Irans widersprüchlicher Kampf gegen Drogen

Bild: © Maxim Evdokimov - Dreamstime

Die Anzahl der Drogenabhängigen im Iran wächst stetig. Zurzeit zählt man mehr als drei Millionen süchtige Frauen und Männer. Die am häufigsten konsumierte Droge ist Crystal Meth. 2,2 Millionen aller Süchtigen sind dieser Droge verfallen. Am zweithäufigsten wird Heroin konsumiert.1 Dies liegt einerseits an der ständigen Verfügbarkeit dieser beiden Drogen und andererseits an deren sehr einfachem Konsum.2

Iran gilt neben Pakistan und Afghanistan als Zentrum des Drogenhandels im „Goldenen Halbmond“, dem asiatischen Hauptanbaugebiet von Opium. Der Iran wird sowohl als Transit- als auch Produktionsland seit Jahren von Drogen aus seinen Nachbarstaaten überflutet. Geschmuggelt werden nicht nur Heroin und Crystal Meth, sondern auch Haschisch und Opium. Dies führt natürlich zu einem erhöhten und ständig wachsenden Konsum von Drogen in der iranischen Bevölkerung. Der Staat ist mittlerweile gezwungen, gegen dieses erhebliche Problem vorzugehen und der Drogenflut die Stirn zu bieten. Hierbei werden jedoch ganz konträre Strategien verfolgt, was natürlich der Effizienz der staatlichen und organisierten Bekämpfung von Drogen im Wege steht. Einerseits werden Drogensüchtige immer seltener als Kriminelle, sondern als Kranke betrachtet. Sie bekommen Unterstützung in ihrem Kampf gegen Drogen.2 Andererseits werden die meisten Todesurteile im Iran für Drogendelikte verhängt und auch ausgeführt. Die Zahl der auf Drogenvergehen zurückzuführenden zum Tode Verurteilten wächst jährlich.3

In Teheran werden Entzugsprogramme angeboten und für all jene, die nicht Willens sind, gegen ihre eigene Drogensucht anzukämpfen, bieten Drogenberatungszentren Zuflucht. Hier werden Drogenabhängigen Beratung in Bezug auf Drogen, ein sicherer Zufluchtsort und Verpflegung geboten. Noch dazu erhalten die Süchtigen hier ärztliche Versorgung. Viele dieser Beratungsstellen platzen aus allen Nähten. Auch Entzugsprogramme werden von der Bevölkerung dankend angenommen. Solche gibt’s es sowohl für Männer als auch Frauen, jedoch strikt getrennt voneinander. Auf der Tagesordnung stehen hier gemeinschaftliche Aktivitäten wie Beten oder gemeinsames Singen. So sollen Abhängige nach fünf Monaten Aufenthalt in Suchtkliniken wieder bereit für den Alltag sein. Neben der zunehmenden Einführung von Beratungsstellen und Entzugskliniken werden des Öfteren Drogen zeremoniell in der Öffentlichkeit und in enormen Mengen verbrannt. Ein weiteres Zeichen, das der Staat Iran gegen Drogen steht.2

Vor der Kehrseite dieser scheinbar liberalen und einflussreichen Anti-Drogenstrategie des Irans warnt Amnesty International vor wenigen Tagen: Die Zahl der Exekutionen im Iran, vor allem für Drogendelikte, wachse kontinuierlich. Die Gesamtzahl der Todesurteile übersteige dieses Jahr bereits jetzt die Gesamtanzahl des Jahres 2014. Dies spricht klar gegen die neue Rolle des Irans als „Partner des Westens“ und klar gegen die zuvor beschriebene Unterstützung Drogenabhängiger in ihrer Suchtbekämpfung. Im Schnitt werden im Iran täglich drei Menschen hingerichtet. Auch im Fastenmonat Ramadan, in dem normalerweise keine Exekutionen durchgeführt werden, gab es dieses Jahr mehrere Vollstreckungen.4

Die widersprüchliche Anti-Drogenpolitik des Irans schwächt seine Glaubwürdigkeit, sowohl gegenüber dem Westen als auch gegenüber der eigenen Bevölkerung. Sie spiegelt die Gesamtsituation des Staates wieder. Einerseits möchte man den Schein des liberalen, dem Westen folgenden Landes bewahren, andererseits schafft man es nicht, altbewährte und menschenrechtswidrige Vorgehensweisen zu verwerfen.

  1. Die Welt: Harte Drogen haben im Iran Konjunktur – aufgerufen am 27.7.2015 []
  2. N-tv: Iran stellt sich seinem Drogenproblem – aufgerufen am 27.7.2015 [] [] []
  3. Kurier: Amnesty schlägt Alarm: Heuer mehr als 1000 Hinrichtungen im Iran – aufgerufen am 27.7.2015 []
  4. Kurier: Amnesty schlägt Alarm: Heuer mehr als 1000 Hinrichtungen im Iran – aufgerufen am 27.7.2015 []

Über Helena / earthlink

Hallo ihr Lieben, ich bin Helena, 19 Jahre alt und einfach immer gut drauf. Lache viel & gerne und Langeweile gibt es nicht!
Dieser Beitrag wurde unter Gegenmaßnahme, Internationales abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.