Neuigkeiten über die vermissten Studenten in Mexiko führen zu Protestwellen

Eineinhalb Monate sind seit dem Verschwinden der Studenten in Iguala vergangen. Nun gestanden inhaftierte Kartellmitglieder, sie ermordet zu haben.
Ende September waren Lehramtsstudenten aus dem mexikanischen Ayotzinapa auf ihrem Weg nach Iguala von Polizeibeamten gestellt worden. Die Beamten eröffneten das Feuer und töteten neben den Studenten auch weitere Zivilisten. 43 andere wurden verschleppt und an Mitglieder des Kartells Guerreros Unidos übergeben. Diese brachten ihre Gefangenen zu einer nahe gelegenen Müllkippe und erschossen sie dort. Die Leichen wurden laut Aussage der Inhaftierten verbrannt und die Überreste in Müllsäcken in einen Fluss geworfen. Einige dieser Säcke konnten bereits ausfindig gemacht werden. Um endgültig Gewissheit zu erlangen, wurden die Überreste nun nach Innsbruck geschickt.1
Die Lehramtsstudenten waren auf dem Weg, um Spenden zu sammeln und für die Verbesserung der sozialen Bedingungen zu protestieren. Das wollten sie vor allem bei einer Kundgebung der Frau des Bürgermeisters am darauf folgenden Tag einfordern. Mutmaßliche Drahtzieher seien der Bürgermeister Ingualas und seine Frau selbst gewesen. Beide sollen enge Verbindungen zum Kartell gepflegt haben und wurden kurz nach dem Verschwinden der Studenten bereits festgenommen.2 Die Frau des Bürgermeisters, Maria Pineda, soll sogar zeitweise Finanzchefin der Guerreros Unidos gewesen sein.3

Eine Reaktion auf die neuesten Entwicklungen in diesem Fall ließ nicht lange auf sich warten. Bürger in ganz Mexiko demonstrierten gegen die Regierung, die diesem Fall ihrer Meinung nach zu wenig Priorität einräumt und generell das Vertrauen der Bewohner zu einem großen Teil verloren hat. Demonstranten versuchten sogar den Nationalpalast in Mexiko-Stadt zu stürmen. Andere blockierten den Flughafen in Acapulco. Zudem legten weitere Protestteilnehmer ein Feuer in der Zentrale der Regierungspartei PRI.4

Das Verschwinden der Studenten ist leider nur ein Beispiel von vielen, das Aufschluss darüber gibt, wie weit der mexikanische Staat bereits von Drogenkartellen infiltriert ist. In den vergangenen acht Jahren des Drogenkriegs kamen insgesamt mehr als 70 000 Menschen ums Leben. Des Weiteren werden zwischen 22 000 und 26 000 Menschen noch bis heute vermisst.5 Schätzungen zufolge sind sogar mehr als drei Viertel der Gemeinden Mexikos von Kartellen unterwandert.6

Der mexikanische Geschichtsprofessor Lorenzo Meyer zieht in diesem Fall einen Vergleich mit Max Webers Verständnis des Staates. Der deutsche Soziologe spricht diesem ein legales Gewaltmonopol zu. In Mexiko, so Meyer, soll der Staat nun auch das Monopol über die illegale Gewalt innehaben.7

Genau dieser Entwicklung wollte Präsident Peña Nieto entgegenwirken, als er sein Amt antrat. Um die allgegenwärtige Gewalt aus den Medien zu bannen beauftragte er angeblich auch ein Lobbyunternehmen.1 Die jüngsten Ereignisse lassen jedoch keine Zweifel offen, dass diese nach wie vor vorherrscht.

  1. In SightCrime: Iguala Massacre: Mexico’s PR Message Goes Up in Flames – 14.11.2014 [] []
  2. Süddeutsche Zeitung: Vermisste Studenten in Mexiko – Grausiges Rätsel – 14.11.2014 []
  3. Spiegel online: Verschollene Studenten in Mexiko: Sie sind es leid – 14.11.2014 []
  4. Süddeutsche Zeitung: Tod als Alltag – 14.11.2014 []
  5. Süddeutsche Zeitung: Das Feuer um Mitternacht – 10.11.2014 []
  6. Spiegel online: Verschollene Studenten in Mexiko: Sie sind es leid – 14.11.2014 []
  7. El País: Iguala, ¿sólo otra matanza más? – 14.11.2014 []
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