Illegale Einwanderer werden zum Drogenanbau gezwungen

Bild: © Andreblais - Dreamstime

Hoa wurde ein besseres Leben versprochen – mit mehr Geld, Sicherheit und einem geregelten Job. Jetzt sitzt die betagte Vietnamesin in einem Gefängnis in Irland und muss sich bald vor Gericht verantworten. 2012 wurde sie mit falschen Versprechungen aus ihrem kleinen Dorf in Vietnam gelockt und anschließend nach Irland gebracht. Dort erwartete sie aber etwas ganz anderes als das versprochene „schöne Leben“. Eingesperrt und mit wenig Essen musste sie in der Nähe von Dublin in einem Haus Marihuana züchten.

Laut diverser Menschenrechtsorganisationen ist Hoa nur eine von 100 illegalen Einwanderern in Großbritannien und Irland, die von Drogenbanden angelockt, verschleppt und zur Arbeit gezwungen werden. „Wir sprechen hier nicht von Individuen oder Einzelfällen, wir sprechen von einem systematischem Problem“, so die Koordinatorin von Anti-Slavery International, Klara Skrivankova.1

Menschenhandel, besonders im Zusammenhang mit Drogen, ist sehr schwer nachzuverfolgen. Außer ein paar Berichten verschiedener NGOs und Nachrichtenagenturen existieren kaum verwertbare Daten. Nach einer Schätzung der Serious Organized Crime Agency in Großbritannien stieg „die Zahl der […] Opfer, die für den Cannabis-Anbau entführt wurden, von 2011 bis 2012  [um] bis zu 130 Prozent.“ Die irische Behörde zählte vergangenes Jahr 69 Fälle des Menschenhandels im Zusammenhang mit der Marihuana-Industrie; auffällig ist hierbei, dass die meisten Opfer vietnamesischer Herkunft waren. 80 Prozent von ihnen waren Kinder.

„Inzwischen ist es auch ein europaweites Problem“, urteilte Klara Skrivankova. Denn nicht nur in Irland, sondern in ganz Europa, finden Polizeikräfte bei Razzien illegale Einwanderer vor, die zu erbärmlichen Verhältnissen in umfunktionierten Häusern leben und Cannabis anbauen müssen. (( Trust, 29.04.14: Rights activists say Vietnamese trafficking victims forced to grow marijuana in Europe – aufgerufen am 02.05.14 ))  In Deutschland ist ein ähnlicher Fall bekannt: 2013 gelang es der Aachener Polizei eine Drogenbande hochzunehmen, die im großen Stil Kokain aus Südamerika über die Niederlande nach Deutschland geschmuggelt hatte. Bei der Polizei war sie allerdings für etwas ganz anderes bekannt. Sie soll mehrere Ausländer illegal nach Deutschland geschleust haben, um sie anschließend als Drogenkuriere zu missbrauchen.2

Wie geht man mit solchen Menschen um? Wie findet man heraus, ob die Person zum Anbau des Cannabis gezwungen wurde oder ob sie die Aufgabe freiwillig annahm? Was zählt als Menschenhandel und was als illegale Einwanderung? Meist wird der einfachste Weg gewählt: die Menschen werden verhaftet und wegen Drogenbaus vor Gericht gestellt. Lediglich ein kleiner Teil wird nicht als Straftäter behandelt, sondern als Opfer. „Auch wenn die Polizei im Umgang mit Menschenhandel trainiert ist, ist sie am Tatort unfähig, die Opfer zu erkennen“, erklärt ein Mitglied der Thomas Reuters Stiftung.1

Nach Drogen und Waffen ist der Handel mit Menschen einer der lukrativsten Geschäftszweige überhaupt.3 Die ILO schätzt die alljährlichen Gewinne auf über 32 Milliarden US-Dollar. Mehr als die Hälfte aller Opfer stammen aus dem südostasiatischen Raum. Laos, Kambodscha, Thailand und Vietnam sind besonders davon betroffen, da in diesen Regionen viele Menschen unter Armut und Perspektivlosigkeit leiden und somit äußerst anfällig für die Versprechungen der Menschenhändler sind. Laut der ILO waren im Jahr 2005 acht verschiedene kriminelle Organisationen in den Menschenhandel involviert.4 Inzwischen sind es einige mehr. Besonders Drogenkartelle entfernen sich immer mehr von ihrem klassischen Aktionsgebiet und weichen auf andere Geschäftszweige aus. Die Drogenkartelle gleichen schon seit längerem mehr einem Logistikunternehmen, bei dem nicht die Ware, sondern der Transportweg von Bedeutung ist. Im Fall von Hao und den anderen vietnamesischen Mirgranten gelang es dem organisierten Verbrechen zwei Geschäftszweige zu vereinen: Zum einen den Handel billiger Arbeitskräfte, die unfreiwillig in das Land geschafft werden, und zum anderen der Anbau des profitablen Cannabis.5

  1. Trust, 29.04.14: Rights activists say Vietnamese trafficking victims forced to grow marijuana in Europe – aufgerufen am 02.05.14 [] []
  2. Aachener Zeitung, 24.10.13: Drogen- und Menschenhandel: Elf Personen festgenommen – aufgerufen am 02.05.14 []
  3. The Guardian, 04.07.13: Central America: Drug Cartels Trafficking People – aufgerufen am 02.05.14 []
  4. Reset: Handelsware Mensch – Menschenhandel im 21. Jahrhundert – aufgerufen am 02.05.14 []
  5. DrogenMachtWeltSchmerz, 07.04.14: Drogenkartelle bald Limettenkartelle? – aufgerufen am 02.05.14 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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