihren Heimatstaat abgeschoben.3

 

Die Tätigkeiten des mexikanischen Zeta-Kartells weiteten sich in der Vergangenheit immer weiter von Mexiko in Richtung Süden aus: Betroffene Länder sind Honduras, El Salvador und eben auch Guatemala.4 Das Land fungiert als Transitstaat für Drogen, die in südlich gelegenen Ländern wie Kolumbien, Peru oder Bolivien hergestellt und gen Norden in die USA geschmuggelt werden. Laut Schätzungen der amerikanischen Regierung nehmen jährlich rund 250-300 Tonnen Kokain diese Route von Südamerika in die Vereinigten Staaten.5 Die Länder Mittelamerikas haben hier in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle eingenommen. 2006 wurden noch etwa 55% der Drogen aus Südamerika direkt nach Mexiko und von dort in die USA transportiert, 2010 sind es nur noch 7%. Stattdessen nehmen die Drogen nun die Route über El Salvador, Honduras und Guatemala.1

Neben der Rolle als Transitstaat gewinnt Guatemala jedoch auch als Produzent an Bedeutung. Während Kolumbien seit 1998 stetig an Bedeutung verlor – die Anbaufläche sank von 7350ha auf 338 ha im Jahr 20116 – wird für Guatemala ein Anstieg der für Mohnanbau genutzten Flächen vermutet. 2009 wurden etwa 1300ha vernichtet, 2010 waren es immerhin über 900ha. Wie viele Flächen darüber hinaus existierten und unentdeckt blieben, ist unbekannt.7 Im Jahr 2011 stieg die Zahl der gerodeten Fläche auf 1500ha, zusätzlich sollen laut Schätzungen etwa weitere 1000ha bebaut gewesen sein, die nicht vernichtet werden konnten.8 Letztes Jahr, so ließ die guatemaltekische Regierung nun verlauten, wurde eine beträchtlich größere Fläche von 2500ha Mohn vernichtet. Wie viele Flächen jedoch tatsächlich für den Mohnanbau genutzt werden, ist weiter unklar. Es wird vermutet, dass sich die Produktion auf dem höchsten Stand seit Anfang der 1990er befindet.5 In Sachen Mohnanbau hat Guatemala Kolumbien inzwischen überholt und gilt in Mittelamerika somit nun als zweitwichtigster Produzent hinter Mexiko.

 

Beherrscht wird das Drogengeschäft in Guatemala zu einem großen Teil vom Drogenkartell „Los Zetas“. Dessen Mitglieder sind oft ehemalige Mitglieder von Spezialeinheiten, Militärs oder Polizisten und für ihre Brutalität bekannt. Immer wieder fordert der Drogenkrieg zahlreiche Opfer, wie auch bei dem eingangs erwähnten Vorfall.9 Die Mordrate in Guatemala ist mit 42 Todesfällen pro 100000 Einwohner jährlich etwa zweieinhalb mal so hoch wie in Mexiko und fast 20% höher als in Kolumbien.1 Es wird vermutet, dass rund 45% dieser Mordfälle mit dem Drogenkampf in Verbindung stehen.5 Korruption innerhalb der Verwaltung und nur spärlich ausgerüstete und ausgebildete Einsatzkräfte machen den Kampf gegen das Drogenkartell nahezu unmöglich.5 Einzelne Erfolge wie die Festnahme der 9 Mörder von Los Cocos sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, die stetige Zunahme der Präsenz von Drogenanbau und –handel in Guatemala lassen einen Kampf gegen die Drogen jedoch eher ausweglos erscheinen.

  1. Guatemala: Drug trafficking and violence. Latin America Report N°39. 11 October 2011 – Abgerufen am 25.02.2104 – Artikel nicht mehr verfügbar [] [] [] []
  2. 20 Minuten, 22.02.2014: Neun Männer zu 900 Jahren Haft verurteilt – Abgerufen am 24.02.2014 []
  3. N24, 23.02.2014: 1000 Jahre Haft für Massaker an Bauern in Guatemala – Abgerufen am 24.02.2014 [] []
  4. Süddeutsche Zeitung, 04.06.2013: Im blutigen Viereck – Abgerufen am 24.02.2014 []
  5. InSightCrime: Guatemala – Abgerufen am 24.02.2014 [] [] [] []
  6. World Drug Report 2013 []
  7. InSightCrime, 21.03.2011: Guatemala poppy production up: by how much? – Abgerufen am 25.02.2014 []
  8. InSightCrime, 03.02.2014: Guatemala poppy eradication campaign takes on rising cultivation – Abgerufen am 25.02.2014 []
  9. N24, 23.02.2014: 1000 Jahre Haft für Massaker an Bauern in Guatemala – Abgerufen am 24.02.2014 []

Über miriam / earthlink

Ich bin 21 Jahre alt und studiere B.Sc. Geographie und B.A. Geographische Entwicklungsforschung Afrikas an der Uni Bayreuth. Im Rahmen eines achtwöchigen Praktikums hier bei Earthlink möchte ich nun erste praktische Erfahrungen im Bereich der Entwicklungspolitik sammeln.
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