Volksdroge Khat: Zwischen geschwollenen Backen und einem blühenden Wirtschaftszweig

Khatstrauch

Bild: © World66 - Burao Photo Gallery [CC BY-SA 1.0] - Wikimedia Commons

Viele Menschen im Vereinigten Königreich werden über diese Nachricht sehr erstaunt gewesen sein. Die britische Regierung hat im Juni dieses Jahres ein Gesetz verabschiedet, das den Anbau, Besitz und Handel der Droge Khat unter Strafe stellt.1 Khat? Gibt es diese Droge im Land des Fußballs und der Pubs überhaupt?

Und was ist Khat eigentlich? Khat ist eine Pflanze, deren Blätter büschelweise gekaut werden, um eine kreislaufanregende Wirkung zu erfahren. Der leicht euphorisierende und Aufmerksamkeit steigernde Effekt erinnert in milderer Form an den von Amphetaminen. Jedoch kann regelmäßiger Konsum zu Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, aggressivem Verhalten und Angstzuständen führen. Langfristig erhöht der Konsum der Droge durch Schädigung der Gefäße auch das Risiko für Herzkrankheiten. Dazu zeigen Statistiken, dass Menschen, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig Khat kauen, häufiger von bestimmten Krebsarten im Mundraum betroffen sind.23

Verbreitung findet die Pflanze hauptsächlich im Nordosten Afrikas und auf der arabischen Halbinsel.4 Im Jemen beispielsweise gehört der Anblick von Männern mit durch Khatblätter gefüllten tennisballgroßen Wangen seit Jahrhunderten zum Straßenbild.5 Der Gesetzesvorstoß in Großbritannien betrifft vor allem die dort ansässige somalische sowie die jemenitische und äthiopische Gemeinde. Bisher stellten sie einen lukrativen Markt für internationale Khathändler dar. In den Jahren 2011-2012 wurde Khat im Wert von 17,4 Millionen Euro nach Großbritannien exportiert.6 Nun ist ihnen der Konsum der Droge verboten, was zu einem erheblichen Überangebot auf dem afrikanischen Kontinent führt. In Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, wo die Pflanze auch als die „Paradiesblume“ („flower of paradise“) bekannt ist, sollen die Preise schon um die Hälfte gefallen sein.7

Betroffen sind daher auch die Exportländer der Khatpflanze. In den Berglandschaften Kenias und Äthiopiens, wo die Pflanze ideale Bedingungen zum Gedeihen vorfindet, stellt sie einen maßgeblichen Wirtschaftsfaktor dar.89 So sind in Äthiopien in den vergangenen Jahren viele Kleinbauern vom traditionell tief verankerten Kaffeeanbau auf die Kultivierung der Khatpflanze umgestiegen. Die Bauern sehen darin viele Vorteile. Denn im Vergleich zu Kaffee ist der Anbau von Khat weniger wasserintensiv, nicht so anfällig für Schädlingsbefall und es kann zudem mehrmals im Jahr geerntet werden.10

Khat ist in Äthiopien zwar legal, wird aber nicht besteuert. Außerdem ist ein großer Teil des produzierten Khats für den Schwarzmarkt bestimmt. So entgehen dem Land jedes Jahr bedeutende Summen an Steuereinnahmen.10 Dazu warnen Kritiker vor den negativen Auswirkungen der Droge auf die Arbeitsmoral und die Gesellschaft. So sollen viele, vor allem ärmere Menschen, regelmäßig Khat konsumieren (auch um Hungergefühle zu unterdrücken) und so nicht zum Arbeiten fähig sein. Deshalb denkt auch die äthiopische Regierung schon länger über ein Verbot der Droge nach.11 Das Verbot in Großbritannien wird die Umsätze der Khatbauern beeinflussen und möglicherweise sogar einen Teil von ihnen zum, bisher weniger lukrativen, Kaffeeanbau zurückbringen. Allerdings konsumieren allein in Ostafrika täglich etwa 20 Millionen Menschen die Droge, wodurch der Handel mit der Khatpflanze ein wichtiger Wirtschaftsfaktor bleiben wird.9

  1. Home Office: Khat fact sheet for England and Wales – Zuletzt aufgerufen am 04.09.2014 []
  2. Zeit Online: Jemens krebserregende Volksdroge – Zuletzt aufgerufen am 04.09.2014 []
  3. The Guardian: Q&A: what is qat, and how much of it is used in the UK? – Zuletzt aufgerufen am 04.09.2014 []
  4. The Guardian: Q&A: what is qat, and how much of it is used in the UK? – Zuletzt aufgerufen am 04.09.2014 []
  5. Zeit Online: Die Teufelskreisdroge – Zuletzt aufgerufen am 04.09.2014 []
  6. The Guardian: Q&A: what is qat, and how much of it is used in the UK? – Zuletzt aufgerufen am 04.09.2014 []
  7. The Independent: How Britain’s ban on khat created a supply glut in Somalia – Zuletzt aufgerufen am 04.09.2014 []
  8. Riphah Information Portal: Khat chewers savour low-price bliss after UK ban – Zuletzt aufgerufen am 31.3.2017 []
  9. World News Report: UK Khat ban threatens Ethiopian Exports – nicht mehr verfügbar [] []
  10. Al Jazeera: Khat tops coffee for Ethiopia farmers – Zuletzt aufgerufen am 04.09.2014 [] []
  11. Spiegel Online: Äthiopien: Ein Land im Drogenrausch – Zuletzt aufgerufen am 04.09.2014 []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.
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