Statt Handtaschen Drogen im Paket

Bild: © ishareJapan - morgueFile

In Sachen Drogen ist die japanische Regierung dafür bekannt, keine Späße zu machen. Bei Besitz, Handel sowie Konsum von Drogen laufen Bürger, aber auch Nicht-Einheimische, Gefahr, zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt zu werden. Laut dem Auswärtigen Amt und der Deutschen Botschaft in Tokio drohen bis zu zehn Jahre Haft – und dabei werden, anders als bei uns, keine Unterscheidungen zwischen „harten“ und „weichen“ Drogen sowie der beschlagnahmten Menge des Rauschmittels getroffen.123

Obgleich der repressiven Drogenpolitik scheitert der Staat ebenso wie andere strikte Regierungen der Welt. Der illegale Handel lässt sich nicht besiegen. Seit Jahrhunderten formieren sich in Japan stets neu aufkommende Gruppen, die alle unter dem Oberbegriff „Yakuza“, gewalttätige Gruppen, oder international als „japanische Mafia“ zusammengefasst werden.4 Mit rund 25.000 Mitgliedern steht die Yamagushi-Gumi-Organisation an der Spitze des organisierten Verbrechens. Die Gruppe entstand vor Beginn des zweiten Weltkriegs und verdient jedes Jahr Milliardensummen durch Erpressung, Drogenhandel, Waffenschmuggel und Internet-Pornografie.5

Trotz der erhöhten Zollsicherheit stieg der Drogenhandel, besonders in der Luftfahrt, in den letzten Jahren enorm an, so UNODC. 2011 wurden 185 Fälle von Methamphetamin-Schmuggel festgestellt – die höchste Zahl an Vorkommnissen in den beiden letzten Jahrzehnten.6 Vergangenes Jahr wurden an einem Strand in der Nähe der Hauptstadt insgesamt 120 Kilo Kokain an die Küste gespült.7 Die Behörden beschuldigten inländische aber auch ausländische Drogenbanden.6

Ende Februar gelang es der japanischen Polizei einen Drogenring in Tokio zu sprengen, der via Online-Shop das Vertrauen weiblicher Nutzerinnen missbrauchte. Ihre Masche scheint so umständlich wie absurd zugleich: Die Drogenschmuggler machten Identitäten unzähliger Online-Käuferinnen von Handtaschen aus und schickten ihnen vor Ankommen ihrer eigentlichen Bestellung ein identisch aussehendes Paket – anbei ein Entschuldigungsschreiben. Es handle sich um eine falsche Lieferung und die Kundin würde höflich gebeten das Paket nicht zu öffnen, aber an eine andere Adresse weiterzuleiten. Natürlich ging das Paket nicht an andere Taschenkunden, sondern viel mehr an Klienten der Drogenschmuggler, die in dem Paket ihre bestellte Menge an Cannabis erhielten. Nebenbei spielte es den Drogenschmugglern zu, dass die Handtaschen-Kundinnen einige Tage nach dem falschen Paket ihre tatsächliche Ware erhielten und deshalb keinen Verdacht schöpften. Erst nachdem ein Paket bei der Zulieferung Aufsehen erregte und dessen Inhalt entlarvt werden konnte, kamen die Behörden durch Befragungen der betroffenen Frauen auf die Masche der Schmuggler. Man überprüfte die Entschuldigungsnachrichten, verfolgte die Pakete zurück und nahm drei Männer in Gewahrsam. Laut Behörden sollen diese Pakete nicht nur innerhalb Japans verschickt worden sein, sondern auch aus den USA stammen.8

Infolgedessen erscheint die Drogenpolitik Japans und ebenso die strikte Bekämpfung allen Kontakts zu Rauschmitteln in einem irrwitzigen Licht. Denn obwohl sich der Staat jedes Jahr aufs neue bemüht, den Handel zu unterbinden, gelingt es den Schmugglern immer wieder aufs Neue Hintertüren in der Durchsetzung auszumachen –  und sei es auch das Ausgeben von Handtaschenlieferanten…

  1. Auswärtiges Amt: Strafrechtliche Ahndung von Drogendelikten in Japan – aufgerufen am 03.03.14 []
  2. Big in Japan: Drogen in Japan – keine halben Sachen – aufgerufen am 03.03.14 []
  3. Drug Laws in Japan – nicht mehr verfügbar []
  4. Wikipedia: Yakuza – aufgerufen am 03.03.14 []
  5. Die 5 größten Mafia-Organisationen der Welt – aufgerufen am 03.03.14 []
  6. UNODC: Japan – aufgerufen am 03.03.14 [] []
  7. FAZ: Kiloweise Kokain am Strand angespült – aufgerufen am 03.03.14 []
  8. South China Morning Post: ASIA: Japanese drug smugglers use online shoppers as mules – aufgerufen am 03.03.14 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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