Mexikanische Kartelle stehlen Öl im Milliardenwert

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Mexikos Drogenkartelle scheinen immer mehr Geld mit dem Handel von Rohstoffen zu verdienen. Bisher fielen die Gangs vor allem durch den Schmuggel von Drogen, Entführungen und der Erpressung von Schutzgeld auf. Inzwischen nutzen sie ihre Macht jedoch immer mehr aus, um im großen Stile Pipelines anzuzapfen und das so gewonnene Öl illegal zu verkaufen. Laut Angaben von Pemex, Mexikos staatlichem Mineralölkonzern, wurden allein in diesem Jahr 2.481 illegale Zapfhähne an Pipelines montiert. Dies entspricht einem Anstieg von mehr als 30% gegenüber dem Vorjahr. Dadurch sei ein Schaden von mehr als einer Milliarde US-Dollar entstanden.1

Die Vorgänge stellen eine besorgniserregende Entwicklung für das Land dar, da die Regierung erst im letzten Jahr ein Gesetz verabschiedet hat, um mit den fossilen Brennstoffen des Landes die Wirtschaft anzukurbeln. Demnach sollen private Investitionen im Bereich der Öl- und Gasförderung erlaubt werden. Bisher hatte der staatliche Mineralölkonzern Pemex das alleinige Monopol auf die Förderung der Rohstoffe. Durch die Gesetzesreform erhofft man sich, vor allem durch den Anstieg ausländischer Investitionen, eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums und somit auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze.2

Zwar ist der staatliche Ölkonzern noch immer für ein Drittel der Staatseinnahmen verantwortlich, jedoch ist die Ölförderung in den vergangenen Jahren deutlich zurück gegangen. Viele der bestehenden Anlagen sind veraltet und zudem fehlt es an Technologien und Ressourcen für moderne Förderverfahren. So sollen sich in Mexiko die weltweit sechstgrößten Schiefergasvorkommen befinden. Letzteres kann durch das nicht unumstrittene Fracking gefördert werden, was in den USA derzeit einen großen Boom erlebt und das Land zu einem der größten Erdöl- und Gas Produzenten der Welt gemacht hat.3

Innerhalb Mexikos liegen die größten Schiefergasvorkommen im Bundesstaat Tamaulipas. Genau dort wurden bisher auch die meisten illegalen Zapfhähne an Pipelines montiert. In dem an der Grenze zu den USA gelegenen Bundesstaat sollen die beiden rivalisierenden Kartelle, die Zetas und das Golfkartell, im bedeutenden Umfang Öl und Benzin stehlen, um es an Raffinerien in Texas zu verkaufen. Mindestens zweimal pro Tag sollen die Gangs dort Leitungen freischaufeln, sie anzapfen und ihre Beute in gestohlenen Tanklastern abtransportieren. Das dazu benötigte Fachwissen lässt vermuten, dass die Kartelle weitreichende Kontakte innerhalb des Mineralölkonzerns Pemex haben.4

Der Erfolg der wirtschaftlichen Reformen ist nun abhängig davon, in wie weit es der mexikanischen Regierung gelingt, das Handeln der Drogenkartelle im Bereich der Rohstoffförderung unter Kontrolle zu bringen. So mindern die Gangs die Staatseinnahmen nicht nur durch den direkten Diebstahl des Öls, sondern beeinflussen damit auch das zukünftige Wirtschaftswachstum, indem sie potentielle Investoren abschrecken.5

  1.  Fox News: Mexican cartels‘ illegal taps stealing billions from oil industry as Pemex hopes to grow– 29.09.2014 []
  2. Handelsblatt: Mexiko hebt Ölmonopol auf – 29.09.2014 []
  3. Handelsblatt: USA entkoppeln sich von Ölimporten – 29.09.2014 []
  4.  Fox News: Mexican cartels‘ illegal taps stealing billions from oil industry as Pemex hopes to grow – 29.09.2014 []
  5. Breitbart: Mexican Energy Production Reforms Endangered by Cartel Thefts of Oil – 29.09.2014 []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.
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