Fronten des Drogenkrieges

Guatemala grenzt südlich an Mexiko und gilt als Haupttransitstaat des amerikanischen Drogenschmuggels. Begünstigt wird das durch die Lage zwischen wichtigen Produktionsstaaten in Südamerika und den Vereinigten Staaten, einem der weltweit größten Absatzmärkte für illegale Substanzen.

Die militärische Truppenstärke des durch einen lange andauernden Bürgerkrieg in Mitleidenschaft gezogenen Landes, wurde nach Abschluss eines Friedensabkommens 1996 drastisch reduziert.

Wie das Internetangebot Infosur Hoy vermeldet, soll die guatemalische Armee nun insbesondere durch fliegende Waffensysteme eine Wiederaufwertung erfahren. Verfügen doch die Vereinigten Staaten über umfangreiche Mittel, um den unter Präsident Nixon ausgerufenen „War on Drugs“ weiter zu führen. Großer Profiteur ist unter anderem das „Andean Counter Drug Program“.1

Mit einem Trick setzte George W. Bush nach den Anschlägen des 11.09.2001 zusätzliche Mittel für die Auseinandersetzungen mit den Drogenkartellen auf dem lateinamerikanischen Kontinent frei. Offiziell wird der Krieg gegen südamerikanische Rebellen nun auch dem internationalen Krieg gegen den Terrorismus zugerechnet. Dadurch ergeben sich Erleichterungen im Bezug auf die Auslieferung von Drogenkriminellen an die USA und den Einsatz von Militärtribunalen.2

Neben massiver Kritik oder sogar Ausscheren südamerikanischer Staaten wie Bolivien aus der drogenpolitischen Sicherheitsdoktrin der USA, muss sich die amerikanische Regierung mittlerweile vermehrt auch Kritik aus der eigenen Zivilgesellschaft stellen.

Wie eine repräsentative Umfrage ergab, befürwortet eine deutliche Mehrheit der US-Amerikaner eine Abkehr von der restriktiven Drogenpolitik der 90er- und 00er-Jahre, hin zu einem verständnisvolleren Umgang mit Süchtigen. Statt Kriminalisierung fordert man Suchtprävention und -behandlung.3

Forderungen liberaler Meinungsmacher reichen von einem Ende des so ungeliebten wie erfolglosen „War on Drugs“, bis hin zu einer Legalisierung „weicher Drogen“; wie zuletzt gelesen in der New York Times.45

Zeichnet sich die Präsidentschaft Barrack Obamas ohnehin durch eine verstärkte Hinwendung zu innenpolitischen Themen aus, scheint eine Verstärkung suchtpräventiver Maßnahmen im Zuge des Affordable Care Act (ACA) nur logisch. Auch die Behandlung und Nachsorge soll verstärkt von gemeinschaftlichen Mitteln getragen werden.6 Unter Obama genießen die Bundesstaaten auch neue Freiheiten in der Handhabung des Cannabis-Konsums. Bei Legalisierungsbestrebungen des Konsums und Anbaus von Cannabis würden die Bundesbehörden nicht einschreiten, vermeldete das Justizministerium zuletzt. Die Bundesstaaten Washington und Colorado machen von ihren neuen Handlungsspielräumen bereits Gebrauch.7

Neben einer Abkehr von der restriktiven Drogenpolitik seiner Vorgänger wird der Krieg gegen die organisierte Drogenkriminalität auf dem südamerikanischen Kontinent aber vorerst mit unverminderter Härte fortgeführt. Dem militärischen Aufgebot begegnen die Kartelle mit zunehmender Kreativität beim Transport illegaler Drogen. Diese finden nach wie vor besonders auf dem Landweg, zunehmend aber auch zu Luft und zu Wasser statt.

Um die Kontrolle des Luftraums zu verbessern, rüsten nun Guatemala, Brasilien und Bolivien ihre Radarsysteme auf. Man erhofft sich eine größere Reichweite, und detailliertere Informationen über die Flugobjekte. In konzertierten Aktionen will man dem Drogenschmuggel aus der Luft Herr werden.1

Die Leidtragenden finden sich vor allem unter den Schwächsten der lateinamerikanischen Gesellschaft. Ein Mangel an Perspektiven lockt die Jugendlichen in die Drogenkriminalität. Die überforderten und sehr oft korrupten Behörden können Sicherheit letztlich nicht mehr garantieren. Die Gefahr lauert alltäglich auf den Straßen der Metropolen mit den höchsten Mordraten der Welt.8

Ironie? Oder einfach nur Galgenhumor? Das amerikanische Meinungsforschungsinstitut Gallup vermeldete Ende 2012, unter den 10 Staaten mit den zuversichtlichsten Einwohnern befänden sich sieben lateinamerikanische, darunter auch Venezuela, Guatemala und El Salvador. Staaten, die besonders stark vom Drogenkrieg in Mitleidenschaft gezogen werden.9 Vielleicht neigt man zu mehr Gelassenheit, wenn man sich des eigenen Lebens nicht mehr sicher sein kann.

  1. QCostarica: Latin american countries fight drug trafficking from the skies, aufgerufen am 6.8.2015 [] []
  2. Alternet: When „War on Terrorism“ Infrastructure is combined with the „War on Drugs“, nicht mehr verfügbar []
  3. BOTEC Analysis: U.S. opens new chapter in counter-narcotics fight – zuletzt aufgerufen am 31.07.15 – Link nicht mehr verfügbar []
  4. NYT: Repeal Prohibition, Again, aufgerufen am 12.08.2014 []
  5. Earthlink berichtete: NYT wirbt für Legalisierung von Cannabis []
  6. BOTEC Analysis: U.S. opens new chapter in counter-narcotics fight – zuletzt aufgerufen am 31.07.15 – Link nicht mehr verfügbar []
  7. Zeit Online: Drogenpolitik: US-Staaten dürfen Marihuana legalisieren, aufgerufen am 12.08.2014 []
  8. Earthlink berichtete: Themenseite Guatemala []
  9. Gallup: Latin Americans Most Positive in the World, aufgerufen am 12.08.2014 []

Über Philipp Albrecht / earthlink

Student der Politikwissenschaft, Praktikant bei Earthlink.
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