Drogenkartelle behindern Pressefreiheit – „Reporter ohne Grenzen“-Index 2015 schreckt auf

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Diese Woche veröffentlichte die Nicht-Regierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ (RoG) die alljährliche Rangliste zur Pressefreiheit. Die Zahlen sind alarmierend. In den meisten Staaten hat sich die Lage für Journalisten verschlechtert: Syrien, Irak, Ukraine. Krisen und Kriege, wohin man schaut. Doch auch in Mexiko, Kolumbien und Venezuela sind Journalisten erheblichen Schwierigkeiten ausgesetzt. Alles Länder, die von den Folgen des Drogenanbaus- und handels betroffen sind. Warum ist das so?

Die innenpolitische und gesellschaftliche Lage Mexikos gilt als instabil. Seit Jahren ist das Land von den Folgen der Kämpfe rivalisierender Drogenbanden betroffen. Entführte Studenten, verschwundene Personen, Morde als Racheakte und zur Einschüchterung, erschüttern seit längerer Zeit das Land und stellen eine große Herausforderung für die mexikanische Gesellschaft dar. Dazu kommt ein erschreckendes Ausmaß an Korruption in der öffentlichen Verwaltung. Viele Politiker und Medienanstalten gelten als käuflich. Eine pluralistische, offene Presselandschaft ist nicht erst seit Beginn des Drogenkrieges unvorstellbar geworden. Viele Mexikaner werten dies als Kapitulation vor den Drohungen und Einschüchterungen der Drogenkartelle.1

Auch Journalisten geraten immer häufiger ins Blickfeld. Insbesondere der kritische und investigative Journalismus hat in Mexikos Presselandschaft einen schweren Stand. So kann man in mexikanischen Zeitungen immer häufiger beobachten, dass Artikel ohne den Namen des Autors veröffentlicht werden. Diese Artikel thematisieren meist die Drogenkriminalität und die Verzahnungen der Personen aus Wirtschaft, Politik und Drogenhandel. Von simplen, aber nicht minder gefährlichen Drohbriefen an Redaktionen und einzelne Journalisten, bis hin zu gezielten Tötungen von Journalisten sind Gewaltverbrechen an der Tagesordnung. Dabei nimmt Mexiko einen unrühmlichen Platz 148 von 180 Staaten in der Rangliste der Pressefreiheit ein. Umgeben beispielsweise von Ländern wie Russland oder der Demokratischen Republik Kongo, die hinsichtlich der Ausübung der Pressefreiheit nicht als frei gelten.

Viele Journalisten fühlen sich deshalb von Sicherheitskräften und dem Staat im Stich gelassen. Immer häufiger greifen sie zu eigenen Sicherheitsmaßnahmen. Der Kauf einer schusssicheren Weste, die Anheuerung eines privaten Sicherheitsdienstes, gar der Kauf einer eigenen Schusswaffe, gelten mittlerweile als obligatorisch für bedrohte Journalisten. Auch „Reporter ohne Grenzen“ bietet bedrohten Journalisten, nicht nur in Mexiko, Hilfe an und prangert diese Missstände offen an. So stellt RoG im letzte Woche veröffentlichten Index der Pressefreiheit im Jahr 2015 fest: „Mächtige nichtstaatliche Gruppen, die keine unliebsamen Informationen dulden, sind in vielen Ländern eine tödliche Gefahr für Journalisten“.2 Dies betreffe nicht nur autoritär regierte Staaten und Länder, die von einem akuten Staatsverfall bedroht sind, wie beispielsweise der Irak oder der Jemen, sondern auch Länder, in denen mächtige Drogenkartelle das staatliche Gewaltmonopol korrumpieren. Wenn persönliche Sicherheitsmaßnahmen für Journalisten zwangsläufig notwendig, gar obligatorisch sind, kann dies als klares Indiz für eine massive Einschränkung der Pressefreiheit gewertet werden.3

Mexiko gilt dabei als trauriger Vorreiter, aber auch Brasilien, Venezuela und Kolumbien gelten als schwieriger Arbeitsplatz für Journalisten. Wer sich mit den Mächtigen anlegt, lebt gefährlich. Die Mächtigen sind dabei keineswegs mehr Politiker, sondern Drogenkartelle. Schon vor einigen Jahrzehnten stellte der amerikanische Journalist Stewart Alsop fest: „Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun“. Dabei bezog er sich auf diktatorische Regime. Mächtige nichtstaatliche Akteure waren damals nicht so präsent wie heute. Die Substanz von Alsops Aussage bleibt dennoch die Gleiche. Eine Presselandschaft, die in ihrer Ausübung frei ist, gewährleistet den Schutz einer offenen Gesellschaft. Mehr denn je.

  1. kas.de: Pressefreiheit in Mexiko – Stand 17.02.2014 []
  2. reporter-ohne-grenzen.de: Rangliste der Pressefreiheit 2015 veröffentlicht – Stand 17.02.2014 []
  3. tagesspiegel.de: Mexiko: Pressefreiheit im freien Fall – Stand 17.02.2014 []

Über Christian B. / earthlink

Wenn ich nicht gerade bei EarthLink ein Praktikum mache oder die Welt bereise, studiere ich an der JMU in Würzburg "Political and Social Studies". Inzwischen schon im 5.Semester. Ich interesse mich insbesondere für fremde Kulturen und entwicklungspolitische Themen. Diese Interessen versuche ich bei EarthLink einzubringen und die Arbeit einer NGO kennenlernen.
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