Bekämpfung des Drogenschmuggels in Brasilien – Eine Imageaufwertung vor der WM

Bild: © Claus Bunks - Wikimedia Commons

Am 12. Juni beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien, 2016 folgen die Olympischen Sommerspiele – und der Staat versucht nun mit Hochdruck, die Drogenproblematik im Land einzudämmen und das Image des südamerikanischen Landes aufzuwerten.

Erst letzte Woche marschierten wieder sogenannte Befriedungstruppen in eine Favela ein. Solche Einsätze begannen bereits 2008, als Brasilien die Zusage für die Weltmeisterschaft erhielt.1 Ziel dieser Interventionen ist es, die Drogengangs aus den Favelas zu vertreiben und die lokale Ordnung wiederherzustellen.2 So sollte es jetzt auch in Rio de Janeiro, wo am 13.Juli 2014 das große Finale stattfinden wird, in der Favela Mare passieren. Sie gilt als das gefährlichste Drogenschmuggelviertel der Stadt. Innerhalb von nur 15 Minuten schien die Favela unter der Kontrolle der Befriedungsoffiziere zu sein: Bis am Abend Unruhen auftraten und ein Schusswechsel zwischen rivalisierenden Gruppen aufkam, wobei ein 15-jähriger sein Leben verlor. Die seit Jahren durchgeführten Einsätze der Befriedungstruppen scheinen also nur bedingt erfolgreich zu sein.3

So versucht die Regierung auch, den Drogenschmuggel direkt an den Grenzen zu bekämpfen. Die meist konsumierten Drogen in Brasilien sind Kokain und sein Derivat Crack. Die Drogen werden hauptsächlich aus dem benachbarten Bolivien importiert, mit dem Brasilien sich eine rund 3.420km lange Grenze teilt. Diese verläuft größtenteils entlang des Rio Itenez, was die Eindämmung des Drogenschmuggels für die Regierung erheblich erschwert. Denn neben dem Transport der Drogen via Kleinflugzeug überquert ein Großteil der Drogen die Grenze per Schiff. Da sich rund alle 100m ein Hafen oder eine Anlegestelle befindet, ist eine durchgehende Kontrolle unmöglich. Oft werden die Drogen nachts auf kleinen Kanus transportiert, die nahezu unbemerkt agieren können.4 Um dem Drogenschmuggel dennoch so gut wie möglich zu begegnen, beorderte die Präsidentin Dilma Rousseff tausende von Soldaten an die Grenze und stockte das Kontingent an Grenzoffizieren auf. Zusätzlich sollen Drohnen eingesetzt werden, welche die Überwachung schwer zugänglicher Gebiete erleichtern sollen. Die neuen Vorkehrungen kosten den Staat mehrere Mrd. Dollar, werden jedoch als sinnvolle Investition gesehen, da sie das Image des Staates im Vorfeld der sportlichen Großevents aufpolieren sollen.4

Eine langfristige Bekämpfung ist wichtig, denn in den letzten Jahren ist der Kokainschmuggel nach Brasilien angestiegen. Die Produzenten in Bolivien suchen nach neuen Absatzmärkten, denn in den USA, wohin die Drogen bisher geschmuggelt wurden, sinkt die Nachfrage. In Brasilien dagegen gibt es derzeit zwischen 1 und 2 Mio. Kokainkonsumenten. „People [in Brazil] buy more cocaine than they did two, three or five years back. So business is always growing. It’s quite profitable”, so Jonas Marques, brasilianischer Grenzoffizier.4

Und erst vor kurzem zeigte die neue Strategie der Regierung auch Erfolg: Fast 4t Kokain wurden von brasilianischen Polizisten sichergestellt. Bei dem Einsatz am Hafen von Santos, dem größten Hafen Brasiliens und nach Warenumschlag auch bedeutendster Hafen ganz Lateinamerikas5, konnten neben der Sicherstellung des Kokains 23 Verdächtige festgenommen werden. Außerdem wurden 230.000€ Bargeld, 10 Fahrzeuge, 1 Boot und 21 Handfeuerwaffen beschlagnahmt.6

Um die Drogen zu schmuggeln, wurden diese in Rucksäcke gepackt und sollten in Containern nach Europa, Afrika und Kuba verschifft werden. Um das Kokain anschließend unbemerkt an Bord der Schiffe zu schmuggeln, wurden die Sicherheitssiegel der Container aufgebrochen und nach dem Verstecken der Kokainrucksäcke in den Containern mit neuen, gefälschten Siegeln ersetzt. Die Verantwortlichen des Hafens und des Schifffahrtsunternehmens wussten nach Angabe der brasilianischen Polizei nichts über die illegalen Machenschaften auf ihrem Gelände, es sei aber möglich, dass einige Beamte in den Schmuggel involviert waren.6

Die Ermittlungen, die zu der Festnahme führten, liefen bereits seit dem Vorjahr. Dabei wurden insbesondere zwei Drogengangs in den Fokus genommen. Die Operation Hulk beschäftigte sich mit einer Gruppe in Sao Paulo, welche die Drogen in Bolivien kauft und über die Grenze zu Paraguay nach Brasilien schmuggelt. Die Operation Oversea beschäftigte sich mit einer Gruppe, die sich auf den Schmuggel über den Seeweg, insbesondere vom Hafen in Santos, spezialisiert hat.6

Die Bemühungen der brasilianischen Regierung sind also groß. Fraglich ist nur, inwieweit diese Symptombekämpfung dem Schmuggel tatsächlich anhaben kann, und natürlich, wie die Bekämpfung nach den Olympischen Spielen 2016 weiter gehen wird, wenn der Staat nicht mehr dem ständigen Interesse der globalen Öffentlichkeit ausgesetzt ist.

  1. BBC News, 30.03.2014: Brazil forces occupy favela ahead of World Cup; Aufgerufen am 03.04.2014 []
  2. Regalado, Antonio (2012): Brasilien: Viva Rio! Nicht mehr verfügbar []
  3. BBC News, 30.03.2014: Brazil forces occupy favela ahead of World Cup; Aufgerufen am 03.04.2014 []
  4. The Washington Post, 25.01.2014: Brazil tries to fight cocaine trafficking at huge, porous borders; Aufgerufen am 03.04.2014 [] [] []
  5. Wikipedia: Hafen von Santos; Aufgerufen am 03.04.2014 []
  6. Latin America Herald Tribune, 31.03.2014: Almost 4 tons of cocaine seized in Brazil; Aufgerufen am 03.04.2014 [] [] []

Über miriam / earthlink

Ich bin 21 Jahre alt und studiere B.Sc. Geographie und B.A. Geographische Entwicklungsforschung Afrikas an der Uni Bayreuth. Im Rahmen eines achtwöchigen Praktikums hier bei Earthlink möchte ich nun erste praktische Erfahrungen im Bereich der Entwicklungspolitik sammeln.
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