Kartelle übernehmen mexikanische Landwirtschaft

Bild: © Tim & Annette - Wikimedia Commons

In Mexiko zeichnet sich ein beunruhigender Trend ab. Immer mehr Kartelle weiten ihren Einfluss fernab des Drogenmilieus aus. Sie greifen vermehrt in die heimische Landwirtschaft und den Bergbau ein. Schätzungen zufolge seien rund 30 Prozent der mexikanischen Landwirtschaft unter der Kontrolle von Kartellen. Ein Beispiel hierfür findet sich im Westen der Hauptstadt Mexiko-Stadt, im Bundesstaat Michoacán. Hier üben die Caballeros Templarios (Tempelritter) ihre Macht aus. Diese gründeten sich 2011 als ein Ableger des Familia-Michoacána-Kartells.

Sie errichteten in dem Bundesstaat nach und nach ihr eigenes Lehnswesen. Die Bauern wurden dazu gezwungen, Abgaben für ihre landwirtschaftlichen Produkte und Schutzgeld zu zahlen. Wer sich weigerte, wurde meist entführt oder getötet.1 Durch Bestechung und Bedrohung des State Committee of Vegetable Health, das die Qualitätsstandards der Agrarprodukte reguliert, kam das Kartell an Informationen über die Bauern dieser Region. Auf den erhaltenen Listen wird vermerkt, wer wie viel Fläche bestellt und wie viel er letztendlich produziert. So konnten die Templarios genau berechnen, von welchem Landwirt sie wie viel Abgaben verlangen konnten.

Besonders die in diesem Staat stark ausgeprägte Avocadoproduktion wurde von ihnen unterwandert. 72 Prozent aller Avocadoplantagen Mexikos befinden sich in diesem Bundesstaat und 80 Prozent der dort produzierten Avocados gelangen auf den US-amerikanischen Markt. Jahrzehntelang wurden Plantagen von Kartellen gekauft, um das durch den Drogenhandel erwirtschaftete Geld zu waschen. Mittlerweile kontrollieren die Templarios den lokalen Handel der Avocados von der Produktion bis hin zum Verkauf. Es wurden nicht mehr nur Abgaben für die produzierten Mengen verlangt, sondern sie gingen dazu über, die Plantagen und Abpackbetriebe aktiv zu übernehmen, indem sie die Bauern vertrieben oder ihnen Land enteigneten2

Dasselbe Schicksal erlitten auch Bauern, die Limetten kultivieren. Einzelne Farmen wurden von den Templarios rechtswidrig übernommen oder mit Geld aus dem Drogenhandel gekauft, jedoch immer zu einem Preis, den sie selbst festsetzten. Die Erntezeit wurde fest von den Templarios vorgeschrieben, so dass die Abpackbetriebe nur Limetten aus ihren Plantagen erhielten.3

Auch in den Bergbausektor griffen die Templarios immer weiter ein. Hier wurden ebenfalls viele Minen übernommen oder Inhaber gezwungen für das Produzierte Abgaben zu leisten. Im Hafen Lázaro Cárdenas beispielsweise stellten Beamte 119 000 Tonnen illegal gefördertes Eisenerz, mit einem Wert von fast 11 Millionen Euro, sicher. Dieses ist vor allem für den chinesischen Markt bestimmt. Als Gegenleistung dafür wird Ephedrin importiert, welches ein Ausgangsstoff für Methamphetamin ist.4 Die Templarios sollen einer der größten Methamphetamin-Schmuggler Mexikos für den US-amerikanischen Markt sein.5

Auf diese Weise konnte das Kartell ihr Drogennetzwerk mit dem Eingriff in heimische Betriebe sogar noch weiter ausbauen. Der Bundesstaat Michoacán stellt hierbei doch nur ein Beispiel für diese Art von Prozess in Mexiko dar. Dieser stellt nicht nur für die Bürger, sondern auch für die mexikanische Wirtschaft eine große Gefahr dar. Der Schaden im Bergbausektor belief sich 2013 auf schätzungsweise eine Milliarde Dollar.4

  1. People’s World: Community self-defense groups confront Mexico’s drug cartels – 28.10.2014 []
  2. Vocativ: „Blood Avocados“: The Dark Side of Your Guacamole – 28.10.2014 []
  3. Washington Post: How does a drug cartel become a lime cartel – 28.10.2014 []
  4. Huffington Post: Mexikos Drogenkartelle sind gewissermaßen die Mafia 2.0 – 28.10.2014 [] []
  5. Global Post: Who are Mexico’s Knights Templar – 28.10.2014 []
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