Statt Drogen jetzt Rohstoffe – Mexikanische Kartelle satteln um

Geld, Geldwäsche

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Vergangenen Montag gelang der mexikanischen Polizei ein etwas anderer Fund am größten Hafen des Landes: Die Einsatzkräfte stellten knapp 200 000 Tonnen des Rohstoffs Eisenerz und zusätzlich 124 Teilstücke schwerer Arbeitsmaschinen sicher. Dem Anschein nach sollte die Ware über den Hafen Lázaro Cárdenas nach China geschifft und dort an ein Bauunternehmen weitergeleitet werden.1

Ungewöhnlicher als die beschlagnahmte Ware wirkt der Verdacht der Behörden: Zuletzt soll das Drogenkartell „Caballeros Templarios“ (Tempelritter) über zahlreiche Minen im Bundesstaat Michoacán verfügt haben und hinter dem gescheiterten Schmuggelversuch stecken.2 Der Regierung zufolge soll der Handel mit Eisen, besonders nach China, dem Kartell inzwischen mehr Geld einbringen als der mit den Drogen. In der boomenden chinesischen Baubranche besteht eine große Nachfrage nach dem illegal geförderten Erz aus Mexiko – und die Abnehmer sind nicht geizig beim Kauf: Im Gegenzug für das Eisen liefern sie dem Kartell Ephedrin, das zur Herstellung von synthetischen Drogen benötigt wird.3

Nach Ansicht von Experten haben sich mexikanische (Drogen-)Kartelle schon vor langem von ihrem traditionellen Geschäft distanziert und mischen bereits in ganz anderen Bereichen mit: Menschen-, Organ- und Rohstoffhandel. Die gehandelte Ware ist eher nebensächlich. Viel mehr wächst die Bedeutung der kontrollierten Transportwege und stellt den Ausdruck „Drogenmafia“ in ein ganz neues Licht. Im Grunde ähneln die Kartelle vielmehr kriminellen Logistikunternehmen wie Amazon, das, anfangs als Online-Buchhandel, nun über ein weltumspannendes Netz Produkte aller Art vertreibt, so die Huffington Post.2

Doch was ist die Ursache für diesen Wandel? Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass allein ein Krieg zwischen Regierung und Kartellen existiere, denn ganz im Gegenteil gehen viele der Auseinandersetzungen auf die Konten der rivalisierenden Drogenbanden. Neben den sieben großen Kartellen existieren zahlreiche kleinere Gruppen, die alle um die Vorherrschaft im Drogenhandel konkurrieren. In den vergangenen Jahren kletterte das Sinaloa-Kartell immer höher an die Spitze der Drogenhierarchie und kontrolliert nun den größten Anteil des illegalen Handels ins Ausland. Doch anstatt sich den Sinaloa-Bossen zu fügen oder ihre Vorherrschaft anzufechten, suchten sich die Tempelritter einen alternativen Weg: Eine neue, noch nicht bekannte Einnahmequelle musste her – in ihrem Fall der Handel mit Eisenerz.3 Ebenso ist aber auch das Sinaloa-Kartell dafür bekannt, seine Geschäfte auszuweiten: In über 50 Ländern soll das Kartell inzwischen im illegalen Handel mitmischen. Anfang Januar berichteten wir über die weltweiten Diebstähle und den anschließenden Verkauf teurer Smartphones, die alle auf das Konto des Sinaloa-Kartells gingen.4

„Die Globalisierung hat auch die organisierte Kriminalität erfasst“, sagte der Politikwissenschaftler Stefan Jost, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Mexiko, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Denn Fakt ist, dass die Kartelle ihre Geschäfte in den letzten Jahren kontinuierlich diversifizierten, ob lebensnotwendig oder nicht. Zusätzlich zu ihren alljährlichen Milliardengewinnen mit den Drogen, dienen ihnen die neuen Einnahmequellen nun für zusätzlichen Profit, den sie wiederum in legale Institutionen investieren.

Laut dem Wirtschaftswissenschaftler Rodrigo Canales von der US-Universität Yale müsse man die Kartelle inzwischen als Unternehmen ansehen. Ebenso wie internationale Großkonzerne sind sie kontinuierlich auf der Suche nach innovativen Geschäftszweigen, die sich in ihre kriminellen Machenschaften einfügen lassen. Mexikos Kartelle sind auf dem Weg die Mafia 2.0 zu werden.2

Infolgedessen gesellt sich ein weiterer Aspekt zur Debatte um die Wirksamkeit des Drogenkriegs. Denn auch wenn der Drogenhandel, die -Kriminalität und der -Konsum durch die repressive Politik ein Ende fänden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass das organisierte Verbrechen von der Bildfläche verschwinden würde. Vielmehr wäre zu erwarten, dass sie ihrem traditionellen Geschäft mit den Drogen Adieu sagen und endgültig auf andere Wirtschaftszweige umsatteln würden. Sozusagen vom „Drogenkartell“ zum „Rohstoff-“ oder „Organkartell“. Die Voraussetzungen wären vorhanden: seit Jahren gepflegte Transportrouten, internationaler Einfluss, personelle Kapazitäten sowie die bereits ausgebauten und zusätzlichen Geschäftszweige. Eine bloße Behauptung oder eine wahre Zukunftsprognose?

  1. Time: Mexico Cracks Down on Cartel Smuggling Iron Ore to China – aufgerufen am 11.03.14 []
  2. Huffington Post: Mexikos Drogenkartelle sind gewissermaßen die Mafia 2.0 – aufgerufen am 11.03.14 [] [] []
  3. The Economist: Why Mexican drug-traffickers started smuggling iron ore to China – aufgerufen am 11.03.14 [] []
  4. DrogenMachtWeltSchmerz: Neu erhältlich: gestohlene Smartphones beim Drogendealer! – aufgerufen am 12.03.14 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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