Mekong läuft Gefahr zum Schauplatz des Drogenkriegs zu werden

Bild: © cc-by-2.0 - Wikimedia Commons

Wir schreiben den 5. Oktober 2011, früh am Morgen. Die zwei chinesischen Frachtschiffe Hua Ping und Yu Piang 8 sind nahe der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha auf dem Mekong unterwegs, als ihre Boote plötzlich von acht bewaffneten Männern gestürmt werden, berichten Augenzeugen. Keines der insgesamt 13 Besatzungsmitglieder überlebt den Vorfall. Thailändische Behörden finden die Leichen der Crew im Fluss, manche von ihnen mit den Händen auf dem Rücken gefesselt, einigen von ihnen mit Tape die Augen verbunden und ein paar von ihnen erschossen. An Bord der zwei Schiffe stellt die Polizei knapp 900.000 Amphetaminpillen im Wert von ca. zwei Millionen US-Dollar sicher.1

Es war das bis zu diesem Zeitpunkt schlimmste Ereignis der Neuzeit, bei dem chinesische Staatsbürger außerhalb des eigenen Landes ums Leben kamen. Nachdem der Vorfall in China für landesweite Empörung sorgte, stellte die chinesische Regierung vorübergehend jeglichen Schiffbetrieb auf dem Mekong ein. Gleichzeitig forderte Peking die thailändischen Behörden auf, ihre Anstrengungen zum Schutz des Schiffsverkehrs auf dem Fluss zu verstärken.2

Der Mekong ist einer der größten Flüsse der Welt und die bedeutenste Wasserstraße Südostasiens. Neben seiner Nutzung für den Fischfang und die Energiegewinnung dient er den Ländern, die er durchquert, als wichtiger Handelsweg.3 Aber auch Schmugglerbanden machen sich den Fluss zunutze. Neben Zigaretten, Waffen und Benzin sind es vor allem Opiate und Methamphetamine, die ihren Weg über die weit-verzweigten Flussarme finden.4

Im Herzen des Flussgebiets befindet sich das Goldene Dreieck, bekannt für den Anbau von Schlafmohn und die Produktion von Opiaten, aber mittlerweile sehr bedeutend bei der Herstellung synthetischer Drogen. Als um die Jahrtausendwende die Preise für Opium weltweit sanken, wechselten einige der asiatischen Verbrechersyndikate zum Vertrieb chemischer Substanzen, vorzugsweise Yaba, einer Mischung aus Methamphetaminen und Koffein.5

Der Handel mit illegalen Drogen im südostasiatischen Raum scheint derzeit zu florieren. Chinas wirtschaftlicher Aufschwung und seine somit wachsende Bedeutung als Absatzmarkt spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Aber auch Länder wie Thailand mit seiner neuen Finanzkraft geben dem Drogenhandel zusätzlichen Nährboden.6

Das tragische Ereignis im Oktober 2011 war ein unsanfter Weckruf für die Regierung in Peking, das Drogenproblem ernst zu nehmen und endlich konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Schon damals wurden ersten gemeinsame Flußkontrollen mit Thailand, Laos und Myanmar vereinbart und China übernahm die Federführung.1 Knapp drei Jahre später – eine Besserung des Problems noch nicht in Sicht – möchte die chinesische Regierung die restlichen zwei Mekong-Staaten, Kambodscha und Vietnam, mit ins Boot holen. „Illegale Drogen hemmen unsere Entwicklung und stellen eine ernsthafte Bedrohung für China und unsere Mekong-Nachbarn dar“, so das chinesische Sicherheitsministerium.6

Staaten wie beispielsweise Thailand und Laos begrüßen die Unterstützung aus Peking, denn ihnen fehlen teilweise die Mittel, den gut-organisierten Drogenbanden entlang des Mekongs auf Augenhöhe zu begegnen. Gemeinsame Anstrengungen gegen einen erstarkenden Feind scheinen der richtige Ansatz zu sein. Trotzdem ist Vorsicht geboten, denn Chinas Strategie, mit harter Hand gegen die Drogenbanden vorzugehen, ähnelt der mexikanischen, die zu noch mehr Gegengewalt geführt hat und das Drogenproblem bis dato nicht lösen konnte. Gleichzeitig werden durch die zunehmenden Kooperationen im Rahmen dieser Strategie immer mehr Länder in den Drogenkrieg Chinas hineingezogen.7 Indessen gewinnt das Reich der Mitte im südostasiatischen Raum an politischem Einfluss, eine Entwicklung, die vielleicht von Anfang an so geplant war.

  1. BBC News: Chinese crew killed „by drugs gang“ on Mekong River – aufgerufen am 24.6.14 [] []
  2. Chicago Tribune: Laos extradites suspect to China in Mekong massacre case – aufgerufen am 24.6.14 []
  3. Wikipedia zu Mekong – aufgerufen am 25.06.14 []
  4. South China Morning Post: Mekong River used to traffic drugs to and from Laos to Myanmar – aufgerufen am 25.4.14 []
  5. DVB: China, SE Asian govts pledge renewed support for anti-drug efforts – nicht mehr verfügbar []
  6. bdnews24: Mekong region drug threat  – aufgerufen am 25.3.15 [] []
  7. asia sentinel: Escalating the Mekong War on Drugs – aufgerufen am 24.6.14 []

Über christian / earthlink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen Macht Welt Schmerz, Fluchtgrund
Dieser Beitrag wurde unter Internationales abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.