Paraguay: Korruptionsskandal weitet sich aus

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Seit einigen Monaten dominieren Berichte über Korruptionsskandale und illegale Drogengeschäfte die paraguayischen Medien. Noch im Dezember kam die Verstrickung dreier Abgeordneter ans Licht, die Kontakte zur brasilianischen Drogenmafia unterhielten. Nun haben Recherchen der paraguayischen Tageszeitung ABC Color in Canindeyú, einem Departement im Südosten Paraguays, eine höchst korrupte Infrastruktur offengelegt. In dem Gebiet, das an Brasilien grenzt und als „heiße Zone“ des Marihuanahandels gilt, mussten Polizisten ihren Vorgesetzten bis zu 1.500 US Dollar im Monat zahlen. Die „einfachen“ Polizisten finanzierten sich wiederum aus Bestechungsgeldern der Drogenmafia. Auf diese Weise blieben die kriminellen Machenschaften der Drogendealer unbestraft und die Polizisten profitierten von zusätzlichen Einnahmen.1

Diese Praktik ist den Bewohnern Canindeyús weithin bekannt. „Alle schauen zu, aber keiner handelt, um es zu verhindern“, sagt der liberale Senator Luis Alberto Wagner.2 Aus Sicherheitsgründen schweigen die meisten. Auch die Politik schweigt, doch mehr aus Macht- und Geldgier, denn aus Angst. Ohne Kollaboration der Politiker würden die Polizeieinheiten keine Straffreiheit genießen und könnten angeklagt oder strafversetzt werden. Canindeyú wird durch die Abgeordnete Cristina Villalba im paraguayischen Kongress vertreten. Sie und ihr Bruder gelten als Hauptverantwortliche für die jetzt bekannt gewordene Vertuschung.3

Geld, sehr viel Geld – hier liegt wohl die Ursache dieses Übels. Bis zu 400 Millionen US Dollar bewegt das Drogengeschäft im Jahr. Es ist enorm lukrativ und gerade durch die verbreitete Straffreiheit – wenn alle mitmachen – zusätzlich auch sehr attraktiv. Neben den Drogenhändlern lassen sich immer wieder Polizisten und Politiker auf das organisierte Verbrechen ein, wie das aktuelle Beispiel Canindeyú zeigt. Das paraguayische Departement ist vor allem für die Produktion von Marihuana bekannt und liegt an der Grenze zu Brasilien, wo diese illegalen Machenschaften fortgesetzt werden.3

Pablo Medina, Journalist von ABC Color, wurde im Oktober in Canindeyú ermordert. Der Tod des Journalisten hat entscheidend zu der Aufdeckung des landesweiten Skandals beigetragen. Medina hatte immer wieder auf die kriminellen Zustände in Canindeyú hingewiesen.4

Die Strafverfolgung der Verantwortlichen wird durch das Ausmaß der Korruption und die massive Beteiligung von Politik und Polizei enorm erschwert. Auch wenn es mittlerweile zu personellen Neubesetzungen kam, bleibt offen, inwieweit die neuen Amtsinhaber dem lukrativen Drogengeschäft widerstehen werden.2

  1. unpuntoenelinfinito: Comisarías cobran peaje para “la corona”; Artikel vom 02.01.2015 []
  2. Cardinal Am 730: Interview mit Luis Alberto Wagner – nicht mehr verfügbar [] []
  3. Insightcrime: Widespread police bribery network in Paraguay marijuana hub – 08.01.15 [] []
  4. Coha: Pablo Medina: Paraguay’s third victim of drug politics – aufgerufen am 08.01.15 []

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