„Narcocorrido“: Die Hymne des mexikanischen Drogenkriegs

Bild: © Gcorpart - Wikimedia Commons

Das mexikanische Musikgenre ist vielfältig, bunt und fröhlich. Von der „Canción Ranchera“ über den „Bolero“ bis hin zum „Corrido“ ist alles dabei. Gerade letztere Musikrichtung war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts extrem populär, da die Liedtexte des „Corrido“ oftmals die Helden der mexikanischen Revolution besangen und glorifizierten. Die sogenannten „Narcocorridos“ sind eine neuere, ebenfalls sehr beliebte Abspaltung zu den traditionellen „Corridos“.

Im Gegensatz zu den „Corridos“ handeln die Lieder der „Narcocorridos“ von Drogen und der Drogenkultur in Mexikos Städten. Die Lieder erzählen Geschichten von Morden, illegaler Einwanderung und Drogenschmuggel. Sie nehmen dieselbe gewaltverherrlichende Rolle ein, wie der Gangster-Rap in den USA. Sie idealisieren und verklären die Drogenschmuggler zu Helden, was sie wiederum zu beliebten Idolen der jüngeren Bevölkerung macht. Die Drogendealer gelten auch deshalb als Vorbilder, da sie der weit verbreiteten Armut entfliehen konnten. Denn der Drogenhandel in Mexiko wird nicht nur negativ betrachtet, sondern gilt auch als lukratives Geschäft, mit dem man am schnellsten und leichtesten Geld verdienen und seine ärmlichen Lebensverhältnisse hinter sich lassen kann.1

Nun wurde in der Hauptstadt des Bundesstaates Chihuahua, Chihuahua-Stadt, eine Initiative gestartet, mit deren Hilfe die vom Kokain- und Rauschgiftschmuggel inspirierte Musik aus den Radios und somit aus der Öffentlichkeit verbannt werden soll. Man entschied sich zu diesem Schritt, nachdem es in der nahe gelegenen Stadt Parral auf einem Narcocorrido-Konzert zu einem tödlichen Zwischenfall kam, bei dem zwei Menschen starben und ein Dritter verwundet wurde.

Der Stadtrat bewilligte ein Verbot, welches besagt, dass innerhalb der Stadtgrenzen keine Aufführungen und keine Verbreitung der „Narcocorridos“ stattfinden dürfen. Personen, die gegen das Verbot verstoßen, werden zu einer Strafe in Höhe von $20.000 und bis zu 36 Stunden im Gefängnis verurteilt. Der Stadtrat ist sich sicher, dass diese Lieder die Kriminalität und die Gewalt fördern, indem sie das organisierte Verbrechen rechtfertigen und glorifizieren.2

Der Bundesstaat ist seit Jahren einer der Brennpunkte im Drogenkrieg zwischen rivalisierenden Kartellen und der Polizei bzw. dem Militär. Aber auch die Stadt gilt neben Juárez als eine der größten Hochburgen der Drogenkartelle. In den vergangenen sechs Jahren verschwanden in Mexiko mehr als 25.000 Menschen. Der Drogenkrieg zwischen rivalisierenden Kartellen und den Sicherheitskräften kostete seit 2006 mindestens 70.000 Menschen das Leben.3

  1. Post: The „narco-culture“ in Mexico: Narcocorridos and Chalino Sánchez – Stand 18.03.2015 -Artikel nicht mehr verfügbar []
  2. InSightCrime: City in Mexico bans Narco songs – Stand 18.03.2015 []
  3. Spiegel: Bundesstaat Chihuahua: Interpol-Polizisten in Mexikos Drogenhochburg vermisst – Stand 18.03.2015 []

Über Joe / earthlink

Ich habe in Bamberg mein Politikwissenschaftsstudium beendet und möchte nun die ersten praktischen Erfahrungen bei EarthLink sammeln. Ich interesse mich sehr für Nachhaltigkeits- und Gerechtigkeitsthemen. In meinem zukünftigen Berufsleben würde ich mich gerne weiterhin für diese Interessen einsetzen.
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