Kolumbianische Regierung will nun auch mit ELN verhandeln

Bild: © Public Domain - Wikimedia Commons

Seit geraumer Zeit führt die kolumbianische Regierung Friedensgespräche mit den FARC-Rebellen, der größten Guerillabewegung des Landes. Nun sollen Verhandlungen mit der ELN beginnen, der zweitgrößten Rebellenbewegung Kolumbiens.

In einem gemeinsamen Statement verkündeten beide Seiten gestern, sie hätten sich auf die ersten wichtigen Verhandlungspunkte geeinigt: die politische bzw. gesellschaftliche Teilhabe der ELN und der Umgang mit den Opfern.1 Die Verhandlungen sollen beginnen, sobald alle Punkte für eine Agenda festgelegt sind.

Diese Ankündigung des amtierenden Präsidenten kommt durchaus überraschend, fünf Tage vor der großen Stichwahl mit seinem rechts-konservativen Gegenkandidaten Iván Zuluaga. Monatelang wurden die Vorgespräche zu den Verhandlungen geiheim gehalten. Angeblich haben sich Unterhändler der Regierung schon seit Januar mit Vertretern der ELN getroffen.2

Kritiker werfen Juan Manuel Santos nun vor, er habe absichtlich diesen Zeitpunkt gewählt, um die letzten Wähler auf seine Seite zu ziehen. Sein Gegner, Zuluaga, kündigte bereits an, jegliche Friedensverhandlungen mit den Guerilla abzubrechen, falls er die Wahl gewinnen würde. „Gespräche würden bedeuten, man gebe den Terroristen nach“, so der Präsidentschaftskandidat. Zuluaga hat im Falle eines Sieges vor, die militärischen Anstrengungen gegen die Rebellen wieder zu forcieren.1

Für den derzeitigen Präsidenten sind die Verhandlungen mit den beiden größten Gruppierungen des Landes essentiell für einen nachhaltigen Frieden: „Ein einheitlicher Friedensprozess, der sowohl die FARC als auch die ELN beinhaltet, ist die beste Garantie für Kolumbien, den Konflikt ein für allemal zu beenden“, so Santos.3

Das von 50 Jahren Bürgerkrieg gebeutelte Kolumbien steht gegenwärtig vor einem historischen Wendepunkt. Die Involvierung der ELN verleiht dem Friedensprozess nun zusätzliches Gewicht und lässt die Chance auf Versöhnung und Entspannung im Land in greifbare Nähe rücken. Mehr als 200.000 Todesopfer und knapp eine Million Vertriebene sind die traurige Bilanz des Jahrzehnte andauernden innenpolitischen Konflikts, seines Zeichens der am längsten währende Südamerikas.

Schwer nachzuvollziehen, dass ein Wahlsieg Zuluagas die sofortige Einstellung der Verhandlungen nach sich ziehen und somit alle vorherigen Bemühungen auf Frieden zunichte machen würde. Bei der Präsidentschaftswahl im Mai lag der Kandidat des Centro Democrático mit knapp vier Prozentpunkten vor Amtsinhaber Santos.4 Die Stichwahl am kommenden Sonntag wird wegweisend für den innenpolitischen Frieden des Landes werden: Gehen die Verhandlungen mit den Rebellen weiter oder holt Kolumbien noch einmal zum vernichtenden militärischen Schlag aus…?

  1. BBC News: Colombia and Rebels from the ELN to hold peace talks – aufgerufen am 11.06.2014 [] []
  2. Zeit Online: Kolumbianische Regierung verhandelt mit ELN-Guerilla – aufgerufen am 11.06.2014 []
  3. euronews: Colombia to begin peace talks with ELN rebels – aufgerufen am 11.06.2014 []
  4. Berner Zeitung: Zuluaga liegt in Kolumbien vorne – aufgerufen am 11.06.2014 []

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