Sind die Regierungen in Venezuela an Drogengeschäften beteiligt gewesen?

In dem neuen Buch von Emilio Blasco „Boomerang Chavez“ werden schwere Vorwürfe gegen hochranginge Politiker Venezuelas erhoben. Es geht um die Verstrickung der politischen Eliten in den Drogenhandel.

Die meisten Informationen bezog der Autor vom ehemaligen Bodyguard des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez. Nach dem Tod von Chávez war der Leibwächter auch Mitglied im Sicherheitsteam des Politikers Diosdado Cabello. Cabello soll der eigentliche Unterstützer und Wegweiser des Drogenhandels und anderer krimineller Aktionen gewesen sein. Er erinnert sich zum Beispiel an eine Situation, in der er Cabello auf einen kleinen Ausflug zur venezolanischen Halbinsel Paraguana begleitet hat. Dort war es der Politiker, der den Menschen in den mit Kokain beladenen Schnellbooten noch letzte Anweisungen gab. Einige Tage später beobachtete der Bodyguard, wie ein Lastwagen der Steuerbehörde Venezuelas (SENIAT), dessen Leiter der Bruder Cabellos ist, in einem Militärkomplex ankam. In dem Truck waren zahlreiche Koffer, allesamt mit etlichen Stapeln an 100 Dollar Noten. Solche Lieferungen gab es angeblich des Öfteren. Ein weiteres Erlebnis gab dem Bodyguard zu erkennen, dass das Geld definitiv nicht legal sein konnte: Auf einem Jagdausflug mit dem Politiker entdeckte er eine Falltür und darunter eine Treppe. Dort stieß er auf einen Raum voll mit Geldbündeln. Auf seine Nachfrage hin, erfuhr er von seinem Kollegen, dass es noch weitere Geldverstecke gibt. Langsam aber sicher begann der Bodyguard, der eigentlich das Leben des Präsidenten beschützen sollte, um sein eigenes zu fürchten. So nahm er im Herbst 2014 Kontakt zur amerikanischen Drogenvollzugsbehörde (DEA) auf und flüchtete.1

Er wurde sogar Zeuge davon, wie der damalige Präsident Chavez mit Führern der Guerilla –Organisation FARC über einen konkreten Deal sprach: Chavez würde ihnen bei dem Drogentransport helfen, im Gegenzug würde er Waffen und weitere Militärausrüstung bekommen.2

Im März dieses Jahres sagte er in einem laufenden Fall gegen Diosdado Cabello aus. Dabei geht es um die Verstrickungen des Präsidenten in den Drogenhandel, wobei der Aufbau der Strukturen hierfür bereits unter Chavez stattgefunden hatte. In die Affäre soll auch der aktuelle Präsident Venezuelas, Nicolas Maduro, verwickelt sein.
Gemäß dem Autor des Buches konnte das Land seinen Wohlstand in den letzten zehn Jahren durch das florierende Erdöl-Geschäft immens steigern. Das sei aber auch die Wurzel alles Bösen in Form von Korruption, Erpressung usw. gewesen.1

Venezuela gilt als eines der wichtigsten Transitländer für Drogen. Von hier aus gelangen Drogen nach Zentral- und Mittelamerika, Europa und Westafrika. Schuld daran sind nicht nur Korruption oder die unzureichende Zusammenarbeit von internationalen Drogenbehörden, sondern auch die schwachen Kontrollen im eigenen Land und an den Grenzen.3

Die Beschuldigten venezolanischen Politiker sehen in dem Ganzen eine von den USA gesteuerte Strategie, sie abzusetzen und eine neue Regierung zu etablieren.4

Ob solch fremdbestimmende Aktionen überhaupt Sinn machen und ob der Vorwurf überhaupt zu halten ist, wird sich womöglich nie herausstellen. Einzig sicher ist das gigantische Drogenproblem Venezuelas. Wenn man dieses wirklich in Angriff nehmen wollte, müssten die Verantwortlichen auf jeden Fall zur Rechenschaft gezogen werden und etwas für Kontrollen und gegen Korruption tun. Doch wie soll das möglich sein, wenn die Verantwortlichen selbst korrupt sind?

  1. InsightCrime: New Book Levels Serious Drug Trafficking Allegations Against Venezuela Officials – aufgerufen am 15.05.2015 [] []
  2. FoxNews: Hugo Chavez was complicit in major drug trafficking scheme, ex bodyguardclaims – aufgerufen am 12.05.2015 []
  3. Latinapress: Drogenproblematik Lateinamerikas: USA loben Kuba – harsche Kritik an Venezuela – aufgerufen am 15.05.2015 []
  4. Spiegel Online: Venezuela: Top-Politiker in Venezuela unter Verdacht: Drogen, Macht, Verrat – aufgerufen am 15.05.2015 []

Über Cleo / earthlink

Momentan studiere ich im sechsten Semester Politikwissenschaft in München. Durch das Praktikum bei Earthlink erhoffe ich mir eine praktische Abwechslung zum recht theoretischem Studium :)
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