Anführer des Beltrán-Leyva-Kartells festgenommen

Als der Polizei letzte Woche die Festnahme von Héctor Beltrán Leyva („El H“) gelang, war die Aufmerksamkeit in den Medien enorm. Beinahe jede nennenswerte Zeitung berichtete von dem Schlag gegen das nach seinem Familiennamen benannte Beltrán-Leyva-Kartell. Dabei verlief die Festnahme nahezu unspektakulär in einem Fischrestaurant im Touristenort San Miguel de Allende. Wer also war der Mann, auf den die USA ein Kopfgeld von 5 Millionen Dollar ausgeschrieben hatten?

Die Geschichte beginnt, als er und seine drei Brüder noch Mitglieder des Sinaloa-Kartells waren. Damals galt der Familienclan als der bewaffnete Arm der berüchtigten Drogengang. Nachdem der jüngste der vier Brüder im Jahr 2008 von der Polizei festgenommen wurde, spalteten sie sich jedoch davon ab und machten sich eigenständig. Sie warfen dem Anführer des Sinaloa-Kartells „El Chapo“ vor, den jungen Beltránbruder an die Behörden verraten zu haben und erklärten ihm deshalb den Krieg. Dazu taten sie sich mit den Zetas zusammen und bildeten somit eine gefährliche Allianz. Heftige Kämpfe mit dem nun verfeindeten Sinaloa-Kartell waren die Folge.1

Im Jahr 2009 wurde dann der damalige Anführer, Marcos Arturo Beltrán-Leyva, in einer Schießerei mit mexikanischen Marinesoldaten getötet. Dadurch verlor das Kartell deutlich an Einfluss, was sich aber durch die Führung von „El H“ wieder änderte. Dieser war, nachdem kurz darauf noch ein weiterer Bruder festgenommen wurde, der letzte der vier Größen des Familienclans und führte den Drogenhandel und das ausgefeilte Korruptionsnetz des Kartells zu neuer Größe.2

Er setzte zwar genauso wie sein Vorgänger auf Gewalt, wodurch die Morde von hunderten Mitliedern verfeindeter Kartelle auf sein Konto gehen, jedoch machte er sich selbst nur selten die Finger schmutzig. Stattdessen beherrschte der Drogenboss, der auch den ehrvollen Spitznamen „der Ingenieur“ trug, das Zusammenspiel mit der Politik perfekt. Er verstand es, Geld in die richtigen Hände von Politikern und Sicherheitsbeamten zu leiten, wodurch sogar Prozesse gegen hochrangige Militärs, die mit seinem Kartell verbündet waren, im Sande verliefen. Dabei führte er selbst ein unauffälliges Leben und gab sich zuletzt als Kunst- und Immobilienhändler aus.3

Durch Héctors Festnahme ist die Zukunft des Beltrán-Leyva-Kartells ungewiss. Da nun alle vier Brüder von der Bildfläche verschwunden sind, könnte sich das Kartell komplett auflösen. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Schulterschluss mit anderen Drogengangs. Bereits im August dieses Jahres haben sich Größen aus dem Juarez-Kartell, den Zetas sowie dem Beltrán-Leyva-Kartell getroffen, um einen Zusammenschluss der Gangs zu beraten. Harte Schläge gegen die Führungsebenen der Kartelle sind sicherlich einer der Gründe für die geplante Umorganisation ihrer Macht. Gemeinsam könnten sie ein starkes Gegengewicht gegen das Sinaloa-Kartell bilden.4

  1. Spiegel Online: Festnahme von Beltrán Levya in Mexiko: Drogenboss „El H“ in Handschellen – 07.10.2014 []
  2. Sueddeutsche.de: Mexikanischer Drogenboss „El H“ festgenommen – 07.10.2014 []
  3. InSight Crime: Hector Beltran Levya, the BLO’S Gentleman Operator, Captured in Mexico – 07.10.2014 []
  4. Insight Crime: Reported Narco-Summit Could Herald Upheavel for Mexico Underworld – 07.10.2014 []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.
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