50 Jahre Bürgerkrieg in Kolumbien: Ein Überblick – Teil 1

FARC-Rebellen im kolumbianischen Dschungel. | Bild: © Institute for National Strategic Studies - Wikimedia Commons

„Gegen den Imperialismus. Für das Vaterland. Gegen die Oligarchie. Für das Volk. Bis zum Sieg. Wir sind die FARC.“1 – die Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, im Deutschen die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens,2 und die wohl größte und älteste Guerillabewegung des Landes.3 Seit über 50 Jahren stehen sie nun im Konflikt mit der kolumbianischen Regierung und liefern sich mit ihr „eine[n] der blutigsten [Kriege] in der gegenwärtigen Geschichte Lateinamerikas“, so eine Historikergruppe des Nationalen Zentrums der Historischen Erinnerung (CMH). Seit 1958 soll er mindestens 220.000 Menschen das Leben gekostet haben, 5,7 Millionen sollen vertrieben und mehr als 27.000 entführt worden sein.4

Der Ursprung der FARC reicht weit in die Vergangenheit zurück und entstand aus der Unzufriedenheit unterdrückter kolumbianischer Bürger. Angefangen im lateinamerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1809 bis hin zu zahlreichen Aufständen entwickelte sich neben der amtierenden Regierung immer stärker eine oppositionelle Bewegung. Meist waren es Bauern, die unter den Repressionen der Regierung litten, sich kommunistisch orientierten5 und gegen die Ungerechtigkeiten, wie beispielsweise Landverteilung aufbegehrten.6 Mitte des 20. Jahrhunderts fanden die Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Aufständischen ihren Höhepunkt: Im zehnjährigen Bürgerkrieg von 1948-53, der heute als „La Violencia“ (Die Gewalt) bekannt ist, kämpften die beiden Parteien bis aufs Blut – letztendlich endete es in einem grausamen Blutbad und kostete rund 250.000 Menschen das Leben.7 Zu dieser Zeit kam zum allerersten Mal der Begriff FARC auf. Als Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) erklärten sie der kolumbianischen Regierung den Krieg und festigten ihr kommunistisch geprägtes Weltbild.5 Schnell erhielt die Guerillagruppe Zuwachs und manifestierte sich immer stärker zu einem ernstzunehmenden Gegner der Regierung.8 Sie kämpfte gegen die soziale Ungerechtigkeit, die Gewalt gegen Millionen von Menschen, die niemals zu den Waffen gegriffen hatten und die politische Gleichgültigkeit, mit der die ärmere Bevölkerung behandelt worden war.6 Die Motive der FARC durchliefen in den letzten Jahren allerdings einen gewaltigen Wandel. Während sich die Gruppe früher ausschließlich aus marxistisch-lenistischen Anhängern zusammensetzte und rechtelose Kleinbauern in ihrem Kampf um Land und Zukunft unterstützte,8 wendeten sie sich immer mehr von diesen Zielen ab. Das bedeutete aber nicht, dass die FARC nicht zahlenmäßig wuchs – nein, ganz im Gegenteil erhielten sie weiterhin Zuspruch in der Bevölkerung. In den Anfangsjahren traten meist Bauern und Lehrer der Guerilla-Gruppe bei. Inzwischen sind es hauptsächlich Studenten.9

Die FARC entstand aus einer Widerstandsbewegung, die ehrenwerte Ziele verfolgte, um soziale Missstände zu bereinigen.8 Nichtsdestotrotz lässt sich nicht leugnen, dass sie keine Mittel und Wege scheuten, ihre politischen Ziele umzusetzen – ungeachtet davon, ob Menschen zu Schaden gekommen waren. Über die Jahre hinweg sollen sie tausende Kinder zwangsrekrutiert, Zivilisten getötet, Landminen verlegt und bekanntermaßen unzählige Personen verschleppt haben. Zum einen um Druck auszuüben, zum anderen, um beispielsweise durch Entführungen Geld zu machen.10 Aus diesem Grund ist die FARC auch seit 1980 im Drogengeschäft verwickelt. Anfangs stand sie nur in Kontakt mit kolumbianischen Drogenkartellen und stellte ihnen Transportmittel, Lager und Sicherheitsdienste zur Verfügung. Im Gegenzug erhielten sie von den Kartellen Waffen, Geld und Söldner. Später, Ende der 1990er Jahre, als die vorherrschenden Kartelle an Macht verloren, verstärkte die FARC ihren Einfluss auf die von ihnen kontrollierten Anbau-Gebiete und übernahm die Kontrolle über die Produktion. Laut Regierung soll die Gruppe auch eigene Drogen-Laboratorien besitzen und vielen Koka-Bauern regelmäßig eine Steuer abverlangen. Zudem soll die FARC schon seit langem engen Kontakt zu ausländischen und internationalen Drogenkartellen pflegen und schon längst ein großer Fisch im Drogengeschäft sein.9 Über die Jahre hinweg entwickelte sich die Herstellung und der Handel von Drogen zur Haupteinnahmequelle der Guerilla-Gruppe.11

Im nächsten Teil unserer FARC-Reihe werdet ihr mehr über die Motive der Guerilla sowie der Regierung erfahren und welche Zukunftschancen die derzeitigen Friedensverhandlungen vor dem geschichtlichen Hintergrund haben.

  1. Discovery: Fuga de las FARC – nicht mehr verfügbar []
  2. FAZ, 17.05.14: Kolumbien: Farc und Regierung gemeinsam gegen Drogen – aufgerufen am 23.05.14 []
  3. Tagesschau, 17.05.14: Abkommen im Kampf gegen Drogen – Artikel nicht mehr verfügbar []
  4. TAZ, 25.07.13: Bürgerkrieg in Kolumbien: Bilanz des Grauens – aufgerufen am 23.05.14 []
  5. Der Freitag, 09.04.14: Kolumbien: Landraub und Bürgerkrieg – aufgerufen am 23.05.14 [] []
  6. Wieserhoisl: Kolumbien wird keinen Frieden finden, so lange das Problem mit der Landverteilung nicht gelöst ist – aufgerufen am 23.05.14 [] []
  7. Lateinamerika Nachrichten, Nummer 286 – April 1998: Die etwas andere Geschichte der Guerillas in Kolumbien – aufgerufen am 23.05.14 []
  8. Welt, 18.10.12: Das jahrelange Warten auf Lebenszeichen der Geiseln – aufgerufen am 23.05.14 [] [] []
  9. Globalisierung Fakten: FARC –  aufgerufen am 23.05.14 [] []
  10. Der Tagesspiegel, 04.04.12: Das prominente Opfer: Ingrid Betancourt – aufgerufen am 23.05.14 []
  11. Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 17.05.14: Kolumbien: FARC-Rebellen wollen Drogenanbau beenden – aufgerufen am 23.05.14 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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