Europas geheime Drogenhauptstädte

Bild: © (c) Philcold | Dreamstime.com -

Hört man, dass jemand nach Amsterdam fährt, ist klar, dass der Grund des Ausflugs weniger ein kulturelles Interesse ist, als sich ins „Delirium“ zu kiffen. Im Gegensatz dazu wirkt eine Reise in das kleine verschlafene Dörfchen Lazarat in Albanien wie ein Familienurlaub. Es ist ruhig, friedlich und das Dorf ist umgeben von grünen Wiesen. Doch was hier so schön grün ist, ist zum größten Teil Cannabis und es kostet ein Zehntel von dem, was in Amsterdam verkauft wird. Familienbetriebe versorgen die Felder und sichern sich mit der Ernte ihren Unterhalt. Wenn die Polizei aufkreuzt, wird geschossen, bis diese die Flucht ergreift. Wer hätte das gedacht! Sowas nicht in Los Angeles oder Mexiko, sondern in Europa? Und es kommen noch mehr Überraschungen!1

2013 analysierte das European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addition (EMCDDA) das Abwasser von 42 europäischen Städten auf Rückstände von Drogen. Die herausstechenden Drogenhauptstädte befinden sich vielleicht nicht auf Platz eins der Reisewunschlisten, doch bieten diese Städte der Drogenwirtschaft erhebliche Vorzüge. Der Zoll ist an ordentlichen Kontrollen der Waren nicht sonderlich interessiert, es ist leicht, sich besser als die örtliche Polizei zu bewaffnen und die niedrigen Immobilienpreise bringen noch mehr Eigengewinn. Neben Lazarat bringen folgende Städte diese Vorteile mit sich: Novi Sad, zweitgrößte Stadt in Serbien, versetzt Amsterdam auf den zweiten Platz. Merkmale industrieller Hanfproduktion zeigten sich hier schon im 15. Jahrhundert. In dem kleinen spanischen Dorf Rasquera wurden Cannabisfreunde von der Gemeinde sogar gefördert, sieben Hektar Land mit der Droge zu bepflanzen. Das große Schuldenloch des Gemeindehaushalts soll durch die Einnahmen des Pachtvertrags wieder aufgefüllt werden. Unter den Top vier der Marihuana- und Hanfstädte findet sich auch Glasgow wieder. Die niedrigen Mietpreise in der Stadt motivierten chinesische und vietnamesische Einwanderer dazu regelrechte Cannabis-Farmen zu bauen, z.B. in verlassenen Fabrikgebäuden. Das Geschäft dominiert nicht nur den Markt mit einem Anteil von 75 Prozent, sondern bringt auch die üblichen Merkmale eines Kartells wie Menschenhandel, Prostitution und Geldwäsche mit sich.

Antwerpen (Belgien) sichert sich den Titel „Kokainhauptstadt Europas“. Hier sind sogar die Tauben schon „auf Koks unterwegs“. Der Hafen von Antwerpen ist mittlerweile zum Drehkreuz Europas für den Handel mit Kokain aus Südamerika geworden. Von den im Hafen eingehenden acht Meter langen Containern werden jährlich gerade mal zwei Prozent durchleuchtet. Drogenhauptstadt Deutschlands ist und bleibt Frankfurt. Nicht umsonst trägt die Metropole den Titel „ Kriminellste Stadt Deutschlands“. Auf 100.000 Bürger kommen hier 928 Verbrechen wegen Drogen. Die Lieblingsdroge der Frankfurter: Crack. Der internationale Flughafen und die gute Anbindung zur Autobahn sind nicht nur für die Frankfurter Business-Class von Vorteil, sondern auch für Deutschlands Dealer und Schmuggler. Gleich danach folgt Dresden, wo Chrystal Meth bevorzugt wird. Der rege Handel über die tschechische Grenze ist anscheinend so lukrativ, dass die Dealer an treue Kunden schon Rabattkarten verteilen. 200-300 Drogenlabore heben die Fahnder jährlich aus.2

  1. vice: die-Drogenhauptstädte Europas. zuletzt geöffnet: 14.10.2014 []
  2. emcdda: European Drug Report 2014. zuletzt geöffnet: 14.10.2014 []

Über jana / earthlink

Hi! Mein Name ist Jana, ich studiere Politik und Interkulturelle Studien in Regensburg. Um mehr Erfahrung im entwicklungspolitischen Bereich zu sammeln, mache ich derzeit ein Praktikum bei earthlink e.V. :)
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